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·19. Juni 2026
Deutsche Nationalmannschaft vor Länderspiel gegen Elfenbeinküste: „Diese Mannschaft hat eine gesunde Mischung“

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·19. Juni 2026

Zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko richtet sich der Blick der deutschen Nationalmannschaft auf die Elfenbeinküste. Manuel Neuer gibt im Teamquartier in Winston-Salem tiefe Einblicke in sein Comeback, seine Rolle im Kader und die letzte große Turnierchance seiner Karriere.

Torhüter Manuel Neuer trifft am 18. Juni 2026 zur Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft an der Winston-Salem State University in North Carolina ein. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Der Bayern-Torwart macht klar, dass seine Rückkehr ins DFB-Team kein spontaner Schritt war. Nach dem Rücktritt 2024, den er nach der erfolgreichen Heim-Europameisterschaft für die richtige Entscheidung hielt, habe er sich bewusst Zeit gelassen. Die zwei Jahre nach dem Abschied wären für ihn körperlich zu belastend gewesen, sagt Neuer, zumal Bayern München in allen drei Wettbewerben bis zum Schluss gefordert war und im vergangenen Jahr zusätzlich die Klub-WM dazukam.
Auch gesundheitlich lief nicht alles glatt. Im Februar und März war Neuer angeschlagen, musste sich erst wieder herantasten und Leistungen zeigen, ehe er mit Bundestrainer Julian Nagelsmann offen besprach, ob er bei einem Turnier regelmäßig trainieren und ein komplettes Endrundenprogramm durchstehen könne. Schon 2014 sei er vor dem Turnier angeschlagen gewesen, diesmal habe er aber deutlich mehr Vorbereitungszeit gehabt.
Für den 38-Jährigen ist klar, dass die WM in Nordamerika sein Abschiedsturnier ist. Eine Rückkehr zur EM in zwei Jahren schließt er aus. Erst in den letzten Tagen habe er sich überhaupt damit beschäftigt, dass dies seine letzten Länderspiele sein könnten. Bei der EM habe er diesen Gedanken noch nicht zugelassen, weshalb es nach dem Ausscheiden gegen Spanien auch keine Stellungnahme gegeben habe. Mit der Frage eines besonderen Abschieds im Nationaltrikot wolle er sich aber nicht mehr aufhalten, weil sein Blick nach vorn gerichtet sei.

Torhüter Manuel Neuer beim Training der deutschen Nationalmannschaft einen Tag vor dem WM-2026-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste am 19. Juni 2026 im Toronto Stadium. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Wenn Neuer über seine viel zitierte Aura spricht, meint er vor allem Ausstrahlung und Vertrauen. Wer auf dem Platz stehe, müsse seinen Mitspielern Sicherheit vermitteln und sie mit Körpersprache und positiver Energie darin bestärken, ihre Stärken auszuspielen. Genau das wolle er dem Team weitergeben.
Auch die Besetzung im deutschen Tor bewertet er sehr positiv. Jonas Urbig habe alles in der eigenen Hand und befinde sich auf einem sehr guten Weg. Aus dem Training beim FC Bayern kennen sich beide bestens, und Neuer sieht den jungen Keeper nicht als reinen Trainingsgast, sondern als vollwertigen Teil der Mannschaft. Urbig bringe viel Qualität mit, profitiere von der Turnierluft und lerne die Abläufe, um das Team zu unterstützen. Zugleich hebt Neuer den großen Respekt vor den anderen Torhütern hervor. Oliver Baumann habe in der Qualifikation herausragend gespielt, alle Schlussleute hätten in ihren Vereinen eine starke Saison hinter sich. Der Umgang untereinander sei sehr gut, und jeder nutze die gemeinsame Zeit, um besser zu werden.
WM Spiel Deutschland gegen Elfenbeinküste am 20.6.2026
Inhaltlich traut Neuer dieser deutschen Mannschaft viel zu. Er erinnert an 2012, als das Team ebenfalls stark gewesen sei, im Halbfinale gegen Italien aber das schwächste Spiel erwischt habe. Damals sei der Weg ebenfalls offen gewesen, ähnlich wie jetzt. Entscheidend sei aus seiner Sicht die Mischung aus frechen, agilen jungen Spielern und erfahrenen Kräften, die schon viel erlebt haben und in ihren Klubs eine gute Saison gespielt haben.
Der Weltmeister von 2014 sieht außerdem eine Mannschaft, die die deutsche Team-DNA verkörpert. Unter den Turnierbedingungen, die ihn an Brasilien erinnern, komme es auf den Extra-Meter an. Genau dafür habe diese Truppe Power und Energie. Dazu komme eine ausgewogene Verbindung aus jugendlicher Dynamik, Erfahrung und gutem Stellungsspiel. Wenn das Team das Tempo und die Intensität bis zum Schluss hochhalten könne, sei eine große Chance auf einen tiefen Turnierlauf vorhanden.
Deutschland WM Tabelle 2026
Sportlich richtet sich alles auf die Partie gegen die Elfenbeinküste in Toronto. Vor dem Duell sagt Neuer, dass Deutschland bei einer möglichen vorzeitigen Qualifikation für die K.o.-Runde alles in der eigenen Hand habe. Der Start sei gelungen, an vergangene Turniere denke die Mannschaft nicht. Stattdessen zähle nur der nächste Schritt. Die Ivorer seien mit viel Tempo in der Offensive gefährlich, daher brauche es saubere Positionierung im Ballbesitz, weniger Flüchtigkeitsfehler und eine stabile Restverteidigung mit der richtigen Höhe. Abschalten dürfe man gegen diesen Gegner nie, vielmehr müsse das Team hellwach bleiben und schnell umschalten, egal ob mit oder ohne Ball.

