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·27. Juni 2026

Deutschland geht die Zeit aus für eine erfolgreiche FIFA Fußball WM 2026

Artikelbild:Deutschland geht die Zeit aus für eine erfolgreiche FIFA Fußball WM 2026

Deutschland steht trotz Platz eins in Gruppe E und 10 erzielten Toren vor einem ernüchternden Bild. Das 1:2 gegen Ecuador änderte an der Ausgangslage wenig, legte aber gnadenlos offen, warum dem viermaligen Weltmeister bei dieser WM die Zeit davonläuft. Die englische The Independent kritisiert die fehlende Chemie innerhalb der Mannschaft, die Nagelsmann erst aufbauen musste im Vorfeld der WM. Ob das noch gelingt, ist fraglich, bei einem Sieg gegen Panama würde Frankreich warten im Achtelfinale.

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Bundestrainer Julian Nagelsmann verlässt nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador enttäuscht den Rasen. Das Gruppenspiel der Gruppe E bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 fand am 25. Juni 2026 im New York New Jersey Stadium in East Rutherford statt. Alexander Hassenstein / Getty Images


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Im New Jersey Stadium in New York feierten die Fans in den Rängen den Erfolg Ecuadors lautstark, während Deutschland fünf Tage zuvor den Gruppensieg bereits sicher gehabt hatte. Für die Nationalmannschaft blieb dennoch ein Gefühl des Stillstands zurück, fast wie eine Kapitulation auf dem Platz.

Deutschland – Paraguay1/16

Mo 29.06. · 22:30 Uhr · ZDF

Ein Sieg, der wenig beschönigt

Nach den Vorrunden-Aus in den Jahren 2018 und 2022 ist der Einzug in die Runde der letzten 32 zwar ein Fortschritt und zugleich das erste WM-K.o.-Spiel seit dem Finale 2014. Doch für eine Nation, die alle vier Jahre Großes erwartet, wirkte der Auftritt in East Rutherford eher wie ein Warnsignal. Ausgerechnet in dem Stadion, in dem in wenigen Wochen das Endspiel stattfinden wird, lieferte die Auswahl eine Vorstellung ab, die eher nach früher Heimreise am 19. Juli aussah.

Der Start hätte besser kaum sein können. Leroy Sané traf schon nach zwei Minuten zur Führung, auch wenn Aleksandar Pavlovic beim vorausgehenden Moment mit einem hohen Fuß durchaus Glück hatte, dass die Szene nicht abgepfiffen wurde. Wer darin ein Zeichen für einen stabilen Abend sah, wurde schnell eines Besseren belehrt.

Nur sieben Minuten später glich Ecuador aus. Nilson Angulo profitierte dabei ebenfalls von einer Portion Glück, weil sein starker Abschluss vom heranstürmenden Verteidiger durch die Beine abgefälscht wurde und im Eck einschlug. Der Treffer riss die Partie auf und brachte Deutschland für eine Weile völlig aus dem Takt.

Zu wenig Verbindung, zu wenig Wucht

Die Gastgeber wirkten geschockt, kamen mit der Intensität Ecuadors nicht zurecht und verloren in den Umschaltmomenten mehrfach die Ordnung. Selbst als sie wieder etwas mehr Kontrolle im Aufbau bekamen, blieb ihr Spiel zäh und vorhersehbar. Viel Ballbesitz brachte kaum Durchschlagskraft, es gab zwar einige Ansätze, aber wenig Substanz im letzten Drittel.

So erinnert der Auftritt an das, was man seit den Gruppen-Ausgängen der vergangenen beiden Turniere immer wieder sieht. Auch diesmal fehlte der Mannschaft die nötige Chemie. Julian Nagelsmann hatte schon vor der Partie erklärt: „In den Wochen vor der Weltmeisterschaft war das Kernproblem, dass diese Mannschaft Zeit brauchte, um Chemie zu entwickeln, weil sie nicht viele Spiele gemeinsam bestritten hatte.“ In East Rutherford war genau das deutlich zu erkennen. Zusammen mit einer holprigen Startelf, Verletzungen und mangelnder Qualität deutet vieles darauf hin, dass genau das Deutschlands Sommer zum Verhängnis werden könnte.

