Derbyfieber und Datenflut: Die Neuausrichtung der Fußballtipps in Istanbul | OneFootball

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·18. Februar 2026

Derbyfieber und Datenflut: Die Neuausrichtung der Fußballtipps in Istanbul

Artikelbild:Derbyfieber und Datenflut: Die Neuausrichtung der Fußballtipps in Istanbul

Wenn in Istanbul ein Derby stattfindet, dann steht die Stadt still, zumindest gefühlt. Zwischen Stadionlärm, Vereinsstolz und hitzigen Diskussionen jedoch wächst eine zweite Ebene heran: digitale Analytik, strukturierte Einschätzungen, ein neues Verhältnis zu Statistiken.

Istanbul und Fußball, das ist keine einfache Beziehung. Das ist eine ständige Hochspannung. Wenn Galatasaray, Fenerbahçe oder Beşiktaş aufeinandertreffen, geht es nicht nur um drei Punkte, es geht um Geschichte, um Stadtteile, um Identität. Schon Tage vor dem Anpfiff wird diskutiert: Wer ist fit, wer fällt aus, wer hat zuletzt überzeugt?


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Früher liefen diese Gespräche am Kiosk, im Café oder im Vereinsheim. Heute laufen sie auch auf Displays. Spielpläne werden gecheckt, Statistiken verglichen, Formkurven analysiert. Das Derby beginnt nicht erst mit dem ersten Pass, es beginnt in der Recherche.

Information wird zum festen Bestandteil

Bevor der Ball rollt, wird längst gescrollt. So sehr sich viele Fans heutzutage auch nach Gefühlen sehnen mögen: Sie suchen zuerst nach Informationen. Welche Wett Tipps heute auf Basis von Statistik und Formanalyse diskutiert werden, ist vielfach zu lesen. Entsprechende Seiten bündeln Daten, verorten Begegnungen und vergleichen Entwicklungen.

Das ersetzt nicht das Bauchgefühl, aber es ergänzt es. Und es zeigt, wie sehr sich die Vorarbeit gewandelt hat. Das Gespräch über Fußball ist nicht verschwunden, es ist digitaler geworden.

Wenden wir uns damit den Zahlen hinter den Highlight-Derbys zu. Auch heute gilt trotz aller Online-Recherche: Was bleibt, ist die Wucht im Stadion. Laut offiziellen Ligadaten der Süper Lig wurden in der Saison 2024/25 insgesamt über 3,2 Millionen Stadionbesuche registriert, der Zuschauerschnitt betrug 15.000 pro Partie (Spitzenspiele in Istanbul erzielen regelmäßig höhere Werte). Allein das Interkontinental-Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahçe füllte zuletzt Stadien mit über 45.000 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Das sind keine leeren Statistiken. Diese Stimmung ist es, die jede Statistik übertönt.

Digitale Begleitung neben dem Sport wächst

Laut einer Erhebung von Hürriyet Daily News benutzten im Jahr 2023 etwa 87 % der türkischen Erwachsenen regelmäßig das Internet, viele davon auch für Sportinhalte. Das heißt: Die meisten verfolgen Spiele nicht nur live oder via Fernsehen, sondern dann auch noch über digitale Kanäle.

Analyse ist Teil der Fankultur geworden. Wer heute über Fußball spricht, redet anders als vor zehn Jahren. Da geht’s nicht mehr nur um Einsatz und Moral, da geht’s um Ballbesitz und Abschlussquoten, um Laufleistung, um expected goals. Und selbst in den privaten Gesprächen wird gezählt. Zitiert der eine Fan die vergangenen fünf Auswärtsspiele, verweist der andere auf Gegentore nach Standardsituationen. Daten sind nicht länger Spezialwissen, sie sind Teil der Alltagsdebatte geworden.