Nico Schlotterbeck der deutschen Nationalmannschaft spricht bei der Pressekonferenz neben seinem Teamkollegen Jonathan Tah am 11. Juni 2026 an der Winston-Salem State University in Winston-Salem, North Carolina. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Neuer hält zudem viel von Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck. Beide hätten eine hervorragende Saison gespielt. Über Tah, den er über die gesamte Bayern-Spielzeit hinweg beobachtet habe, habe er nach der Saison ausdrücklich gesagt, dass der Verteidiger eine weltklasse Runde hinter sich habe. Für einen ersten Bayern-Jahrgang sei das etwas Besonderes, auch wenn Neuer selbst in seiner ersten Münchner Saison titellos geblieben sei. Tah und Schlotterbeck hätten bei Bayer und Dortmund eindrucksvoll gezeigt, was in ihnen steckt, weshalb sich Neuer mit ihnen sehr wohl fühlt.
Auch im Blick auf die WM-Ziele bleibt der Keeper optimistisch. Er traut der Mannschaft den Titel zu, sonst wäre er nicht zurückgekehrt. Für ihn sei die erneute Teilnahme ein Geschenk, und ein zweiter WM-Triumph wäre etwas ganz Besonderes. Dass er sich diese Chance nicht vorstellen würde, wäre für ihn gleichbedeutend damit, jetzt nicht hier zu sitzen.
Abseits des Spielfelds freut sich Neuer über die Fanbus-Aktion des Teams. Der Mannschaftsrat organisiert die Mitnahme von 600 Anhängern zu den Spielen, um den Support in den drei Gastgeberländern zu stärken. Gerade bei diesem teuren Turnier sei das ein wichtiges Zeichen und eine schöne Geste aus der eigenen Tasche.
Auch die interne Arbeitsweise im Team lobt Neuer deutlich. Julian Nagelsmann habe sich weiterentwickelt, arbeite sehr fokussiert und konzentriere die Mannschaft klar auf das jeweilige Spiel. Rückfragen gebe es kaum, weil die Spieler die Linie des Bundestrainers inzwischen genau kennen. Nagelsmann sei in seiner Trainerbox emotional, doch gerade das passe, weil er mit dem Herzen dabei sei. Die Analysen und Besprechungen seien so präzise, dass das Team zielstrebig in die Partien gehe.
Neuer spricht außerdem über seine Fitness und seinen Tagesrhythmus. Schlaf und Ernährung seien entscheidend, weil man alle drei bis vier Tage auf dem Höchststand funktionieren müsse. Dank seiner Erfahrung mit Regeneration wisse er heute genau, was sein Körper brauche. Mit 24 hätte er dieses Wissen noch nicht gehabt, inzwischen lasse sich das ganze System so aufstellen, dass es individuell passe.
Über die jüngeren Mitspieler sagt Neuer, dass er gern mit ihnen spricht und den Austausch sucht. Nach seiner Rückkehr fühle er sich selbst fast wieder wie neu in der Gruppe und habe einige der Neuen zunächst gar nicht gekannt. Dennoch sei das Miteinander offen und unkompliziert.
Zum Schluss ordnet Neuer auch die Rolle von Oliver Baumann ein. Die beiden arbeiten täglich zusammen und pflegen ein sehr gutes Verhältnis. Nach der Ankunft in Herzogenaurach hätten sie ausführlich über die Entwicklung und die Hintergründe der personellen Konstellation gesprochen und dabei offene Worte gefunden. Baumann habe die Qualifikation herausragend bestritten, die Torhütergruppe sei insgesamt stark besetzt, und auf den Rückhalt im Tor könne sich die Mannschaft jederzeit verlassen.
Was seine eigene Verfassung betrifft, erinnert sich Neuer daran, dass er sich in den Tagen vor dem Spiel gegen Curaçao gut gefühlt habe und für ihn feststand, dass dieser Eindruck anhalten würde. Gerade vor Turnieren sei es normal, dass noch nicht alles perfekt laufe. Bei ihm sei es oft so gewesen, dass er vor großen Wettbewerben noch nicht ganz bei hundert Prozent gewesen sei. Nicht selten habe ihn genau das später zu Erfolgen geführt, weshalb er auch diesmal von einem guten Omen spricht.







































