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·23. September 2026

Die Mannschaft der Stunde: Warum Viktoria Köln so erfolgreich ist

Artikelbild:Die Mannschaft der Stunde: Warum Viktoria Köln so erfolgreich ist

Wer Spektakel will, muss den Sportpark Höhenberg besuchen: Viktoria Köln ist das Team der Stunde – und die Entwicklung kommt keineswegs völlig überraschend. Warum dies so ist und ob die Kölner langfristig oben mitmischen können, versucht liga3-online.de in einer Analyse des Viktoria-Erfolgs zu erklären.

Platz 2 als vorläufiger Gipfel einer beeindruckenden Entwicklung

Als das Publikum am Samstagnachmittag im Kölner Stadion die Hausherren mit stehenden Ovationen bedachten, hätte vielleicht auch der "Big Boss" – der 2023 verstorbene Viktoria-Mäzen Franz-Josef Wernze – eine Träne der Rührung verdrückt. Seine Mannschaft von der Schäl Sick, die traditionell im Liga-Mittelfeld hin- und herumdümpelt, hatte sich mit einem 3:0-Sieg über den FC Ingolstadt zumindest kurzzeitig an die Tabellenspitze befördert.


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Eine Nacht darauf blieb immerhin der zweite Tabellenplatz, auf dem die Mannschaft von Trainertalent Marian Wilhelm nun für drei Wochen andockt. Genug Zeit, um zumindest vorsichtig zu träumen – allemal aber, um sich den vorläufigen Gipfel einer beeindruckenden Entwicklung klarzumachen. 19 erzielte Treffer, mehr als zwei Punkte pro Spiel, zuletzt eine perfekte Englische Woche mit drei von drei möglichen Siegen sowie 10:1 Toren: Die Momentaufnahme Aufstiegsrang ist hochverdient, auch wenn die Einordnung den Verantwortlichen nicht schwerfiel.

"Uns geht es nur um die Leistung, nicht um die Tabelle", sagt Trainer Wilhelm nach dem 3:1-Erfolg in Meppen unter der Woche. "Am 38. Spieltag interessiert mich die Tabelle", musste er am Wochenende nachschieben, als seine Elf den FCI trotz eines kleinen Geduldsspiels letztlich souverän wie eine Spitzenmannschaft nach Hause schickte.

Köln ist mehr als "nur" Otto & Castelle

Es sind Nachfragen, an die man sich als Kölner gerne gewöhnt – und die nicht nur aus glücklichen Umständen resultieren: Viktoria Köln dominiert, ja zeigt vielleicht sogar den gegenwärtig attraktivsten Fußball der Liga. Manches erinnert an die raketenhafte Entwicklung des SC Verl im Vorjahr, der erst spät in der Saison aus der Spitzengruppe verschwand. Dabei geht es weniger um die taktische Formation im 3-4-3 als um die Herangehensweise:

flach und riskant aufbauen, das Mittelfeld mit schnellen Pässen zentral überbrücken, vor dem Strafraum gerne noch eine Steil-Klatsch-Kombination einbauen und über zwei Stürmer verwerten, deren Brust mittlerweile breiter erscheint als die manches Bodybuilders: David Otto (sechs Tore, zwei Vorlagen) und Niklas Castelle (vier Tore, zwei Vorlagen) netzen derzeit selbst aus schwierigen Abschlusspositionen zuverlässig. Was beim Blick auf ihre Historie umso erstaunlicher ist – keiner von ihnen hat im Seniorenfußball je eine Saison mit zweistelliger Trefferanzahl beendet. Zumindest bislang.

Gerecht wäre es nicht, den Erfolg nur auf die beiden Vollstrecker zu reduzieren. Die Viktoria ist 2026/27 keine One- oder Two-Man-Show, sondern ein funktionierendes Uhrwerk mit elf Zahnrädern – die größeren davon sind außerhalb des genannten Sturm-Duos etwa der spielstarke Tim Kloss im Abwehrzentrum, die spektakulär ball- und passsichere Gladbacher Leihgabe Niklas Swider im Mittelfeldzentrum sowie sein Positionsnachbar Lucas Wolf, der sich nicht nur wegen seiner vier Tore bereits in den höherklassigen Fokus gespielt haben dürfte.