In den türkischen Medien spiegelt sich ein ähnliches Bild wieder. Sportportale präsentieren umfassende Statistiken, während Vorberichte zunehmend analytische Ansätze verfolgen. Die Fans übernehmen diese Sprache und haben somit eine neue Art des interaktiven Engagements entwickelt.

Eine Mischung aus Emotionen, Analysen und modernen Kommunikationskanälen

Selbstverständlich bleibt Fußball immer noch ein irrationales Spiel. Kein Datenbestand kann vollständig erklären, warum ein Underdog auf einmal das Zepter in der Hand hält, noch kann ein Modell die Anspannung eines Derbys vorhersagen.

Dennoch hat das Streben, Muster zu erkennen, zugenommen. Viele Fans wollen nicht nur mitfiebern, sie möchten die Hintergründe verstehen. Warum spielt eine Mannschaft auf Hochtouren? Warum fällt sie ab? Was führt zum Wendepunkt in einem Spiel?

Die digitale Informationslandschaft bietet zumindest einige Erklärungsansätze.

Laut einer Studie von Deloitte zur Nutzung von Sportmedien in Europa beziehen mehr als 70 % der Zuschauer während eines Live-Spiels gleichzeitig digitale Inhalte ein. Dazu zählen Statistiken, Kommentare aus sozialen Medien oder aktuelle Analysen.

Dieses Verhalten, auch "Second-Screen" genannt, hat sich längst etabliert. Während des Spiels finden lebhafte Diskussionen statt. Während diskutiert wird, wird recherchiert. Und während recherchiert wird, werden neue Einschätzungen erstellt.

In Istanbul ist das nicht anders. Wer im Stadion sitzt, hat trotzdem das Smartphone in der Hand. Nicht, weil er oder sie desinteressiert ist. Sondern weil Information heute quasi durchgehend verfügbar ist.

Ökonomische Relevanz des türkischen Profi-Fußballs

Laut veröffentlichten Finanzdaten der Liga belief sich das Gesamtvolumen der letzten Übertragungsrechte in der vergangenen Vertragsperiode auf mehrere hundert Millionen Euro pro Saison. Medienrechte, Sponsoring, Ticketing – darauf gründen sich Einnahmen und damit die Vereinsfinanzierung.

Das heißt: Aufmerksamkeit ist Kapital. Reichweite ist Wert. Die digitale Präsenz ist Teil dieser Gleichung geworden.

Je mehr ein Spiel online diskutiert wird, desto größer ist seine mediale Sichtbarkeit. Das gilt für die Vereine, für die Sponsoren, für die Medien – und eben auch für die Informationsportale, die die Spiele analysieren.

Niemand will behaupten, digitale Einschätzungen könnten die Stimmung im Stadion ersetzen. Wenn in Kadıköy oder im Rams Park ein Tor fällt, ist nur der Moment wichtig.

Und trotzdem: Die Art, wie dieser Moment vorbereitet wird, hat sich verändert. Früher war es Intuition, Erfahrung, vielleicht eine Schlagzeile in der Zeitung. Heute ist es Gefühl gemixt mit Zahlen. Das Derby bleibt das Derby. Aber es findet statt in einem Umfeld von Daten, Analysen und Vergleichsmöglichkeiten.

Was das für Fans bedeutet

Für viele Fans verändert sich nicht viel. Sie genießen das Spiel. Sie analysieren danach. Oder davor. Das Stadion bleibt der Kern. Die digitale Ebene läuft daneben. Der Fußball wird nicht weniger leidenschaftlich. Er wird nur dichter und moderner digital begleitet. Und wenn der Schlusspfiff ertönt, verschwinden die Zahlen nicht sofort. Sie werden diskutiert.

Wenn der Ball im Netz liegt, verstummt für einen Moment alles. Auch die Analyse im Netz. Und vielleicht ist es genau dieses kurze Innehalten zwischen Statistik und lautem Jubel, das den modernen Fußball in Istanbul am besten beschreibt.

Foto: pexels.com

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