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·24. Juni 2026

DFB-Team: Die große Chance für Deniz Undav? Julian Nagelsmann vor kniffliger Rotationsfrage gegen Ecuador

Artikelbild:DFB-Team: Die große Chance für Deniz Undav? Julian Nagelsmann vor kniffliger Rotationsfrage gegen Ecuador

Das DFB-Team steht vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador bei der WM 2026 vor einer kniffligen Frage: Rein oder nicht rein? Wie viel Rotation ist gesund?

Zwei Spiele, sechs Punkte, nicht nur die Qualifikation für die K.-o.-Phase hat das DFB-Team bereits eingetütet, sondern sogar schon den sicheren Gruppensieg. Ecuadors Remis oder viel eher Curaçaos Torhüter Rooms kurzzeitiger Aufstieg zum tausendhändigen Bodhisattva sei Dank.


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Es stellt sich also zwangsläufig die Frage aller Fragen. Eine Frage, die fast schon Shakespearsche Qualitäten hat, was alleine die Dramatik angeht: Rotieren oder nicht rotieren, das ist hier die Frage! Oder anders: Rein oder nicht rein.

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Option Total-Rotation – Model Mancini 2021

Wenn Julian Nagelsmann so wollte, könnte er auf allen elf Position tauschen und zusammen mit seinen fünf Wechseln auch wirklich auch dem hinterletzten im Kader zu Spielzeit verhelfen. Roberto Mancini hatte so etwas ähnliches bei Italiens erfolgreicher EM 2021 gemacht.

Sein eigenes Trauma 1990 vor Augen – der junge Mancini erlebte die Heim-WM komplett auf der Ersatzbank ohne einer einzigen Spielsekunde – fasste er sich das Credo dieses Unrecht nicht zu wiederholen, sofern ihm als Trainer die Möglichkeit sich böt.

Und so tauschte er im letzten Gruppenspiel auf acht Positionen und setzte so bis auf den dritten Torhüter jeden nominierten Spieler ein. Der Ausgang war bekanntlich erfolgreich, Italien wurde Europameister, ein Umstand, der im Kontext der drei fehlgeschlagenen WM-Qualifikationen, die diesen Titel umringen, auf ewig die Fußball-Historiker zum Rätseln bringen wird.

Doch halt! Ganz so erfolgreich war die Rotation gar nicht! Denn ihre brillante Vorrunde konnten sie in der K.O.-Phase nur in den Ergebnissen bestätigen, die Squadra Azzura quälte sich durch die Runden. Direkt nach der Vollrotation brauchten sie die Verlängerung um Marko Arnautovićs mächtiges Österreich auszuschalten und vor dem Titelgewinn überstanden sie ganze zwei Elfmeterschießen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Ende gut, alles gut, aber vielleicht haben unsere großen Rivalen sich dadurch doch fast aus der Bahn rotiert.

Wer in der Mannschaft bleiben muss

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Nein, eine Total-Rotation wird es auf keinen Fall geben. Zu frisch ist die gefundene Elf, zu ungefestigt ihre Abläufe. Vor allem jedoch braucht ein gewichtiger Teil des Teams Spielpraxis. Jamal Musiala ist nun körperlich seit einigen Monaten ohne Beschwerden, doch wie der Bundestrainer schon richtig sagt: Nun muss er spielen, spielen, spielen, um zu alter Stärke zu finden. Ihn jetzt herauszunehmen, wäre nur ein Schnitt ins eigene Fleisch. Ähnliches gilt für Kai Havertz und Felix Nmecha, die jedoch alle höchstwahrscheinlich allerhöchstens eine Stunde bekommen dürften.

Sané & Pavlović brauchen Erfolgserlebnisse

Dann gibt es noch die Kandidaten Erfolgserlebnis. Leroy Sané und Florian Wirtz sind Spieler, die dringend ein Tor bräuchten, in Sanés Fall wäre auch ein Assist schon gewinnbringend. Der Bundestrainer sollte ihn auf jeden Fall draufbehalten, um ihm zu signalisieren, dass er immer noch das Vertrauen des Teams hat.

Denn nach Jahren des Begutachtens von Sané beim FC Bayern kann man nämlich eins sicher sagen: Nimmt man ihn jetzt, nachdem er schon gegen die Elfenbeinküste nach einer Stunde raus musste, auch aus der Startaufstellung für das nächste Spiel, ist das Turnier für ihn gelaufen. Und in Ermangelung Lennart Karls, Serge Gnabrys und dem Umstand, dass Jamie Leweling ebenfalls keine Bäume ausriss, darf man sich das nicht leisten.

Zur Gruppe der Erfolgserlebnisjäger zählt auch Aleksandar Pavlović. Bayerns Holding Six spielt eine erstaunlich enttäuschende WM bisher, schon gegen das kleine Curaçao zeigte er sich fahrig, gegen die Ivorer verstärkte sich der Eindruck noch mehr. Aber Pavlović ist eminent wichtig für den DFB. Seinem Klon Stiller fehlt komplett die Athletik gegen die vielen konterstarken Teams des Turniers, Leon Goretzka die Spielstärke und Nadiem Amiri ist eigentlich zu offensiv für die Sechs. Pavlović braucht dringend gute 90 Minuten, um ins Turnier zu kommen.

