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·23. Juni 2026
Deutsche Aufstellung gegen Ecuador – Nagelsmanns große Herausforderung nach dem Stress-Test

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Thomas Müller brachte es mit seiner Erfahrung aus vier Weltmeisterschaften als Spieler auf den Punkt: Beim 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste habe Deutschland „das gesamte Spektrum“ gezeigt. Genau darin liegt für die DFB-Auswahl die gute und die kritische Nachricht zugleich. Der zweite WM-Auftritt machte Mut, offenbarte aber auch Baustellen. Wie wird die deutsche Aufstellung gegen Ecuador aussehen?

Bundestrainer Julian Nagelsmann im MagentaTV-Interview nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste bei der WM 2026. (Screenshot: MagentaTV)
Am Ende bestand die Mannschaft von Julian Nagelsmann den Stress-Test. Nach zwei Spieltagen steht Deutschland bereits in der K.-o.-Runde, nach dem 0:0 Ecuadors gegen Curaçao sogar als Gruppensieger. Das Team bewies, dass es Rückschläge wegstecken kann, entwickelte Moral und drehte das Spiel mit großem Willen und einer Portion Glück. Nadiem Amiri fasste die Stimmung so zusammen: „Die Mentalität stimmt offensichtlich. Das hatte Deutschland lange nicht mehr, so einen Zusammenhalt der Mannschaft, dass wir so ans Limit gehen und die Spiele noch drehen“
So könnte Deutschland spielen gegen Ecuador:
1 Neuer – 2 Rüdiger, 4 Tah, 5 Pavlovic, 6 Kimmich (C), 7 Havertz, 10 Musiala, 17 Wirtz, 18 Brown, 19 Sané, 23 Nmecha.
Auch für den Bundestrainer selbst war es ein Erfolg. Nagelsmann wechselte im richtigen Moment, Amiri bereitete den Ausgleich mit einer starken Flanke vor, Deniz Undav traf doppelt, und Leon Goretzka verhinderte vor dem Siegtreffer mit Defensivarbeit das mögliche 1:2. An der Linie coachte der 38-Jährige ungewöhnlich emotional, sein sogenanntes „In-Game-Coaching“ funktionierte in Toronto an diesem Wochenende besonders gut.
Jonathan Tah, nach der passenden Überschrift für den zweiten Gruppensieg gefragt, nannte gleich zwei Schlagworte: Siegermentalität und Teamgeist. Auch die Art, wie die Mannschaft den Sieg mit allen Ersatzspielern und dem Staff feierte, sprach für den inneren Zusammenhalt. Die Serie von elf Siegen in Folge unterstreicht das eindrucksvoll. Zugleich bleibt offen, wie weit dieser Erfolg trägt. Kurz vor Schluss hätte die Elfenbeinküste das 2:1 erzielen müssen, das Kimmich-Team hatte also auch Glück. Vor allem in manchen Offensivphasen fehlten die Ideen, defensiv nicht selten der Zugriff.
Deutschland WM Tabelle 2026
Vor dem letzten Gruppenspiel am Donnerstag in New Jersey gegen Ecuador, Anpfiff ist um 22 Uhr, steht Nagelsmann nun vor einer seiner spannendsten Entscheidungen dieser Vorrunde. Im Mittelpunkt: Deniz Undav. Der Angreifer sammelte nach dem Sieg über die Elfenbeinküste fünf Scorer-Punkte, also drei Tore und zwei Vorlagen, und lag damit auf Platz eins der WM-Rangliste, noch vor Lionel Messi. Einen Startelfeinsatz hätte sich der 29-Jährige längst verdient, das ist auch dem Bundestrainer klar. Für Undav wäre es das erste Spiel von Beginn an bei einem großen Turnier für die Nationalmannschaft.
Doch die Lage ist verzwickt. Würde Nagelsmann sehr positionsgetreu tauschen, müsste Kai Havertz weichen. Thomas Müller beschreibt den Arsenal-Profi als „Ankerspieler“, auch Mats Hummels sieht Havertz als gesetzt. Im deutschen System ist er die einzige Spitze. Auf zwei Stürmer umzustellen, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Bringt Nagelsmann Undav von Beginn an, würde er der Mannschaft zugleich eine Waffe nehmen, denn dann fehlt der Top-Joker für die zweite Halbzeit.
„Natürlich darf er Ansprüche stellen. Der Trainer ist ja auch nicht blind“, sagte Müller als TV-Experte. „Wenn ich mich jetzt in ihn hineinversetze, würde ich mir schon denken: Ja, gegen Ecuador, da erwartet man einen tiefen Block. Da könnte ich mir auch vorstellen, vielleicht zu starten. Aber wenn man es andersrum sieht, könnte man auch sagen: Wenn die müde werden und dann bringe ich ihn wieder ab der 60., dann ist es immer noch ein tiefer Block, aber er muss sich nicht abarbeiten und er behält seinen Flow.“
WM Spiel Deutschland gegen Ecuador am 25.6.2026
Noch hat Undav seine Rolle ohne Widerstand akzeptiert. Sportlich hat er aber inzwischen ein gewaltiges Argumentenpaket gesammelt. Tah lobte ihn mit den Worten: „Deniz muss man hervorheben, einfach überragend“, Amiri ergänzte: „Deniz ist ein absoluter Killer vor dem Tor, der braucht nicht viele Chancen.“
Auch international sorgt der Stürmer für Aufsehen. „The Athletic“ stellt die Frage: „Ist Deniz Undav der beste Einwechselspieler der Weltmeisterschaft?“ Und die „Daily Mail“ urteilt: „Deniz Undav ist ein geborener Torjäger für Deutschland.“
Eine mögliche Lösung wäre die rechte Außenbahn. Dort hatte Leroy Sané, obwohl engagiert, auch im zweiten WM-Spiel nicht restlos überzeugt. Undav über rechts wäre theoretisch denkbar, aber keineswegs seine beste Position. Eher käme die Zehn infrage, also die zentrale Offensive. Das würde die Statik im deutschen Spiel verändern. Jamal Musiala oder Florian Wirtz würde Nagelsmann normalerweise kaum aus der Anfangsformation nehmen, doch die Belastung bei diesem Turnier ist hoch. Nach den beiden Erfolgen könnte er einem von ihnen eine Pause gönnen.

