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·14. Juni 2026
Deutschland mit Titelchancen? WM-Vorschau Gruppe E

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Nun ist es soweit. Auch die deutsche Nationalmannschaft startet ins Turnier und will – anders als 2018 und 2022 – endlich wieder die Gruppenphase überstehen und Mitte Juli noch Pflichtspiele absolvieren. Mit Ecuador und der Elfenbeinküste warten allerdings zwei unangenehme Gegner auf Deutschland. Und was kann man eigentlich vom Zwerg Curacao erwarten? Wir liefern die Vorschau.
Curacao schreibt bei dieser Weltmeisterschaft schon vor dem ersten Anpfiff Geschichte. Mit rund 156.000 Einwohnern ist die Insel der kleinste Staat, der jemals an einer WM teilgenommen hat. Allein die Qualifikation zählt deshalb zu den besonderen Geschichten dieses Turniers. Seit 2011 ist Curacao FIFA-Mitglied, nun steht die Nationalmannschaft erstmals auf der größten Fußballbühne.
Der Weg dorthin war beeindruckend. Curacao blieb in der Qualifikation ungeschlagen und setzte sich unter anderem mit einem wichtigen Sieg gegen Jamaika sowie einem anschließenden 0:0 im Rückspiel durch. Auch der klare 5:1-Erfolg gegen Haiti zeigte, dass diese Mannschaft nicht zufällig bei der WM steht. Ein wichtiger Faktor ist dabei die besondere Kaderstruktur: Viele Spieler wurden in den Niederlanden geboren und ausgebildet, bringen technische Qualität mit und haben Wurzeln zur Insel.
Doch nicht nur das Land, sondern auch Trainer Dick Advocaat wird bei dieser WM Geschichte schreiben. Mit 78 Jahren ist er der älteste Trainer, der jemals bei einer Weltmeisterschaft an der Seitenlinie steht. Der erfahrene Niederländer übernahm 2024 und gilt als Architekt dieses Erfolgs. Nach einem zwischenzeitlichen Rückzug aus familiären Gründen kehrte Advocaat noch einmal zurück und will dieser Mannschaft nun auch auf der größten Bühne seinen Stempel aufdrücken. Grundsätzlich möchte Curacao mutig Fußball spielen, von hinten aufbauen und über Ballbesitz Kontrolle finden. In einer Gruppe mit Deutschland, der Elfenbeinküste und Ecuador wird die Mannschaft allerdings vor allem längere Phasen überstehen müssen, in denen sie deutlich weniger vom Spiel hat.
Spielerisch liegt die Stärke von Curacao definitiv in der technischen Ausbildung vieler Akteure. Leandro Bacuna ist als Kapitän und erfahrenster Spieler das Gesicht dieser Mannschaft. Tahith Chong dürfte individuell der wichtigste Spieler sein. Der bei Manchester United ausgebildete Flügelspieler, der auch ein halbes Jahr für Werder Bremen spielte, kann Tempo, Kreativität und Eins-gegen-eins-Qualität einbringen. Insbesondere in Umschaltmomenten könnte er zu einem entscheidenden Faktor werden.
Auch Torhüter Eloy Room sowie die komplette Defensive wird eine wichtige Rolle einnehmen. Curacao wird gegen die stärkeren Gegner dieser Gruppe viele defensive Phasen überstehen müssen. Umso wichtiger wird es sein, kompakt zu bleiben, einfache Fehler zu vermeiden und die wenigen eigenen Chancen konsequent zu nutzen.
Sportlich bleibt Curacao klarer Außenseiter. Gegen Deutschland, Ecuador und die Elfenbeinküste wird es extrem schwer, tatsächlich um das Weiterkommen mitzuspielen. Trotzdem ist diese Mannschaft mehr als eine emotionale Außenseitergeschichte. Curacao kann Fußball spielen, hat eine klare Identität und wird mit viel Stolz auftreten. Schon ein Punktgewinn wäre historisch, doch allein die Teilnahme ist bereits ein außergewöhnlicher Erfolg.