Neben ihm ist Goretzka trotzdem noch eine Option, falls man bei Nmecha doch Fitness vor Spielpraxis priorisiert, schließlich fiel der Dortmunder vor dem Turnier wochenlang aus.

DFB-Team: Wo rotiert werden kann

Florian Wirtz darf sich sein Selbstbewusstsein gegen müde Ecuadorianer holen, wenn er für Musiala eingewechselt wird, zu Beginn darf er jedoch gerne Platz machen für den Mann der Stunde, den Bomber der Nation, dem Phantom, dem Phänomen: Deniz Undav.

Undav auf die Neun!

Der VfB-Stürmer funktioniert derzeit unfassbar gut als Joker, aus diesem Grund wäre ich im Normalfall auch komplett auf Seite derer, die ihn auch weiter Joker sein lassen wollen. Gute Joker gibt es wenige, ob Musiala seine Top-Einwechslung in der Champions League gegen Real Madrid wiederholen könnte, steht in den Sternen. Und hat Joachim Löw denn André Schürrle auch nur einmal 2014 von Beginn an gebracht? Eben. 

Und dennoch muss jetzt einfach die Stunde des Deniz Undav kommen, denn nun kann man wirklich einmal ohne Konsequenzen einen Heat-Check bei Undav durchführen: Kann der nur Joker oder scort er von Beginn an genauso absurd?

Ein Heat-Check zur Erklärung kommt aus dem Basketball: Hat ein Spieler einen absurden Lauf während eines Spiels, nimmt der sich gerne mal einen wilden Wurf und schaut, ob er derzeit wirklich von überall trifft. Im Basketball ist das eine Risikoentscheidung, aber was spricht schon hier dagegen? Macht er keine drei Scorer, wird er den Kopf schon kaum im Sechzehntelfinale baumeln lassen, habt ihr den mal sprechen hören? Niemandem scheint die Sonne gerade heller aus dem… Naja, ihr wisst schon woher.

Die Abwehr steht – und sollte doch umgebaut werden

In der zentralen Defensive sollten Jonathan Tah und Antonio Rüdiger sich noch eine gute Stunde einspielen, ehe es zum Ernstfall übergeht. Unbedingt sollte aber auch Waldemar Anton mindestens eine halbe Stunde bekommen. Nach dem WM-Aus von Nico Schlotterbeck ist er jetzt der neue Rüdiger, die Nummer drei in der Defensive. Und die braucht es eigentlich immer. Ein Innenverteidiger fehlt verletzt, gesperrt oder muss gelbrotgefährdert vom Platz genommen werden und schon ist auch der zweite Dortmunder Verteidiger in der Hauptrolle. Müssten sich Tah und Rüdiger nicht einspielen und hätte Kimmich als Kapitän kein Startelf-Abonnement, wäre Anton auch ein heißer Kandidat für die Startelf.

Links kann rotiert werden: Ähnlich wie Florian Wirtz braucht Brown keine Spielpraxis mehr, aber ein weiteres Erfolgserlebnis dürfte ihm gut tun nach dem schweren Spiel gegen die Elfenbeinküste. Hier reichen 30 Minuten als Einwechselspieler. David Raum jedoch kann die Turnierluft gut gebrauchen, Außenverteidiger sind mit die gefährdetsten Spieler was gelbe Karten angeht, man muss sich also keine utopischen Eventualitäten ausmalen, damit Raum innerhalb des Turniers noch wichtig wird. Er selbst war ja bei der EM davon betroffen: Gegen Yamals Spanier holte er sich früh gelb und der Bundestrainer ihn runter: Eine Unterzahl muss schließlich um jeden Preis vermieden werden.

Die Gretchenfrage im Tor

Und dann gibt es da natürlich noch den Elefanten im Tor: Man kann hier argumentieren, Neuer könnte Spielpraxis gut gebrauchen, immerhin verpasste er vor dem Turnier alle Testspiele sowie das Pokalfinale und nun ändert sich ja auch noch die Abwehrkette mit der Rückkehr Rüdigers. Allerdings kennt Neuer den Real-Verteidiger ja schon über zehn Jahre lang, ob da weitere 90 Minuten noch etwas verbessern? Unwahrscheinlich.

Neuer könnte auch aus körperlicher Sicht die kurze Verschnaufspause guttun, nach der Gruppenphase werden die Zügel angezogen, sechs spielfreie Tage sind dann passé. Beim FC Bayern hatte er sich zuletzt rund um die Champions-League-Spiele immer mit Jonas Urbig abgewechselt. Der Bundestrainer malte ja schon bei der Nominierung das Szenario an die Wand, bei dem Neuer vielleicht mal ein Spiel aus körperlichen Gründen auslassen müsste. Dann hätte Oliver Baumann jetzt schon erste WM-Luft geschnuppert.

Aber man muss sich nichts vormachen: Eine Aufstellung Oliver Baumanns wäre vorallem ein Move für die Kader-Hygiene. Der Leistungssport ist hart, aber niemand hat sein WM-Debüt mehr verdient und wenn man schon die Möglichkeit hat, wieso diese dann nicht auch nutzen? Argumente, dass dies doch etwas für das Spiel um Platz Drei sei, verkennen die Wichtigkeit von Kader-Hygiene. Das Spiel um die Bronzemedaille ist ganze drei gewonnene K.O.-Spiele entfernt, die Möglichkeit einem verdienten und beliebten Spieler das zu geben, was er verdient, gibt es aber jetzt.

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