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·16. Juni 2026
Die Remis-WM: Warum Favoriten an der Wand stehen

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Vier Tage WM, und das dominierende Ergebnis hat keinen Sieger: Remis, Remis, Remis.
Die ersten Turniertage haben ein Muster geliefert, das kein Zufall ist. Brasilien trennt sich 1:1 von Marokko. Belgien kommt gegen Ägypten nicht über ein 1:1 hinaus – und lag dabei zunächst sogar zurück, bevor Joker Lukaku in Halbzeit zwei ein Eigentor forcierte. Spanien, amtierender Europameister, schafft gegen Kap Verde kein einziges Tor. Uruguay, einer der Geheimfavoriten des Turniers, lässt sich von Saudi-Arabien in Miami ein 1:1 abtrotzen. Und auch Niederlande gegen Japan endet trotz enormer Qualitätsunterschiede auf dem Papier 2:2, ein Spektakel mit zwei Führungswechseln.
Einzige Ausnahmen: Deutschland schlug Curaçao 7:1, Schweden Tunesien 5:1. Beide Male war der Klassenunterschied zwischen Weltklasse und WM-Debütant so drastisch, dass keine taktische Raffinesse der Welt dagegen angekommen wäre.
Vozinha hält sieben Mal. Spanien hat Ballbesitz, hat Pedri, hat Lamine Yamal, hat Nico Williams – und trifft nicht. Das 0:0 in Atlanta ist symptomatisch für das, was sich bei dieser WM abzeichnet. Nicht weil Kap Verde so gut wäre. Sondern weil ein tiefes, gut organisiertes 5-4-1 gegen spielstarke, aber nicht klinisch effiziente Offensiven über 90 Minuten ausreichen kann.

Foto: Getty Images
Das ist kein neues Phänomen, aber es tritt bei dieser WM in einer neuen Intensität auf. 48 Mannschaften bedeuten: Mehr Teams, die taktisch speziell auf einen einzigen Gegner vorbereitet sind. Mehr Trainer, die wissen, dass ein Punkt gegen Spanien, Brasilien oder Belgien genug sein kann, um als einer der acht besten Gruppendritten in die K.o.-Runde einzuziehen. Der Modus belohnt Mut zur Defensive – und bestraft mangelnde Effizienz im Abschluss.
Was in Atlanta, Seattle und Miami zu beobachten war, folgt derselben Grundlogik. Die kleineren Nationen verzichten auf Pressing, ziehen sich früh in die eigene Hälfte zurück und verdichten die Räume zwischen den Linien auf ein Minimum. Der Abstand zwischen Abwehr- und Mittellinie beträgt in extremen Fällen keine 25 Meter. Was bleibt, sind Flanken, Weitschüsse und Standards – genau jene Mittel, mit denen Spanien oder Brasilien die geringste Treffsicherheit haben.
Dazu kommt ein strukturelles Problem der Favoriten: Je höher die individuelle Qualität, desto stärker die Tendenz, den Ball durch enge Räume spielen zu wollen. Gegen tiefe Blöcke ist Kombinationsfußball ohne Tiefenläufe nahezu wirkungslos. Japan machte gegen die Niederlande vor, wie es geht: kompakt stehen, schnell umschalten, die Kontermomente konsequent nutzen. Zweimal traf die Samurai Blue – und hätte beinahe gewonnen.
Besonders brisant ist das 1:1 gegen Saudi-Arabien für die Celeste. Uruguay gilt als einer der physisch robustesten und taktisch gereiftesten Kader des Turniers. In Miami führten sie, kassierten dann spät den Ausgleich – und stehen nun unter Druck. Gruppe H mit Spanien und Kap Verde ist ohnehin eng. Ein Fehlstart gegen einen Gegner, der eigentlich kein Aufbauspieler sein darf, hat reale Konsequenzen für das Weiterkommen.

Foto: Getty Images
Der neue WM-Modus schafft keine besseren Spiele – er schafft andere Anreize. Wer als Underdog in die Gruppenphase geht, rechnet mit dem Taschenrechner. Drei Punkte gegen den schwächsten Gruppengegner, ein Punkt gegen den Favoriten: Das kann zum Weiterkommen reichen. Und so wird defensiv geplant, trainiert und gespielt wie selten zuvor bei einer WM.
Für die Zuschauer bedeutet das: mehr Spannung, mehr Überraschungen, weniger Tore. Für die Favoriten bedeutet es: Wer nicht klinisch effizient vor dem Tor ist, wird sich durch diese Gruppenphase quälen. Spanien hat das schon gelernt. Brasilien auch. Belgien fast. Der Rest der Top-Nationen ist gewarnt.
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