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·1. Oktober 2026

Droht Manchester City der Zwangsabstieg? Was das Urteil über „Sham FC“ wirklich enthüllt

Artikelbild:Droht Manchester City der Zwangsabstieg? Was das Urteil über „Sham FC“ wirklich enthüllt

Seit Dienstag liegt schwarz auf weiß vor, was lange nur Vorwurf war. Die Premier League hat die ersten 40 Seiten der Urteilsbegründung im Finanzverfahren gegen Manchester City veröffentlicht. Die Zahlen darin übertreffen selbst die Befürchtungen der schärfsten Kritiker. In England geht es deshalb kaum noch um die Frage, ob die Liga eine harte Strafe wagt, sondern nur noch darum, wie hart sie ausfällt.

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Das Etihad Stadium von Manchester City vor dem Premier-League-Spiel gegen Sunderland am 20. September 2026. (Foto: Carl Recine / Getty Images)


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Nach dem Schuldspruch in den meisten Anklagepunkten, nämlich 114 der 115 Anklagepunkte, hat The Athletic die Begründung ausgewertet. Kolumnist Daniel Taylor, der City seit drei Jahrzehnten begleitet, spricht inzwischen von „Sham FC“, also einem Schein-Klub. Wir fassen zusammen, was die Kommission festgestellt hat und was jetzt droht.

Was die Kommission festgestellt hat: Die Zahlen im Überblick

Untersucht wurden die Jahre 2009 bis 2018, also die Zeit nach der Übernahme durch die Abu Dhabi United Group (ADUG) im Jahr 2008. Der Kern des Urteils: City hat Geld des eigenen Besitzers als Sponsoreneinnahmen getarnt.

Die Kommission spricht von einem „verdeckten Finanzierungssystem“. Um die Dimension zu verstehen: Die 854,5 Millionen Pfund an aufgeblähtem Umsatz sind mehr, als fast jeder englische Konkurrent im selben Zeitraum insgesamt eingenommen hat. Darüber lagen nur acht Klubs, die übrigen fünf Vereine der „Big Six“ sowie Everton, Newcastle United und West Ham United.

Scheinverträge und ein Kreislauf über Bildrechte

Das Wort „Sham“, also Schein, taucht in der Mitteilung der Liga fünfmal auf. Die Kommission beschreibt Scheinverträge mit Sponsoren, Schein-Geschäfte und weitere Scheinkonstruktionen. Besonders auffällig ist der Fall Fordham: Eine Firma dieses Namens kaufte die Bildrechte von Spielern, damit City geringere Betriebskosten ausweisen konnte. Finanziert wurde Fordham nach den Feststellungen der Kommission von ADUG selbst, also ein Kreislauf.

Falsche Aussagen und fehlende Kooperation

Schwer wiegt auch das Verhalten im Verfahren. Mehrere „wichtige Zeugen“ des Klubs hätten in einigen Punkten falsch ausgesagt, manche davon wissentlich und damit unehrlich, heißt es. Dazu kommen mehrere Verstöße gegen die Pflicht zur Mitwirkung. Folgende Punkte stellte die Kommission zusammengefasst fest:

  • geschönte Bilanzen, deren wahre Lage vor Prüfern und Regulierern verborgen wurde
  • bei korrekter Buchführung hätte City die Ausgabengrenzen von Premier League und UEFA „sehr erheblich“ überschritten
  • Scheinverträge mit Sponsoren und Bildrechte-Konstruktion über Fordham
  • falsche Zeugenaussagen, teils wissentlich
  • wiederholte Behinderung und Verzögerung der Ermittlungen

Warum ein Zwangsabstieg immer wahrscheinlicher wird

Die Kommission nennt die Verstöße „äußerst schwerwiegend, erheblich, anhaltend und vorsätzlich oder leichtfertig“. Premier-League-Chef Richard Masters sagte: „Dieses Disziplinarverfahren und diese Entscheidung sind die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League.“ City habe „fast ein Jahrzehnt lang systematisch gegen die Regeln verstoßen“.

Zum Vergleich: Everton und Nottingham Forest bekamen in den vergangenen Jahren Punktabzüge für deutlich kleinere Vergehen. Taylor folgert daraus, dass alles unterhalb der Höchststrafe in England einen Aufschrei auslösen würde. Einen Zwangsabstieg hält er für „zunehmend unausweichlich und gerechtfertigt“. Einen Überblick über die möglichen Strafen haben wir bereits zusammengestellt, ebenso die Reaktionen der internationalen Presse.

City bleibt bei seiner Linie

Der Klub weist alle Vorwürfe zurück, sieht sich als Opfer eines Fehlurteils und kündigte an, „unnachgiebig und, wo nötig, proaktiv“ alle rechtlichen Wege zu gehen. Bis Freitag kann City Berufung einlegen, erst danach wird in einer eigenen Anhörung über das Strafmaß entschieden. Die Untersuchung lief dreieinhalb Jahre, die Anhörung allein dauerte 42 Tage. Ein Widerspruch fällt auf: City spricht von „unwiderlegbaren Beweisen“ für die eigene Unschuld, wurde aber gerade für die Verweigerung der Zusammenarbeit verurteilt.

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Erling Haaland beim Champions-League-Spiel von Manchester City beim FC Porto am 8. September 2026. (Foto: Clive Brunskill / Getty Images)

Welche Fragen jetzt offen sind

Das Urteil betrifft nicht nur den Klub als Ganzes, sondern auch Menschen, die heute noch Verantwortung tragen oder trugen:

  • Pep Guardiola verließ City am Ende der vergangenen Saison. Wusste er, was kommt?
  • Sein Nachfolger Enzo Maresca übernahm einen Klub, dem nun die zweite Liga droht.
  • Omar Berrada, früher Chief Operating Officer bei City, führt heute als Geschäftsführer den Stadtrivalen Manchester United.
  • Kann Vorstandschef Ferran Soriano im Amt bleiben, falls die Berufung scheitert?
  • Untersucht die Liga auch die Jahre nach 2018?

Und dann sind da die Spieler. Erling Haaland hat einen Vertrag bis 2034, Elliot Anderson kam im Sommer von Nottingham Forest, Enzo Fernández vom FC Chelsea. Sie alle spielen für einen Klub, dessen Zukunft in der Premier League offen ist.

Häufige Fragen zum Urteil gegen Manchester City

Was wird Manchester City vorgeworfen?

City soll von 2009 bis 2018 Geld des Eigentümers ADUG über Scheinverträge als Sponsoreneinnahmen verbucht, Kosten verschleiert und die Ermittlungen behindert haben. Die Kommission sah den Klub in 114 von 115 Anklagepunkten schuldig.

Um wie viel Geld geht es?

City meldete 949,4 Millionen Pfund von Sponsoren, echt waren laut Kommission nur 119,2 Millionen. 830,7 Millionen Pfund kamen verdeckt vom Eigentümer.

Was bedeutet „Sham FC“?

„Sham“ heißt Schein oder Fälschung. Das Wort steht fünfmal in der Mitteilung der Premier League zu den Scheinverträgen, in England macht der Spottname „Sham FC“ die Runde.

Muss Manchester City absteigen?

Das ist noch offen. Über das Strafmaß entscheidet eine eigene Anhörung, nachdem die Berufungsfrist am Freitag abgelaufen ist. Ein Zwangsabstieg gilt als möglich.

Wie reagiert Manchester City?

Der Klub beteuert seine Unschuld und will alle rechtlichen Mittel ausschöpfen.

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