Miasanrot
·1. März 2026
Dieser FC Bayern hat den Charakter für eine große Saison – ein Kommentar

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·1. März 2026

Die bisherige Rückrunde des FC Bayern München ist von einigen Zweifeln begleitet. Doch der Sieg in Dortmund zeigt: Das Team hat den Charakter für eine große Saison.
Eigentlich lief alles für den FC Bayern München – und dann doch nicht mehr. Beim wichtigen Auswärtsspiel in Dortmund gab es in der Anfangsphase nur ein Team, das dem Publikum im Westfalenstadion zeigte, dass es dieses Spiel unbedingt gewinnen will: der FCB.
Es war gewiss noch kein Chancenfeuerwerk gegen einen defensiv gut eingestellten BVB, aber die Schärfe im Positions- und Ballbesitzspiel sowie in der Arbeit gegen den Ball war beeindruckend. Die Bayern waren von der ersten Minute an voll da und bereit, den kleinen Offensivknoten, der noch da war, jeden Augenblick platzen zu lassen.
Dann aber platzte etwas anderes: Die Hutschnur vieler Fans, die es mit den Roten halten. Nico Schlotterbeck foulte Josip Stanišić überhart, wenn auch unglücklich. Ein Platzverweis wäre zumindest vertretbar gewesen. Nur wenige Augenblicke später gab es für einen sehr soften Kontakt gegen Karim Adeyemi Freistoß auf dem linken Flügel.
Eine Situation, die Miasanrot vor der Partie angesprochen hatte: Dortmunds große Stärke, Bayerns große Schwäche. Und so kam, was beinahe kommen musste: Die gute Anfangsphase war dahin, die Borussia ging mit dem ersten Abschluss schmeichelhaft in Führung. Es ist müßig, zu diskutieren, wie dieses Spiel wohl in den vergangenen Jahren abgelaufen wäre.
Denn das Topspiel gegen den BVB war selten das Problem dieser Mannschaft. Die Motivation passte in diesen Momenten oft. Trotzdem ist das, was nach diesen Rückschlägen folgte, kaum hoch genug zu bewerten.
Denn erstmal war das Spiel zerfahren. Nachvollziehbar. Dortmund bekam Selbstvertrauen und etwas Oberwasser, die Bayern mussten sich erstmal wieder sammeln. Doch es war beeindruckend, wie schnell die Münchner wieder ihre Grundkontrolle zurückbekamen und wie sie es bis auf eine kurze Phase nach dem Ausgleich in der zweiten Halbzeit schafften, dass der BVB zu keinem Zeitpunkt so richtig einen Fuß ins Spiel bekam.
Fußballerisch gäbe es sicher einige Themen, die nach diesem Spiel zu diskutieren wären. Dieser FC Bayern ist von der taktischen und individuellen Präzision nicht ganz auf dem Level des Teams, das im ersten Saisondrittel für Begeisterung sorgte. Aber dieses Team hat einen Charakter, der sich nochmal deutlich von den Vorjahren abhebt.
Was ist damit konkret gemeint? Auch in den letzten Jahren waren die Bayern charakterstark. Anders gewinnst du trotz Unruhen und schwierigen Phasen keine Titel und kommst auch nicht ins Halbfinale der Champions League. Aber diese Saison vermittelt nochmal einen anderen Eindruck. Einige Spieler jener Generation, die häufig kritisiert wurde, scheinen nun endgültig in ihre verantwortungsvolle Rolle als Führungsspieler gewachsen zu sein.
Joshua Kimmich ging als solcher in Dortmund ebenso voran wie Dayot Upamecano. Beide zeigten eine überragende Leistung und waren mit Defensivstärke und klugen Entscheidungen mit dem Ball die Hauptgründe dafür, dass die Bayern mit dem hohen Pressing des BVB fast gar keine Probleme hatten. Dortmund hatte zwar 15 hohe Ballgewinne, aber kaum einer davon war wirklich gefährlich, weil das Gegenpressing und die Organisation der Münchner stark genug waren.
Auch andere Spieler, die noch nicht lange dabei sind, stützten die Achse des Teams: Jonathan Tah gewann zahlreiche wichtige Zweikämpfe, Harry Kane war abermals überall zu finden. Und dann waren da jüngere Spieler wie Michael Olise, bei dem nicht alles klappte, der aber unermüdlich viel probierte. Oder Josip Stanišić, der trotz leichten Defensivproblemen seine vielleicht beste Saisonleistung zeigte. Oder Jonas Urbig, der Manuel Neuer abermals souverän und mit faszinierender Ruhe am Ball ersetzte. So könnte man weitermachen. Fußballerisch steht die Qualität dieses Teams außer Frage.
Was am Ende darüber entscheiden wird, ob sie Titel gewinnen, ist die Fähigkeit, sich mit Charakter und Leidensfähigkeit durch jene Saisonphasen zu ziehen, in denen der Fußball nicht so leicht von der Hand oder eher vom Fuß geht. Phasen wie die, die wir in den ersten beiden Monaten des Jahres erlebt haben.
Jetzt ist März. Jetzt geht es in die entscheidende Saisonphase und vieles deutete zuletzt wieder darauf hin, dass sich die Lage nicht nur personell etwas entspannt, sondern dass auch die Formkurve wieder klar nach oben Zeigt. Darüber hinaus haben die Bayern eine Energie, die sie selbst dann weit tragen kann, wenn wie in Dortmund doch nicht alles nach Plan läuft.
Eine Energie, mit der man große Titel gewinnen kann. Klar ist, dass sich eine Champions-League-K.-o.-Phase nicht vorhersagen lässt. Eine Garantie gibt es nicht. Dafür sind andere europäische Top-Teams ebenfalls zu gut. Aber dieser FC Bayern ist so nah dran an diesen Mannschaften wie lange nicht mehr. Und das eben nicht nur fußballerisch, sondern auch in den von außen schwerer zu greifenden Aspekten des Spiels.
Die Partie in Dortmund und die Art und Weise, wie das Team sich selbst nach dem späten Tor zum 2:2 nicht mit einem Unentschieden zufrieden gab, ohne dabei den Kopf zu verlieren, haben das unterstrichen.
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