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·22. Juli 2026

Die WM 2026 zeigt, wie Collina das Schiedsrichterwesen entgleitet

Artikelbild:Die WM 2026 zeigt, wie Collina das Schiedsrichterwesen entgleitet

Bild: Dan Mullan/Getty Images

Nach der WM 2026 sollte jeder Fan und Funktionär in großer Sorge um das Schiedsrichterwesen sein.


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Das Schiedsrichterwesen steckt in einer veritablen Krise. Entscheidungen der Referees haben Spiele der WM 2026 maßgeblich beeinflusst, meist zum Negativen.

Der Einfluss der FIFA und ein schwächer wirkender Schiri-Boss Pierreluigi Collina sind die Hauptursachen dafür. Ein Überblick über die Probleme im Zusammenhang mit Schiedsrichtern und ihren Rahmenbedingungen bei der WM 2026 von Frühes-Tor.de:

Neue Regeln zu Zeitspiel und Blocken im Strafraum

Im Vorfeld der WM 2026 gab es relativ viele Regeländerungen und neue Auslegungen (u.a. zu den Themen Zeitspiel und Torwart). Es war der Beginn der Überforderung von Schiedsrichtern, Spielern und Funktionären.

Ein strukturelles Problem: Bei einer WM pfeifen nicht die besten Schiedsrichter der Welt, sondern zahlreiche Länder entsenden jeweils einen guten Schiedsrichter. Die Schiedsrichterteams werden immer größer und eher nach regionalem Proporz ausgewählt.

Man stelle sich vor, der künftige Bundestrainer Jürgen Klopp würde von jedem Bundesligaklub oder jedem Bundesland einen Nationalspieler auswählen, statt jeweils die besten Spieler, ganz gleich, wo sie spielen: Das Niveau wäre deutlich niedriger. So verhält es sich bei den Schiedsrichtern: Der mindestens zweitbeste deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert durfte das Champions-League-Finale leiten, aber nicht mit zur WM 2026.

Wahllose Zusammensetzung der Schiedsrichterteams

Bei der Zusammensetzung der Schiedsrichterteams folgt das nächste Problem: Sie werden oftmals querbeet aus Nationen und Kontinenten wild zusammengewürfelt, ohne Strategie und System. So fehlt den Teams Vertrautheit untereinander, teilweise ist sogar die Kommunikation schwierig. Dann werden plötzlich wieder Schiedsrichterteams von nur einer Nation zusammengestellt, wie beim Frankreich-Viertelfinale mit fünf Schiedsrichtern aus Argentinien.

Eine weitere Auffälligkeit: Früher mussten deutsche Schiedsrichter sehr früh nach Hause fahren, weil die deutsche Mannschaft meist weit im Turnier kam. Man wollte eine indirekte Bevorteilung des DFB-Teams vermeiden. Heute ist dagegen alles möglich: Ein Franzose pfeift den Rivalen Argentinien, Argentinier pfeifen wiederum Frankreich – und auch gerne mal im Viertelfinale. Niemand soll etwas unterstellt werden, aber die frühere Devise war eindeutig: Man darf es erst gar nicht zu möglichen unglücklichen Verstrickungen kommen lassen.

Insgesamt wird kaum noch auf heikle Konstellationen geachtet, vielleicht wird man bei der Einteilung sogar von Social-Media-Hypes beeinflusst. Das WM-Halbfinale sollte formal von einem der vier besten Schiedsrichter der Welt geleitet werden; das war der eingeteilte Ivan Barton mit Sicherheit nicht. Es fehlte die große Transparenz, warum Barton das Halbfinale England gegen Argentinien zugeteilt bekam. Zugespitzt gefragt: Hatte er seinen Aufstieg seinem Social-Media-Hype („Red Card“) zu verdanken?

Die erste Halbzeit zwischen Argentinien und England pfiff er jedenfalls katastrophal. Lutz Wagner, der deutsche Schiedsrichter-Lehrwart mutmaßte sogar, Barton wirke konditionell nicht fit, weil er von vielen Situationen zu weit weg gestanden war. Immerhin wurde es in Halbzeit zwei besser.

Auch die Finalentscheidung hatte einen Beigeschmack. Die UEFA machte bei der FIFA zurecht Druck, unter anderem wegen der Affäre Balogun. Im Finale stand dann überraschend der slowenische Schiedsrichter Slavko Vincic, als dessen Förderer der slowenische UEFA-Chef Aleksander Ceferin gilt. Immerhin: Vincic machte im Finale nicht viele Fehler.

Katastrophale Entwicklungen sind zudem bei der Gleichbehandlung ähnlicher Foulspiele zu beobachten. Sie gelingt kaum noch. Argentinien beging gegen Österreich – je nach Interpretation – ein Foul vor dem 1:0. Das Foul wurde nicht geahndet. Die Entscheidung kann man zumindest vertreten. Nahezu dasselbe (mögliche) Foulspiel geschah aber bei Ägypten gegen Argentinien. Dieses Mal wurde durch den VAR das Tor für Ägypten zurückgenommen.

Stars vor Karten verschonen

Eine weitere FIFA-Anweisung lautete, weniger Fouls zu pfeifen und damit weniger Karten auszuteilen, damit vor allem die Stars unbelastet in die großen Spiele der K.o.-Runde gehen können.

Manche Schiedsrichter und VAR-Teams setzten dies um, manchmal tat es dem Spiel gut, manchmal nicht (u.a. Frankreich – Paraguay).

Wiederum andere Schiedsrichterteams legten die Regeln enger aus. So wurde Lionel Messi für einen tolpatschigen Tritt im ersten Gruppenspiel nicht mit Rot vom Platz gestellt, der US-Stürmer Folarin Balogun dann im Sechzehntelfinale schon.

Diese Ungleichbehandlung rief nun die Amerikaner auf den Plan, um Balogun von der Rotsperre freizukämpfen.

Collina hätte Rücktritt anbieten müssen, um Grenze zu ziehen

Hier überschritt die FIFA eine Grenze und hob die Sperre sogar auf, womit sie Schiedsrichter und VAR übertrumpfte. In diesem Fall hätte Schiri-Boss Pierreluigi Collina ein Zeichen setzen und seinen Rücktritt anbieten müssen. Stattdessen ging er immer öfter an die Öffentlichkeit, um Schiedsrichterentscheidungen zu verteidigen.

Da nahezu jede Regel interpretierbar ist, kann man immer gute Argumente finden. Dennoch bleibt das Gefühl insgesamt zurück, dass in Gänze etwas nicht stimmig ist.

Das Schiedsrichterwesen wird immer politischer, und mit dem fast schon willkürlichen Eingreifen des VAR werden Tür und Tor geöffnet, Transparenz und Gerechtigkeit bei Entscheidungen in den Hintergrund zu rücken.

Mit dem zusätzlichen politischen Eingreifen der FIFA muss man sich um das Schiedsrichterwesen auf FIFA-Ebene extreme Sorgen machen.

Denn letztendlich entscheiden Schiedsrichter oftmals WM-Spiele. Immer seltener sind es gute und nachvollziehbare Leistungen, immer häufiger umstrittene und fast schon dubiose.

Es beginnt mit der zweifelhaften Schiedsrichterauswahl, setzt sich fort mit der intransparenten Zusammensetzung der Teams und der uneinheitlichen Regelauslegung. Zum Schluss greifen noch oftmals umstritten der VAR und, zur Not, die Fußballpolitik ein. Das kann für den Fußball künftig noch ganz gefährlich werden.

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