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·8. April 2026
Die UEFA bestraft Pyrotechnik sofort – bei Polizeigewalt gegen Fans schaut sie weg

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·8. April 2026

Bayern-Fans wurden in Madrid von Polizisten geschubst und geschlagen. UEFA-Strukturen bieten keinen Schutz – trotz ECA-Sitz des FC Bayern und wiederholter Vorfälle.
Jan-Christian Dreesen ist Vizevorsitzender der European Club Association. Er sitzt also mit am Tisch, wenn es um die Organisation des europäischen Klubfußballs geht. Und trotzdem steht er nach dem 2:1 bei Real Madrid vor den Kameras und muss die Öffentlichkeit als Druckmittel nutzen, weil es keinen funktionierenden Kanal gibt, über den ein Klub das Problem der Polizeigewalt gegen seine Fans lösen kann. Das sagt alles über den Zustand des Systems.
Die Bilder aus Madrid sind eindeutig. Filmaufnahmen von Reportern der Sportsendung „El Desmarque" zeigen behelmte Polizisten am Einlass ins Bernabéu, die Bayern-Fans ohne erkennbaren Anlass einschüchtern, schubsen, aus der Menge ziehen und vereinzelt mit Stöcken schlagen. Ein Mann blutet am Kopf. Dreesen spricht von „völlig überzogenen Übergriffen der spanischen Polizei" gegen „sich friedlich verhaltende Anhänger". Er hat recht damit.
Aber er hat auch im November schon recht gehabt – als die Pariser Polizeipräfektur vor dem Spiel bei PSG kurzfristig verfügte, dass Busse mit Bayern-Fans an einer Mautstelle vor der Stadt ausharren mussten, ohne Versorgung, ohne sanitäre Anlagen. Der Klub leitete damals juristische Schritte ein und nannte die Maßnahmen „beispiellos" und „ungeheuerlich". Geändert hat sich: nichts.
Zwei Auswärtsspiele, zwei Länder, zwei Vorfälle innerhalb weniger Monate. Das ist kein Pech, das ist ein Muster. Dreesen selbst hat den entscheidenden Satz gesagt – dass „ein derartiges Verhalten der Polizei mittlerweile bei Auswärtsspielen in Europa fast schon zur Normalität gehört". Das Wort Normalität verschiebt die Debatte vom Einzelfall zum Strukturproblem. Nur zieht niemand die Konsequenz daraus.
Die Gegenseite lässt sich nicht ignorieren: Lokale Sicherheitsbehörden handeln unter nationalem Recht, die UEFA hat keinen direkten Zugriff auf Polizeieinsätze. Das stimmt formal. Aber die UEFA lizenziert die Stadien, organisiert die Wettbewerbe, verteilt die Milliarden. Wer die Regeln des Spiels kontrolliert, kann auch die Bedingungen definieren, unter denen Fans dieses Spiel erleben. Dass es keinen verbindlichen Standard für den Umgang mit Auswärtsfans gibt – keinen Mechanismus, der Gastgeberverbände in die Pflicht nimmt, keine Sanktionen bei systematischem Versagen –, ist eine bewusste Leerstelle.
Und hier liegt das eigentliche Problem: Wenn ein Klub wie der FC Bayern mit seiner Marktmacht, seinem ECA-Sitz und seiner juristischen Abteilung daran scheitert, seine Fans zu schützen, welchen Schutz genießen dann die Anhänger eines Klubs, der im europäischen Fußball kein politisches Gewicht hat? Dreesens Stellungnahmen sind richtig und wichtig. Aber sie verhallen, weil sie in ein institutionelles Vakuum gesprochen werden. Der FC Bayern kann klagen, kann Pressemitteilungen verschicken, kann den Vorfall öffentlich anprangern. Was er nicht kann: das Verhalten der spanischen oder französischen Polizei bei künftigen Spielen ändern. Das kann nur eine Institution, die alle Beteiligten an einen Tisch zwingt.
Die UEFA vergibt Strafen für Pyrotechnik in Sekundenschnelle. Für Polizeigewalt gegen zahlende, reisende Fans gibt es nicht einmal ein Verfahren. Das ist keine Lücke – das ist ein Skandal.









































