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·1. Juni 2026

Durch den Münzwurf eines Kindes zur WM: Das vergessene Drama der Türkei beim historischen Turnier 1954

Artikelbild:Durch den Münzwurf eines Kindes zur WM: Das vergessene Drama der Türkei beim historischen Turnier 1954

Historisches WM-Debüt 1954: Wie die Türkei per Münzwurf zur Weltmeisterschaft flog und Fußballgeschichte schrieb

Die Endrunde der Weltmeisterschaft im Jahr 1954 in der Schweiz ging als eines der spektakulärsten Turniere in die Annalen des Weltfußballs ein. Während das Turnier in Deutschland untrennbar mit dem Mythos vom Wunder von Bern verknüpft ist, markiert es für die türkische Nationalmannschaft einen Meilenstein von historischer Tragweite. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte gelang der Auswahl des Halbmond-Stern-Teams der Sprung auf die ganz große globale Fußballbühne. Der Weg dorthin und die anschließenden Auftritte in der Gruppenphase lieferten packende Anekdoten, dramatische Entscheidungen und torreiche Begegnungen, die bis heute unvergessen sind.

Das Drama von Rom und der legendäre Münzwurf des Jungen Franco

Die Qualifikation für die Endrunde entwickelte sich zu einem regelrechten Krimi gegen die hochfavorisierte Auswahl aus Spanien. Das Hinspiel auf der iberischen Halbinsel ging für das türkische Team noch deutlich mit 1:4 verloren. Im dramatischen Rückspiel behielt die Mannschaft jedoch die Oberhand und feierte einen eminent wichtigen 1:0-Heimsieg. Da die Tordifferenz nach den damaligen Regularien der FIFA keinerlei Berücksichtigung fand, musste ein Entscheidungsspiel die endgültige Entscheidung bringen. Als neutraler Austragungsort wurde die italienische Hauptstadt Rom gewählt. Doch auch dieses hitzige Duell endete nach der regulären Spielzeit und Verlängerung mit einem hochdramatischen 2:2-Unentschieden.


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Da das sportliche Duell keinen Sieger hervorbrachte, musste das absolute Zufallsprinzip über das WM-Ticket entscheiden. Ein aus dem Publikum aufgerufener italienischer Junge namens Franco schritt zur Tat und führte den historischen Münzwurf aus. Das Glück war auf der Seite der von Nationaltrainer Sandro Puppo geführten Mannschaft, wodurch sich die türkische Nationalmannschaft das sensationelle Recht auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft sicherte. Wie die staatliche Anadolu Ajansı in ihrem historischen Rückblick beleuchtet, war dies der Startschuss für eine unvergessliche Reise zu einem Turnier, an dem insgesamt 16 Nationen teilnahmen.

Das historische Tordebüt von Suat Mamat und das furiose Schützenfest

Bei der Endrunde im Nachbarland Schweiz landete die Auswahl in einer extrem anspruchsvollen Gruppe mit Westdeutschland, den damals schier unschlagbaren Magyaren aus Ungarn sowie Südkorea. Das allererste WM-Spiel der Verbandshistorie bestritt das Team gegen die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland. Obwohl die Begegnung am Ende mit einer 1:4-Niederlage endete, ging die Partie in die Geschichtsbücher ein. Der Angreifer Suat Mamat brachte die Außenseiter bereits in der zweiten Minute sensationell mit 1:0 in Führung und verewigte sich damit als allererster Torschütze der Türkei bei einer Weltmeisterschaftsendrunde.

Die Rehabilitation folgte prompt im zweiten Gruppenspiel gegen die Auswahl aus Südkorea. In einer einseitigen Partie brannten die Schützlinge des italienischen Trainers ein Offensivfeuerwerk ab und feierten einen historischen 7:0-Kantersieg. Dieses furiose Ergebnis zählt bis zum heutigen Tage zu den höchsten Siegen, die jemals in der Geschichte der Weltmeisterschaftsendrunden verzeichnet wurden. Da man im damaligen, ungewöhnlichen Turniersystem in der Gruppenphase nicht gegen die Gruppenköpfe aus Ungarn antreten musste, kam es punktgleich zu einem fälligen Entscheidungsspiel um den Viertelfinaleinzug gegen Westdeutschland. In dieser torreichen Regenschlacht zog das Team mit 2:7 den Kürzeren und schied erhobenen Hauptes als Gruppendritter aus dem Wettbewerb aus. Die Bilanz wies nach drei Partien einen Sieg, zwei Niederlagen, zwei Punkte sowie zehn erzielte Treffer bei elf Gegentoren auf. Die Treffer für das Team von Sandro Puppo teilten sich Suat Mamat (3), Burhan Sargun (3), die Stürmerlegende Lefter Kücükandonyadis (2), Erol Keskin (1) und Mustafa Ertan (1).

Der geschichtsträchtige Kader der Nationalmannschaft setzte sich aus folgenden Akteuren zusammen: Turgay Seren, Ridvan Bolatli, Basri Dirimlili, Mustafa Ertan, Cetin Zeybek, Rober Eryol, Erol Keskin, Suat Mamat, Ismail Feridun Bugeker, Burhan Sargun, Lefter Kücükandonyadis, Sükrü Ersoy, Bülent Eken, Ali Beratligil, Mehmet Dincer, Nedim Günar, Naci Erdem, Akgün Kacmaz, Ahmet Berman, Necmi Onarici, Kadri Aytac und Coskun Tas.

Das ungarische Drama im Wankdorf-Stadion und ein ewiger Torrekord

Während für das türkische Team nach der Vorrunde Schluss war, steuerte das Turnier auf seinen dramatischen Höhepunkt zu. Am 4. Juli standen sich im Berner Wankdorf-Stadion vor der monumentalen Kulisse von 62.500 Zuschauern die Auswahlen aus Westdeutschland und Ungarn im großen Finale gegenüber. Die favorisierten Ungarn, die im Halbfinale Uruguay mit 4:2 in der Verlängerung bezwungen hatten, legten furios los. Der Stürmerstar Ferenc Puskas in der sechsten Minute und Zoltan Czibor in der achten Minute brachten die goldene Generation der Magyaren blitzschnell mit 2:0 in Führung. Doch die deutschen Außenseiter, die zuvor Österreich im Halbfinale mit 6:1 deklassiert hatten, zeigten eine historische Moral.

Durch die Treffer von Max Morlock in der zehnten Minute sowie dem legendären „Boss“ Helmut Rahn, der in der 18. Minute den Ausgleich und in der 84. Minute den umjubelten Siegtreffer zum 3:2-Endstand erzielte, wurde Deutschland zum ersten Mal Weltmeister. Generell ging die Endrunde 1954 – das sogenannte Wunder von Bern – als das Turnier mit dem bis heute unerreichten und höchsten Tor-Durchschnitt in die Geschichte ein. In lediglich 26 ausgetragenen Spielen fielen atemberaubende 140 Tore, was einem historischen Schnitt von 5,4 Treffern pro Spiel entspricht. Die torhungrigsten Mannschaften waren Vize-Weltmeister Ungarn mit 27 Toren und Weltmeister Westdeutschland mit 25 Toren. Zum unangefochtenen Torschützenkönig krönte sich der ungarische Ausnahmestürmer Sandor Kocsis, der im gesamten Turnierverlauf phänomenale elf Tore erzielte. Auf den weiteren Plätzen folgten der Schweizer Lokalmatador Josef Hügi, der Österreicher Erich Probst und der Finaltorschütze Max Morlock mit jeweils sechs persönlichen Turniertreffern.

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