Foto: Getty Images
Deutschland reist mit einem Kader zur Weltmeisterschaft, der auf dem Papier einiges verspricht. Julian Nagelsmann verfügt über zahlreiche Spieler mit hoher technischer Qualität, interessanten Rollenprofilen und der Fähigkeit, Spiele mit Ball zu dominieren. Trotzdem ist die Stimmung rund um die Nationalmannschaft vor dem Turnier nicht frei von Skepsis. Zu oft wechselten sich in den vergangenen Monaten vielversprechende Ansätze mit schwächeren Phasen ab, zudem sorgte auch die Kommunikation des Bundestrainers immer wieder für Diskussionen.
Grundsätzlich dürfte Deutschland in einem 4-2-3-1 auftreten und versuchen, über Ballbesitz, Kombinationsspiel und schnelles Gegenpressing Kontrolle zu entwickeln. Wenn die Abstände stimmen, die Offensivspieler zwischen den Linien ins Spiel kommen und nach Ballverlusten sofort wieder Druck erzeugt wird, kann Deutschland sehr guten Fußball spielen. Schon bei der Heim-EM 2024 zeigte das DFB-Team phasenweise, dass es zu den spielerisch stärksten Mannschaften Europas gehören kann.
Gleichzeitig gehen einige Schlüsselspieler nicht ohne Fragezeichen in das Turnier. Vor allem Musiala fand zuletzt nicht zu seiner besten Form, auch Wirtz und Woltemade kommen aus teils schwierigen Spielzeiten in die WM. Dennoch gibt es Gründe für Optimismus. Wirtz wirkte im DFB-Trikot häufig deutlich präsenter als im Liverpool-Trikot, Kai Havertz kommt in sehr guter Verfassung und könnte für Nagelsmann eine zentrale Rolle einnehmen. Seine Fähigkeit, Räume zu öffnen, Bälle festzumachen und selbst torgefährlich zu werden, passt sehr gut zu dem Ansatz des Bundestrainers.
Auch im Zentrum gibt es spannende Ansätze. Zwar fehlt im Vergleich zur Heim-EM Toni Kroos, doch Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha bringen ein interessantes Profil mit. Pavlovic kann mit Ruhe und Passqualität Struktur geben, Nmecha ergänzt ihn mit Körperlichkeit und Wegen in die Tiefe. Für beide wird es allerdings das erste große Turnier im DFB-Dress. In der Innenverteidigung verspricht das Duo aus Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah ebenfalls viel Qualität. Auf der linken Seite hat sich Bayerns Transferziel Nathaniel Brown als Königslösung etabliert, während Joshua Kimmich rechts gesetzt sein wird.
Bei all der individuellen Qualität bleibt der entscheidende Punkt aber die Balance. Deutschland hat genug Klasse, um gegen nahezu jeden Gegner Phasen der Dominanz zu erzeugen. Die deutlich größere Frage ist, ob diese Dominanz auch über 90 Minuten abgesichert werden kann. Gerade gegen starke Umschaltteams wird das Gegenpressing eine zentrale Rolle spielen. Funktioniert es, kann Deutschland Gegner einschnüren. Funktioniert es nicht, wird die eigene Defensive schnell vor große Aufgaben gestellt, zumal es in der hintersten Linie in puncto Athletik und Tempo durchaus Defizite gibt.
Über jeder deutschen Prognose steht zudem ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich. In dieses Spiel würde Deutschland vermutlich nicht als Favorit gehen, chancenlos wäre die Mannschaft aber keineswegs. Wenn Nagelsmann die defensive Stabilität verbessert und seine Offensivspieler rechtzeitig in Form bringt, besitzt Deutschland genug Qualität für einen tiefen Lauf. Bleiben die bekannten Probleme bestehen, kann das Turnier allerdings auch in der nächsten Enttäuschung enden.

