90min
·10. Juli 2026
Diskussion um Dzeko: Was spricht für und gegen einen Schalke-Verbleib?

In partnership with
Yahoo sports90min
·10. Juli 2026

Seit inzwischen anderthalb Wochen ist Edin Dzeko offiziell vereinslos und damit auch kein Spieler vom FC Schalke mehr. Sein Vertrag ist zum 30. Juni ausgelaufen und während zunächst die Weltmeisterschaft im Fokus stand, muss der Stürmer nun überlegen, wie es für ihn weitergeht.
Zum einen geht es um die übergeordnete Frage, ob er überhaupt noch weitermachen oder seine Spielerkarriere zu diesem Sommer doch beenden will. Mit dem erreichten Aufstieg als Zweitliga-Meister mit dem S04 sowie der WM-Teilnahme mit Bosnien gäbe es dafür sicherlich gute Argumente. Andererseits, wenn er sich noch fit fühlt und weiterhin ehrgeizig ist, muss er sich für einen Klub entscheiden. Die Gelsenkirchener jedenfalls wollen zeitnah konkrete Gespräche mit dem 40-Jährigen führen.
Doch auch aus der Sicht von Schalke stellt sich die Frage: Ist eine weitere Zusammenarbeit mit Dzeko überhaupt von Vorteil? Dieser Thematik kann und muss man aus verschiedenen Blickwinkeln begegnen.
Die vergangene Rückrunde hat gezeigt, dass Dzeko noch immer eine große Hilfe sein kann – menschlich wie sportlich. Beim S04 hat er direkt eine Führungsrolle übernommen und damit zugleich jemanden dargestellt, der den Fokus auf sich ziehen und damit die Mannschaft etwas entlasten kann.
So hat er nicht nur ein augenscheinlich sehr gutes Verhältnis zu Miron Muslic, sondern ist schnell im Team angekommen, wo er sich bestens eingefügt hat. Dzeko wollte nicht als Superstar herausragen, sondern dem Verein bei der schlussendlich auch erfolgreichen Rückkehr in die Bundesliga helfen. In den letzten Wochen der Saison spielte er zwar (auch verletzungsbedingt) nur noch eine Nebenrolle, doch auch ohne die Einsätze war er stets dabei, hielt Ansprachen und half mit seinem Status und seiner Erfahrung.
Auch in sportlicher Hinsicht hat sich die Dzeko-Verpflichtung gelohnt. Seine sechs Tore und drei direkten Vorlagen innerhalb von acht Einsätzen, sowie auch die Art und Weise dieser Treffer, haben eines unterstrichen: Ungeachtet seines Alters weiß der 151-fache Nationalspieler noch immer ganz genau, wo das gegnerische Tor steht. Die Qualität, auch aus vergleichsweise kleinen Chancen noch regelmäßig das Maximum herauszuholen, hat er weiterhin.

Dzeko mit der Zweitliga-Schale bei der Aufstiegsfeier | picture alliance/GettyImages
Die letzten Wochen haben eine zwar selbstverständliche und auch nachvollziehbare, dadurch aber nicht weniger wichtige Schwäche aufgezeigt: Dzeko scheint anfälliger für Verletzungen geworden zu sein und schüttelt diese auch nicht mehr ganz so einfach ab. Nach seiner Schulterverletzung spielte er auch noch in den letzten drei Liga-Partien für Schalke auf, jeweils nach Einwechslung. Seine Auftritte waren dabei aber nicht mit denen kurz nach seinem Wechsel zu vergleichen. Bei der WM hat er sich offenbar eine neue Oberschenkelverletzung zugezogen.
Und obwohl Dzeko zweifelsfrei ein Top-Stürmer ist, so wäre er vom Profil her wohl einer, der nicht unbedingt zum Spielstil passen dürfte, den Königsblau zur nächsten Saison in den Fokus nimmt. Ein schnelles Umschaltspiel nach (auch mal tieferen) Ballgewinnen braucht schnelle Offensivspieler, die die Tiefe suchen. Dzeko ist natürlich eher ein Ziel- und Wandspieler in Ballbesitzphasen, einer der im und rund um den Strafraum die Bälle aufgelegt bekommt. Solche Spielphasen wird es aber als Aufsteiger wohl nur selten geben.
Insgesamt würde Dzeko auch zu den Spitzenverdienern aufsteigen, davon ist wohl auszugehen. In der Rückrunde spielte er, zumindest im Vergleich zu dem, was für ihn noch immer bei anderen Klubs möglich gewesen wäre, "für 'n Appel und 'n Ei". Das wäre bei einem neuen Vertrag kaum mehr der Fall. Schalke müsste sich also bewusst und auch ganz sicher sein, dass sich diese finanzielle Investition auch lohnen wird.
Edin Dzeko ist und bleibt ein Klasse-Stürmer. Daran ändern auch sein Alter und seine offenbar höhere Verletzungsanfälligkeit nichts. Bekommt er halbwegs nennenswerte Torchancen, wird er diese auch häufiger nutzen als dass er sie liegen lässt. Dazu wäre er ein belebendes, erfahrungsreiches und auch mal als mediales Schutzschild fungierendes Element für die Kabine.
Zugleich müsste der S04 aber davon ausgehen, dass es in spielerischer Hinsicht nicht mehr den klaren Fit gibt, wie es in der vergangenen Rückrunde der Fall war. Über das letzte Halbjahr hat Königsblau weitaus mehr Initiative in Ballbesitz übernommen und sich pro-aktiv die Torchancen herausgespielt. Im nächsten Halbjahr zumindest wird man auf Fehler, Ballgewinne und das Umschaltspiel lauern (müssen) – das ist für ein solches Spielerprofil ein großer Unterschied.
Wenn Dzeko doch nicht allzu viel Geld verlangen sollte und auch damit einverstanden wäre, eher als Rotationsspieler dazuzugehören und weniger als Routinier mit klarer Startelf-Perspektive, kann Schalke eigentlich wenig falsch machen. Ob sich diese Ausgangslage ergibt, wird sich nun zeitnah zeigen.
Weitere Nachrichten rund um Schalke:







































