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·22. September 2026

DFB-Präsident Neuendorf zweifelt an Infantinos Reformkurs

Artikelbild:DFB-Präsident Neuendorf zweifelt an Infantinos Reformkurs

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält Gianni Infantinos öffentlich bekundeten Reformwillen für unglaubwürdig. Der FIFA-Chef wolle mit seinem Schreiben aus Sicht des deutschen Verbandschefs vor allem seine Wiederwahl im kommenden Jahr absichern.

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Ghana-Trainer Otto Addo und DFB-Präsident Bernd Neuendorf posieren vor dem Länderspiel Deutschland gegen Ghana in der MHPArena in Stuttgart am 30. März 2026. Alex Grimm / Getty Images


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Bernd Neuendorf hat FIFA-Präsident Gianni Infantino scharf attackiert und dessen jüngste Aussagen zur Neuausrichtung des Weltverbandes als taktisches Kalkül bezeichnet. Infantinos Brief an die FIFA-Mitglieder, in dem sich der unter starkem Druck stehende Schweizer versöhnlich und reformbereit gezeigt hatte, überzeugt den DFB-Präsidenten nicht.

„Ich halte das Schreiben von Gianni Infantino für ein durchschaubares Manöver, um seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu sichern“, sagte Neuendorf dem SID. Zwar wertete das Mitglied des FIFA-Councils die Signale aus Zürich grundsätzlich als Eingeständnis, dass ein Strukturwandel notwendig sei. „Grundsätzlich scheint nun auch die FIFA erkannt zu haben, dass Änderungen unerlässlich sind“, erklärte der 56-Jährige.

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ZÜRICH, SCHWEIZ – 30. Juli 2026: Fußballfans versammeln sich vor dem globalen FIFA-Hauptsitz. Ein Vorschlag von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an Fußball-Wettbewerben zu verkaufen, hat bei einigen nationalen und regionalen Sportverbänden für Kritik gesorgt. (Foto: Robert Hradil/Getty Images)

Neuendorf fordert Infantinos Rückzug

Für Neuendorf steht dennoch fest, dass Infantino keinen Reformprozess führen kann. „Allerdings ist Gianni Infantino definitiv nicht die richtige Person, um einen Reformprozess zu moderieren. Er hat jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.“

Neben dem DFB drängen weitere Verbände auf den Rückzug des FIFA-Chefs. Vor allem die Europäische Fußball-Union UEFA fordert seinen Abschied und bereitet in der Schweiz eine Strafanzeige gegen Infantino vor.

Auslöser ist die Rolle des FIFA-Präsidenten bei einem inzwischen aufgegebenen Vorhaben, Beteiligungen an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu veräußern. Zu diesem Kreis sollten auch Geldgeber aus dem Umfeld des damaligen US-Präsidenten Donald Trump gehören.

UEFA setzt auf Gegenkandidaten

Die UEFA verfolgt das Ziel, Infantino noch vor der für März des kommenden Jahres geplanten Wahl zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur zu bewegen. Der Schweizer will jedoch nicht zurückweichen und weiterhin für das höchste Amt im Weltfußball antreten. Sein demonstrativer Reformkurs soll ihm offenbar Rückhalt für die Wahl sichern.

Falls Infantino kandidiert, dürfte die UEFA mit großer Wahrscheinlichkeit einen Herausforderer aufstellen. Als möglicher Gegenkandidat gilt der kanadische CONCACAF-Präsident Victor Montagliani. Die Nominierungsfrist für Bewerber endet am 18. November.

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Jean-Philippe Mateta von Crystal Palace erhält nach dem Finale der UEFA Conference League 2026 gegen Rayo Vallecano am 27. Mai 2026 in der Football Arena Leipzig seine Siegermedaille von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)

Menschenrechtsorganisation attackiert Infantinos Reformkurs

Die Menschenrechtsorganisation FairSquare hält die Reformbereitschaft von FIFA-Präsident Gianni Infantino für wenig glaubhaft. FairSquare-Direktor Nicholas McGeehan bezeichnete dessen Angebot einer externen Überprüfung der Governance und möglicher Änderungen der Entscheidungsprozesse als „offensichtlich nicht ernst gemeint“. Ein sinnvoller Reformprozess müsse klare Regeln und Rechenschaftspflicht vorsehen, so McGeehan im SID-Gespräch. Seine Organisation hat bei der FIFA-Ethikkommission Beschwerde gegen Infantino wegen möglicher Verstöße gegen dessen Neutralitätspflicht im Umgang mit US-Präsident Donald Trump eingereicht.

McGeehan sieht Infantinos Reformvorstoß zudem als Teil des Machtkampfs zwischen FIFA und UEFA. Reformen seien dabei aus seiner Sicht lediglich ein Mittel, das beide Seiten für ihre jeweiligen Interessen einsetzen. Auch UEFA-Präsident Aleksander Ceferin habe wahrscheinlich kein größeres Interesse an grundlegenden Reformen als Infantino, so McGeehan.

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