Deniz Undav und sein Teamkollege Nadiem Amiri machen sich am Spielfeldrand für ihre Einwechslung bereit. Beim WM-2026-Gruppenspiel zwischen Deutschland und der Elfenbeinkueste im Toronto Stadium kamen die beiden Offensivspieler am 20. Juni 2026 gemeinsam in die Partie. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
„Man kann über alles nachdenken als Trainer – in beide Richtungen“, sagte Nagelsmann selbst. „Natürlich kann er auch auf der Zehn spielen. Wenn er die Quote so behält, sind wir mehr als zufrieden und super happy. Ich glaube auch, dass jeder Spieler von Beginn an spielen will. Aber tief im Herzen ist er auch ganz zufrieden, wie es gerade läuft.“
Christian Streich, langjähriger Coach des SC Freiburg, würde gegen Ecuador an Sané in der Startelf festhalten und mit Undav sprechen. „Er ist einfach ein wahnsinnig guter Fußballer, der sich in die richtigen Räume bewegt“, sagte Streich im ZDF. Per Mertesacker bezeichnete Undav als „ein absolutes Phänomen“. Der frühere Weltmeister verwies dabei auch auf dessen außergewöhnlichen Weg: Vor sechs Jahren spielte er noch beim SV Meppen, davor beim TSV Havelse. „Was so schön ist, ist dieser andere Karriereweg“, so Mertesacker.
Undav selbst hält sich aus der Debatte heraus. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und wenn das gerade so gut funktioniert, liegt es am Bundestrainer“, sagte der Stuttgarter. „Er trifft die Entscheidungen. Es ist nur wichtig, dass jeder, der reinkommt, Akzente setzen kann, das Spiel ändern kann.“ Julian Nagelsmann steht damit vor besonderen Tagen und Entscheidungen.







































