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·22. Juni 2026

Die Euphorie ist verblasst: Der 1. FC Köln hat im zweiten Jahr Bundesliga nicht mehr viel von den Aufsteigern

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Simon Bartsch

22 Juni, 2026

Noch vor einem guten Jahr feierte ganz Köln den Aufstieg, die Euphorie trug die Mannschaft über den schweren Saisonstart hinweg. Jetzt sind viele Gesichter von damals weg – und die zweite Bundesliga-Saison könnte zur einer Bewährungsprobe werden für den 1. FC Köln: Ohne Aufstiegseuphorie geht es in die neue Saison.

Als Zweitliga-Meister ist der FC in die vergangene Bundesliga-Saison gestartet – und das zunächst vielversprechend. Von der Mannschaft von damals wird in der kommenden Saison nicht mehr viel übrig sein. Aber darin liegt bekanntlich auch eine Chance.

Jubel beim FC: Nach dem Erfolg über Kaiserslautern stand der Aufstieg fest (Foto: Christof Koepsel/GettyImages)

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Der Wirbel um Tim Lemperle, die Unruhe nach den Entlassungen von Gerhard Struber und Christian Keller – so wirklich beruhigt oder vollkommen siegessicher dürften die Fans an jenem 18. Mai 2025 nicht ins Kölner Stadion gegangen sein. Doch bekanntlich dauerte es nicht lange, bis die Kölner Heimspielstätte im Grunde explodierte. 4:0 setzte sich der FC damals gegen den 1. FC Kaiserslautern durch, sicherte sich die Rückkehr in die Bundesliga und gleichzeitig den Meistertitel der 2. Bundesliga. Nur wenige Minuten nach dem Schlusspfiff war der Rasen von Fans geflutet. Und mitten in jene Aufstiegsparty platzierte Linton Maina noch seine Vertragsverlängerung. Der Außenspieler könnte ein wenig symptomatisch für die Entwicklung seitdem stehen. Denn Maina, mit 14 Scorerpunkten noch einer der Aufstiegsgaranten, kam in der vergangenen Saison nicht so richtig über den Status des Ergänzungsspieler hinaus, gilt aktuell sogar als Wackelkandidat bei der Kaderplanung. Die Erinnerungen an die Party vor einem guten Jahr verblassen aber auch, weil sich die Gastgeber verändert haben.

Zahlreiche Aufstiegshelden haben den Verein verlassen

Das zweite Jahr Bundesliga gilt gemeinhin als das schwerste. Statistisch grenzt diese Behauptung an Unfug. Denn tatsächlich stiegen in der Bundesliga doppelt so viele Mannschaften nach dem ersten Jahr wieder ab wie nach dem zweiten. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Aufsteiger mitunter von einer gewissen Euphorie getragen werden können. Was die bewirken kann, zeigte der Auftakt in die vergangene Spielzeit. Die Kölner betraten euphorisch den Ring des deutschen Oberhauses – sicher auch aufgrund der zahlreichen personellen Veränderungen. Und der FC lieferte, legte einen perfekten Start hin. So perfekt, dass sich die Erwartungshaltung verschob. Das Thema Klassenerhalt schien zwischenzeitlich sicher, es ging gefühlt um höhere Aufgaben. So kam eine gewisse Unzufriedenheit auf, obwohl der FC eigentlich nie in absoluter Abstiegsnot steckte. Obwohl Thomas Kessler den Kader noch einmal umbauen wird, wird es schwer sein, eine ähnliche Euphorie zu entfachen. Möglicherweise auch, weil sich der Aufstiegs-FC grundlegend verändert hat.

Werden noch weitere Spieler gehen?

Damion Downs, Tim Lemperle, Mark Uth – schon im vergangenen Jahr verließen viele Spieler den Verein, die den Aufstieg mit geformt haben. In diesem Jahr sind es nochmal mehr Eric Martel, Florian Kainz, Dominique Heintz oder Denis Huseinbasic. Gerade Spieler wie Kainz, der einige Jahre als Leader, zeitweilig als Kapitän, vorneweg ging oder Martel, der Leidenschaft und Willen wie kaum ein zweiter Spieler verkörpert. Dabei ist nicht geklärt, ob weitere folgen. Maina wird als möglicher Abschiedskandidat genannt, auch Luca Waldschmidt würde man wohl nicht unbedingt Steine in den Weg legen, falls der Offensivspieler den Verein verlassen wollen würde. Marvin Schwäbe soll bereits an anderer Stelle angeboten worden sein. Allerdings erscheint ein Abschied nach jetzigem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Das Gesicht hat sich verändert. Das muss kein Nachteil sein. Thomas Kessler will die Qualität des Kaders anheben. Dazu muss er an Stellschrauben drehen. Doch zu viel Veränderung bringt auch die Gefahr mit, dass ein Kader ins Ungleichgewicht gerät.

So wird es in den kommenden Wochen wohl auch darauf ankommen, welcher Spieler Verantwortung übernimmt und in eine Führungsrolle reinwächst. Die Mannschaft, die im August in die neue Saison startet, wird spürbar anders sein als die, die im Mai noch auf dem Rasen in Müngersdorf aufgelaufen ist. Ob das eine Schwäche oder am Ende sogar eine Chance ist, wird sich erst im Saisonverlauf zeigen. Klar ist aber: Die Aufstiegseuphorie, die in Teilen wie ein Schutzschild über der Mannschaft lag, ist mit jedem dieser Abschiede ein Stück kleiner geworden.


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