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Ecuador geht als eines der unangenehmsten Teams dieser Weltmeisterschaft in das Turnier. In der CONMEBOL-Qualifikation überzeugten die Südamerikaner auf ganzer Linie. Nur zwei Niederlagen und lediglich fünf Gegentore in 18 Spielen zeigen, wie stark diese Mannschaft gegen den Ball arbeitet.
Grundsätzlich agiert Ecuador meist in einem 4-2-3-1 und kommt über Intensität, Kompaktheit und schnelle Umschaltmomente. Beccacece hat eine Mannschaft geformt, die sehr diszipliniert verteidigt und dem Gegner nur wenig klare Räume anbietet. Besonders die Defensive um die Weltklassespieler Willian Pacho und Piero Hincapie ist das große Fundament dieses Teams. Dazu kommt eine laufstarke Mannschaft, die physisch auf sehr gutem Niveau ist und sich in jeden Zweikampf hineinwerfen wird.
Im Zentrum ist Moises Caicedo der klare Schlüsselspieler. Der Mittelfeldspieler von Chelsea verbindet Balleroberungen, Dynamik und technische Qualität. Der Chelsea-Profi gibt Ecuador Stabilität, aber auch enorme Qualität im Spiel mit Ball. Wenn Ecuador gefährlich wird, dann häufig über das Rezept aus gewonnenen Zweikämpfen, schnellen Pässen und vertikalen Konterangriffen.
Die Offensive bleibt aber das Sorgenkind. In 18 Qualifikationsspielen erzielte Ecuador nur 14 Tore, vier davon allein gegen Bolivien. Das zeigt, dass diese Mannschaft zwar schwer zu besiegen ist, aber selbst oft Probleme hat, Spiele aktiv zu gestalten. Nur zwei Siege aus den letzten sieben Partien macht deutlich, dass die starke Defensive alleine nicht ausreichen wird.
Doch insbesondere in diesem WM-Format kann Ecuador zum Stolperstein werden. Ein Standard, ein Umschaltmoment oder ein individueller Fehler des Gegners können reichen. Das DFB-Team wird gegen die Mannschaft von Sebastian Beccacece sehr viel Geduld mitbringen müssen.
Für eine echte Geheimfavoritenrolle dürfte die Offensive zwar zu wenig Durchschlagskraft und individuelle Qualität haben, aber ein starkes Turnier ist alles andere als unrealistisch. Ecuador bringt viele Eigenschaften mit, um jedem Gegner Probleme zu bereiten. Wer gegen diese Mannschaft früh in Rückstand gerät, wird sich die Zähne ausbeißen.

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Die Elfenbeinküste kehrt nach zwölf Jahren auf die WM-Bühne zurück und bringt einen spannenden Kader mit viel Qualität und internationaler Erfahrung mit. Nach dem Afrika-Cup-Titel 2023 war die Erwartungshaltung im Land groß, die anschließenden Turniere verliefen jedoch eher enttäuschend. Nun wollen die „Elefanten“ bei der Weltmeisterschaft wieder ein positives Zeichen setzen.
Trainer Emerse Fae setzt meist auf ein 4-3-3 und verfolgt einen klaren Ansatz. Die Elfenbeinküste will zunächst defensiv stabil stehen und anschließend über Tempo sowie individuelle Qualität nach vorne kommen, vor allem über die Außenbahnen. Spieler wie Amad Diallo und Yan Diomande können im Eins-gegen-eins Gefahr erzeugen, Räume attackieren und mit ihrem Tempo für Gefahr sorgen. Mit Nicolas Pepe und Kapitän Franck Kessie verfügt die Mannschaft zudem über Erfahrung auf wichtigen Schlüsselpositionen.
Die größte Stärke dieser Mannschaft liegt jedoch, durchaus überraschend, in der Defensive. In der Qualifikation kassierte die Elfenbeinküste kein einziges Gegentor und zeigte, dass sie sich auch in Phasen mit weniger Ballbesitz wohlfühlen kann. Mit Spielern wie Evan Ndicka, ehemals Eintracht Frankfurt, Odilon Kossounou, ehemals Bayer Leverkusen, oder Emmanuel Agbadou verfügt Fae über robuste und international erfahrene Verteidiger. Für Ousmane Diomande, der aktuell auf einen Marktwert von 42 Millionen Euro kommt, bleibt nach aktuellem Stand sogar nur ein Platz auf der Bank.
Offensiv wird die Elfenbeinküste vor allem über Umschaltmomente und individuelle Aktionen gefährlich. Im geordneten Spiel mit Ball fehlt der Mannschaft von Fae noch etwas die klare Struktur, um Gegner dauerhaft zu kontrollieren. Da Deutschland der Favorit auf den Gruppensieg sein dürfte, könnte das Duell gegen Ecuador bereits entscheidend werden. Gegen Curacao ist ein Sieg Pflicht, im besten Fall auch ein hoher mit Blick auf das Torverhältnis.
Für einen echten Geheimtipp fehlt der Elfenbeinküste vermutlich die letzte Klarheit im eigenen Ballbesitz. Dennoch ist diese Mannschaft solide, schwer zu bespielen und individuell gut genug, um in dieser Gruppe um Platz zwei zu kämpfen. Wenn Fae die Defensive stabil hält und seine Flügelspieler regelmäßig in gute Situationen bringt, ist ein Weiterkommen und auch ein Sieg in der K.O.-Runde absolut realistisch.

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