Ballbesitz und Abwehrstärke als Faktoren

Seit dem 3. Spieltag, als Zweitliga-Absteiger Preußen Münster beim 1:4 sein schwarz-rotes Wunder erlebte, kommt die Wilhelm-Elf in jedem Spiel auf mehr als 60 Prozent Ballbesitz, sogar bei der in diesem Zeitraum einzigen Niederlage in Essen (0:1). Das entspricht dem Bestwert der 3. Liga, noch vor den weiteren traditionell ballbesitzstarken Verlern und Hoffenheimern. Was neben der auffälligen Offensiv-Qualität überrascht: Die Anzahl erwarteter Gegentore pro Spiel (xG) liegt bei unter 1,2 und wird nur vom MSV Duisburg unterboten. Für eine Abwehrreihe, die in gegenwärtiger Konstellation ohne höherklassige Erfahrung ausgestattet ist, ist dies höchst beachtlich. Nach dem 2:5 zum Saisonauftakt gegen Regensburg, wo eine akzeptable Leistung zu einem absurden Ergebnis führte, kassierte Köln dann auch nur noch vier Gegentore in 540 Minuten.

Auch wenn die Viktoria nach sieben Spieltagen ziemlich gefestigt wird: Nicht einmal 20 Prozent der Saison sind gespielt. Entsprechend drängt sich die Frage auf: Kann man dem Braten trauen? Wird aus dem Shootingstar ein ernsthafter Anwärter auf die 2. Bundesliga? "Viktoria Köln hat sich in den Kreis der Aufstiegsfavoriten gespielt", titelte etwa der "Kölner Stadt-Anzeiger“ kürzlich bereits euphorisch.

Buchmacher sehen Köln immer näher an den Aufstiegsrängen

Die Quoten der Buchmacher können diese Aussage weder bestätigen noch klar dementieren. Als Topfavorit werden Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg ins Rennen geschickt – Köln rangiert aber beim offiziellen Ligasponsor aus der Wettbranche aber immerhin auf dem sechsten Platz der Favoritenliste und damit deutlich höher als zu Saisonbeginn. Nur zu vermuten ist, dass als Berechnungskriterien eben nicht ausschließlich die aktuelle Form einfließen, sondern auch etliche historische Daten.

Und nicht zuletzt Prognosen, die auch die Breite des verfügbaren Kaders einbeziehen: Dass die Kölner, die in der Vorsaison rund 3,5 Millionen Euro in den Profietat investieren konnten, hier deutliche Nachteile hat, ist offensichtlich. Essen, Rostock und Co. pumpen teils mehr als das Doppelte in ihre Mannschaft, um sich den Zweitliga-Traum zu erfüllen.

Dass ein Team, das früh in der Saison dominiert, noch weit entfernt von einem Coup im kommenden Mai ist, hat das Beispiel des SC Verl eindrücklich gezeigt – zwischenzeitlich knickte die Liga vor dem Offensiv-Spektakel der Ostwestfalen im vergangenen Winter ein, wenige Monate später hatte der Sportclub seinen Faden völlig verloren und die starken Gegner Mittel gefunden, mit aggressiver Abwehrarbeit die Verler Spielfreude einzudämmen. Aktuell reitet die Viktoria eine ähnliche Erfolgswelle und nimmt alle stärkenden Faktoren einfach in sich auf, etwa das dankbare und rundum glückliche Vereinsumfeld, das keine Aufstiegsträume voraussetzt.

Mehrere Fragezeichen bleiben

Ob sie gerüstet ist für am Selbstvertrauen zehrende Negativphasen, für schwer bespielbare Holperpisten im Winterhalbjahr oder mögliches Verletzungspech, von dem man bis dato komplett verschont blieb: Fragezeichen gibt es so einige. Aus neutraler Perspektive lässt sich Köln jedoch nur wünschen, seinem Stil treu zu bleiben – sportlich wertet dieses Team die 3. Liga derzeit massiv auf.

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