Besonders auffällig waren Joshua Kimmich auf der rechten Abwehrseite und die geringe Durchschlagskraft von Florian Wirtz sowie Kai Havertz im Angriff. Kimmich verbrachte den Großteil der Saison bei Bayern München im zentralen Mittelfeld, während Wirtz bei Liverpool deutlich effektiver durch die Mitte agiert. Bei Havertz wird die Debatte über seine Fähigkeiten als Neuner weitergehen, und auch bei Leroy Sané drängt sich der Eindruck auf, dass Nagelsmann im Idealfall bessere Optionen hätte.

Ein Vorwurf an den Bundestrainer ist das aber nicht. Er versucht lediglich, aus einem gemischten Kader das Maximum herauszuholen. Für Kimmich, Sané und Wirtz gibt es derzeit kaum brauchbare oder bessere Alternativen, auch wenn man sich für das Achtelfinale vielleicht Deniz Undav von Beginn an vorstellen kann.

Fehler, Wechsel und das deutliche Warnsignal

Mit zunehmender Spieldauer wurde der Mangel an Abstimmung immer sichtbarer. Spieler liefen sich gegenseitig in die Räume, falsche Laufwege häuften sich und Anspiele landeten im Nichts. Ein spätes Missverständnis zwischen Tah und Neuer stand sinnbildlich dafür, als der Verteidiger den Ball am herausstürmenden Torhüter vorbeispitzelte und Gonzalo Plata knapp über das Tor schoss.

Auch die Wechsel halfen nur begrenzt weiter. Havertz, Wirtz und Kimmich gingen vom Feld, Pascal Groß ersetzte den Liverpooler, Malick Thiaw wurde ebenfalls als Rechtsverteidiger hineingeschoben, und nur Angelo Stiller wirkte als Einwechselspieler für Pavlovic wie eine naheliegende Lösung. Dennoch blieb das Gesamtbild brüchig.

Deutschland kam zwar zu Chancen, denn die Qualität einzelner Akteure reicht dafür weiterhin aus. Der Strafstoßpfiff zu Beginn der zweiten Halbzeit hätte Ecuador hart treffen können, wenn auch in gewisser Weise selbst verschuldet. Er passte aber zum Spiel, das zunehmend danach aussah, als könne Deutschland nur noch über einen Moment der ecuadorianischen Unordnung zurückkommen.

Später vergab Sané die beste Gelegenheit nach der Pause, als er den Abschluss verunglückte und direkt auf Hernán Galíndez schoss. Auf der anderen Seite verhinderte Stiller mit einem starken Block einen weiteren Gegentreffer. Doch kurz darauf fiel doch das 2:1 für Ecuador, und wieder zeigte Deutschland Schwächen in mehreren Details zugleich.

Kevin Rodríguez gewann den ersten Ball, Neuer reagierte zu langsam, Tah war mehr mit dem Festhalten eines Trikots beschäftigt, statt sich in die richtige Position zu bringen, und Plata drückte die Kugel aus dem Gewühl über die Linie. Mangelnde Aggressivität und fehlende Physis waren das ganze Spiel über ein Thema, und sie führten auch in dieser Szene direkt zum Gegentor.

Als die Partie ihrem Ende entgegenging, rangen die Spieler um jeden freien Pass und die Angreifer arbeiteten unermüdlich, doch die Niederlage fühlte sich wie das treffendste Bild dieser WM bislang an. Siege gegen Curaçao und die Elfenbeinküste hatten die Risse überdeckt. Mehr individuelle Klasse kann zwar einzelne Spiele entscheiden, aber dieses Leistungsniveau wird Deutschland bei dieser Weltmeisterschaft nicht zum Titel tragen.

Die erweiterte Endrunde und ein günstiger Spielplan haben die großen Fehltritte von 2018 und 2022 verhindert. In Boston wartet am 29. Juni nun das erste deutsche WM-K.o.-Spiel seit 2014, gegen Paraguay. Doch schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass Frankreich in der Runde der letzten 16 warten könnte und Deutschlands Weg bei diesem Turnier eher früher als später endet.

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