Vertikalpass
·31. Juli 2026
Die nebulösen Infrastrukturprojekte des VfB

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·31. Juli 2026

Nick Woltemade für 75+x Mio verkauft, der mit Jeremy Arevalo weder inhaltlich noch finanziell ersetzt wurde. Champions League erreicht mit um die 60 Millionen Mehr-Einnahmen 2026/2027, dazu Finanzrekorde im zurückliegenden Geschäftsjahr. Und trotzdem braucht der VfB Transfereinnahmen und steht angeblich sogar „unter Verkaufsdruck“?
Mit großen Buchstaben wird vermeldet, der VfB-Aufsichtsrat habe „die Kohle für Leo Sauer und Dženan Pejčinović“ zwar freigegeben, verbunden aber mit der Vorgabe, durch Spielerverkäufe „viel Geld“ zu erzielen.
Während der Boulevard wie immer nur an der Oberfläche kratzt und das einfach so stehen lässt, begründet ZVW die verlangten hohen Transfereinnahmen, ja sogar einen Transfer-Überschuss, mit „Infrastrukturprojekten“. Der Kauf des Carl Benz Centers soll sich dagegen laut Stuttgarter Zeitung selbst tragen und keinen Einfluss auf die Personalplanung des Profi-Kaders haben. Nebulös schreibt ZVW weiter vom „Umbau“ der Geschäftsstelle, ohne dezidiert (Zeit-)Pläne oder Zahlen zu nennen. Weitere Infrastrukturprojekte werden nicht aufgeführt, die sich auf die Kaderplanung auswirken sollen. Es bleibt unkonkret mit “die Strukturen des Klubs müssen wachsen“ bei der rasanten sportlichen Entwicklung. Schließlich wird der Verkauf von Bilal El Khannouss ins Spiel gebracht, er soll die Transfers von Sauer und Pejčinović mindestens mal gegenfinanzieren.
Der Kaderwert des VfB ist enorm, neben El Khannouss sind Ermedin Demirovic, Jeff Chabot, Jamie Leweling, Ange Stiller, Ramon Hendriks und Finn Jeltsch Spieler, die hohe Transfereinnahmen generieren können. Eher nicht in dieser Transferperiode, sondern zukünftig. Die Transfer-Zeit von Jeltsch (Bayern?), Hendriks (England?), Stiller (Spanien?) und El Khannouss (egal) wird noch kommen und es werden sich nach dem 1.9.2026 sicher höhere Transfersummen erzielen lassen als jetzt. Warum braucht der VfB genau jetzt Einnahmen aus der Sommertransfer-Periode für ungenannte und vor allem zukünftige Infrastrukturprojekte?
VfB-Boss Alex Wehrle hat aber natürlich trotzdem Recht, wenn er sagt: „Kein Spieler ist unverkäuflich!“. 70 Mio für El Khannouss? Logisch! 30 Mio für Demirovic? Her damit. 25 Mio für Chabot? Aber immer! Wehrles Aussagen auf der Mitgliederversammlung hören sich nicht nach Verkaufsdruck an. Zumal es die Möglichkeit gibt, Spieler aus der zweiten Reihe abzugeben. Was immerhin überschaubare Einnahmen generiert mindestens in Höhe des Sauer-Transfers, aber die Qualität des Kaders nicht verringert und gleichzeitig das Gehalts-Budget entlastet.
Jetzt kann man der Meinung sein, mit der Verpflichtung von Sauer und Pejčinović und dem Verkauf von El Khannouss würde sich der VfB sportlich verbessern. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Frage, warum der VfB angeblich mindestens mal eine schwarze Transfer-Null erreichen muss in diesem Sommer, ohne dafür ein Zitat eines Verantwortlichen oder ein Argument zu haben, das mehr bietet als “Infrastrukturprojekte”.
Ist es das kaufmännische Vorsichtsprinzip, dass der Aufsichtsrat vorgibt angesichts ständig steigender Gehälter? Wobei es erstaunlich wäre, dass in der besten Finanzlage ever die Qualität des Kaders unter Infrastrukturmaßnahmen leiden sollte.
Ist es eine Absicherung für die Zukunft, sollte der VfB wie Eintracht Frankfurt in der zurückliegenden Saison „einbrechen“ und die internationalen Ränge verpassen? Wobei es unlogisch erscheint, mit dem Eingriff in die Kaderplanung den VfB zukunftssicher machen zu wollen.
Aber es wären immerhin bessere Argumente als nicht näher genannte „Infrastrukturprojekte“. Das Wort jedenfalls hat das Potential zum Stuttgart-Unwort des Jahres.
Zum Weiterlesen: Das Gerücht über Bilal El Khannouss schon gelesen, was er wirklich vor hat?
Die wahre Geschichte, wie der VfB auf die Idee kam, ein goldenes Ausweichtrikot zu machen.
Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images







































