WolfsBlog
·18. August 2026
Dosenravioli in Lourdes

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·18. August 2026

1:0 in Hannover. Mindestens drei Tore zu niedrig. Leider für Hannover. Das war ein Sieg nach dem Prinzip Deutsche Bahn: Wie man ankommt, ist scheißegal. Hauptsache, man kommt überhaupt an. Spielerisch war das zeitweise vielleicht eher Dosenravioli als Sterneküche. Aber wenn du Hunger hast, diskutierst du auch nicht mit der Dose.
Fahrschüler bei Lidl
Nach dem 0:0 gegen Kaiserslautern war der Wiederaufstieg ja bereits tot, beerdigt und wahrscheinlich schon das Grablicht angezündet. Jetzt lebt er wieder. Lourdes kann einpacken. Früher verlor der VfL solche Dinger gern selbst und erklärte hinterher, man habe „viele positive Ansätze gesehen“. Diesmal sehe ich vor allem drei Punkte. Reicht mir.
Die Mannschaft war trotzdem nervös. Nicht ein bisschen Kribbeln, sondern stellenweise Fahrschüler bei der dritten praktischen Prüfung: Eigentlich weißt du, wo Kupplung und Bremse sind, aber sobald der Prüfer „nächste links“ sagt, stehst du quer auf dem Lidl-Parkplatz. Hinten kennt man sich teilweise noch wie die Gäste auf einer Hochzeit, die nur eingeladen wurden, weil die Braut meinte: „Den setzen wir noch zu Onkel Ernst.“ Aber wenn ein halbfertiger VfL schon in Hannover gewinnt, bin ich bereit, auf die Vollversion zu warten.
Olympia im Besteckkasten
Bei der Aufstellung musste man jedenfalls kurz überprüfen, ob die Namen vielleicht beim Ausdrucken verrutscht waren. Da wurde einmal kräftig durch den Besteckkasten gerührt. Spieler hierhin, Spieler dorthin, Rollen einmal auf links gezogen. Irgendwann hatte ich fest mit Pavao Pervan als Rechtsaußen gerechnet. Einfach weil dann wirklich alles möglich gewesen wäre.
Ich mag ja taktische Ideen. Aber bevor man bei Olympia Flickflack, Handstandüberschlag und doppelte Schraube anmeldet, sollte vielleicht erst mal der Purzelbaum in der Barnstorfer Mehrzweckhalle klappen. Eine komplett neue Mannschaft muss sich ohnehin finden. Da muss man nicht gleichzeitig Wohnzimmer, Küche und Gästeklo tauschen und hinterher überrascht sein, wenn einer nachts in der Badewanne frühstückt. Aber: Drei Punkte. Wenn du gewinnst, heißt Wahnsinn hinterher Matchplan und die Eckfahne als 6er war der Schlüssel zum Spiel. Spannend.
Stuttgart 21 von der Tanke
Und dann Fabian Reese. Dieser Jubel vor dem Auswärtsblock war kein handelsübliches „Juhu, Tor“. Das sah eher aus, als hätte jemand nach Wochen das Überdruckventil geöffnet. Da kam richtig was raus. Und ich kann es verstehen. Reese soll gerade nicht einfach Fußball spielen. Er soll Unterschiedsspieler, Hoffnungsträger, Gesicht des neuen VfL und Wiederaufstieg in Menschengestalt sein. Wahrscheinlich soll er in der Halbzeit noch Stuttgart 21 fertigbauen, damit da auch endlich mal was vorankommt.
Diesen Druck merkt man der ganzen Truppe an. Die wollen unbedingt zeigen, dass dieser neue VfL tatsächlich neu ist. Und dann sieht Fußball eben manchmal aus wie ich fünf Minuten vor der Matheprüfung. Vielleicht war genau deshalb dieser dreckige Sieg so wichtig. Kein Fußballporno. Kein Galadinner. Eher Frikadelle von der Tanke. Aber hinterher fragt auch keiner mehr, wie die Kuh hieß.
Mathematik ist eine Haltung
Der Auswärtsblock war dafür richtig stark. Voll, laut, grün. Was natürlich für die üblichen Internet-Sachverständigen gar nichts beweist. Wahrscheinlich waren es eigentlich 600 Wolfsburger, davon 400 VW-Praktikanten, 150 verirrte Hannoveraner und 50 Leute, die dachten, da sei Flohmarkt.
Ökologisch wertvoll
Und dann noch die vielleicht wichtigste Nachricht für das ökologische Gleichgewicht Niedersachsens: Braunschweig hat verloren. Nach sechs Toren am ersten Spieltag hatte ich kurz Sorge, da könnte etwas erwachen, das später keiner mehr eingefangen bekommt. Noch ein Sieg und in Braunschweig hätten sie wahrscheinlich angefangen, Hotels fürs Europapokalfinale zu reservieren.
Gefahr gebannt. VfL drei Punkte. Niedersachsen wieder halbwegs unter Kontrolle.
In diesem Sinn: Bleibt geschmeidig.







































