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·16. Juni 2026
Die WM der alten Männer: Wenn Keeper 40+ regieren

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Fußball wird jünger, schneller, athletischer – und dann schaut man auf die Torhüter dieser WM und fragt sich, ob irgendjemand das den Keepern erklärt hat.
Fünf Torhüter stehen bei dieser Weltmeisterschaft auf der richtigen Seite der 40. Das ist kein Zufall, das ist eine Aussage über die Position. Manuel Neuer, Guillermo Ochoa, Vozinha, Craig Gordon und Fernando Muslera – ein Quintett, das zusammen auf mehr als 150 WM-Jahre kommt und diese Endrunde prägt wie keine andere Spielergruppe. Zum Vergleich: Auf dem Feld stehen mit Ronaldo, Modrić und Džeko gerade mal drei Feldspieler jenseits dieser Altersgrenze.
Was diese Keeper verbindet, lässt sich nicht mit Muskelmasse messen. Es ist etwas anderes: das Wissen, das sich nur durch tausende Stunden auf dem Rasen anhäuft. Wo stehe ich, wenn der Ball hierhin gespielt wird? Welche Körpersprache verrät den Schützen noch vor dem Anlauf? Wann komme ich, wann bleibe ich? Fragen, die ein 25-Jähriger mit Explosivkraft kompensiert. Und die ein 40-Jähriger schon beantwortet hat, bevor der Schuss abgefeuert wird.
Manuel Neuer hätte dieses Turnier nicht bestreiten müssen. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Marc-André ter Stegen war Bundestrainer Julian Nagelsmann zunächst auf andere Optionen eingestellt – dann doch die Kehrtwende Richtung Neuer. Wer die erste Hälfte des 7:1 gegen Curaçao gesehen hat, versteht, warum.
Mit seinem Einsatz am 14. Juni in Houston ist er nicht nur zum ältesten deutschen WM-Spieler aller Zeiten avanciert – er hat dabei gleich zwei Legenden abgelöst: Fritz Walter als ältesten Deutschen bei einer WM, Lothar Matthäus als ältesten deutschen Nationalspieler überhaupt. Neuer selbst sagte nach dem Spiel nüchtern: „Es war wie immer, ich mache das seit 20 Jahren, aber habe jeden Tag auf diesen Moment gewartet.“ So klingt Größe, wenn sie sich nicht verbiegen muss.
Die Geschichte des Turniers – bislang. Josimar José Évora Dias, dem die Welt bis zum 15. Juni seinen Spitznamen Vozinha noch nicht zuordnen konnte, hütete in Atlanta das Tor des kleinsten WM-Teilnehmers und stoppte Europameister Spanien sieben Mal. Sieben Paraden, ein 0:0, ein Punkt, den niemand auf der Welt vorhergesagt hatte.
Der brasilianische Sender Caze TV rief seine Zuschauer in der Halbzeit auf, dem Keeper zu folgen. Das Ziel von 100.000 Followern war nach einer Minute erreicht. Bis zum Morgen danach stand Vozinhas Instagram-Zähler bei über fünf Millionen – bei einem Kap Verde mit rund 530.000 Einwohnern. Er ist der älteste Keeper der WM-Geschichte, der bei seinem Debüt eine Null gehalten hat. Sein Vertrag bei GD Chaves in der zweiten portugiesischen Liga läuft Ende Juni aus. Was danach kommt, wird er vermutlich nicht in der Zweitklassigkeit erleben.
Guillermo Ochoa hat die Zahl seiner WM-Teilnahmen im FIFA-Interview ganz ruhig erklärt: „Meine Karriere, diese lange Reise, mit einer Weltmeisterschaft in Mexiko zu beenden, ist fantastisch.“ Danach fügte er etwas hinzu, das klang wie ein endgültiger Satz: „Jetzt, da meine Zeit in der Nationalmannschaft zu Ende geht, sehe ich keinen Sinn mehr im Fußball.“
Mit sechs Weltmeisterschaften steht er in einem Klub, den er selbst als übergroß empfindet – auf einer Ebene mit Messi und Ronaldo. „Sie sind Lichtjahre vor mir“, sagte er dazu. Dabei übersieht er, dass kein Spieler der Geschichte je bei sechs Endrunden dabei war – bis zu diesem Turnier. Beim Auftakt gegen Südafrika saß er auf der Bank, die Nummer eins ist der 26-jährige Raúl Rangel. Aber die Kulisse, der Abschied, die Erzählung: die gehören Ochoa.
Craig Gordon ist 43 Jahre und 162 Tage alt – offiziell der älteste Spieler im gesamten WM-Feld. Und er ist bei dieser Endrunde zum ersten Mal überhaupt dabei, weil Schottland sich seit 1998 nicht mehr qualifizieren konnte. Sollte Gordon in Monterrey oder Dallas das Tor hüten, wäre er der zweitälteste Feldspieler der WM-Geschichte – hinter dem Ägypter Essam El-Hadary, der 2018 mit 45 Jahren spielte.
Fernando Muslera feiert ausgerechnet heute, am 16. Juni, seinen 40. Geburtstag – mitten in der WM-Gruppenphase. Der Uruguayer hatte seine Nationalmannschaftskarriere nach Katar 2022 eigentlich beendet. Marcelo Bielsa holte ihn zurück. Es ist seine fünfte Endrunde. Wer Bielsa kennt, weiß: Der macht sowas nicht aus Sentimentalität.
Fünf Torhüter über 40, drei Feldspieler über 40. Der Fußball wird auf dem Feld immer jünger – hinter dem letzten Mann wird das Handwerk immer älter. Wer das als Zufall abtut, hat den Job nicht verstanden.
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