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·2. Juni 2026
Ein Foto, sofort Streichliste: Wie Teheran seinen besten Stürmer Sardar Azmoun opfert

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Sardar Azmoun fehlt im 26er-Aufgebot Irans für die WM. Auslöser ist ein Instagram-Post aus Abu Dhabi. Für ihn rückt Dennis Eckert Ayensa nach.
Es gibt Geschichten, in denen ein Foto schwerer wiegt als jede Statistik. Sardar Azmoun, 31 Jahre alt, drittbester Torschütze in der Länderspielgeschichte Irans, wird bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada nicht für sein Land auflaufen. Der iranische Verband hat am Montag ein 26-köpfiges Aufgebot verkündet, in dem der frühere Bundesliga-Profi von Bayer Leverkusen schlicht fehlt. Es ist die zweite Streichung innerhalb weniger Monate; bereits im März war Azmoun aus dem Kader genommen worden. Was sportlich kaum zu erklären wäre, ergibt im politischen Kontext eine bittere Logik.
Der Auslöser ist überschaubar und doch hochaufgeladen: ein Instagram-Post, der Azmoun an der Seite des Premierministers der Vereinigten Arabischen Emirate zeigt. Die Emirate gelten als Verbündete der USA und als Unterstützer Washingtons im Krieg gegen den Iran. Mehr braucht es derzeit offenbar nicht, damit iranische Staatsmedien einen Nationalspieler teils scharf attackieren und ihn mit Vorwürfen des Verrats konfrontieren. Ein Bild, ein Händedruck, eine Bühne in Abu Dhabi – aus einer alltäglichen Geste im Profifußball wird in Teheran ein Loyalitätsbeweis in die falsche Richtung. So funktioniert Staatsraison, wenn sie auf Sport trifft: Sie kennt keine Graustufen.
Dass es auch innerhalb des iranischen Machtapparats andere Stimmen gibt, macht den Fall nicht leichter, sondern komplizierter. Vizepräsident Abdolkarim Hosseinzadeh warb auf X öffentlich für eine Rückkehr des Stürmers. „Die Heimat muss die Verbundenheit zwischen ihren Kindern bewahren", schrieb er und appellierte, Azmouns „Zeichen dieser Verbundenheit" nicht zu übersehen und ihn „wenn möglich" wieder zu nominieren. Es ist ein bemerkenswerter Satz aus dem Inneren eines Systems, das einen seiner besten Fußballer fallen lässt. Er blieb folgenlos.
Azmoun selbst hat reagiert, wie ein Profi reagieren kann, dem die Sprache des Spiels in dieser Auseinandersetzung nichts mehr nützt. Auf Instagram bekannte er sich als „Sohn Irans". „Egal, wo ich Fußball spiele – meine Identität, mein Herz und mein Stolz sind Iran." Es ist ein Treuebekenntnis ohne Adressaten, denn die Entscheidung war da längst gefallen. Der Profi des saudi-arabischen Erstligisten Shabab Al-Ahli, der seine Karriere zwischen europäischen Topligen und der Golfregion gestaltet hat, kann in diesem Spiel nicht gewinnen. Wer in Riad arbeitet und in Abu Dhabi posiert, ist in Teheran erklärungspflichtig, ganz gleich, was er auf dem Rasen leistet.
Für Azmoun rückt der gebürtige Bonner Dennis Eckert Ayensa in den Kader, ausgebildet in den Jugendabteilungen des 1. FC Köln und von Borussia Mönchengladbach, inzwischen bei Standard Lüttich unter Vertrag. Er steht vor seinem Debüt für den Iran – ein Personalwechsel, der die sportliche Lücke nur sehr bedingt schließen dürfte. Hinzu kommt, dass das Team weiterhin auf die Visa für die Einreise in die USA wartet, ehe es in Gruppe G ab dem 15. Juni auf Neuseeland, Ägypten und Belgien trifft. Die Vorzeichen für Iran sind also auf mehreren Ebenen schwierig.
Bleibt eine nüchterne Bilanz. Der Fall Azmoun zeigt, dass die Frage, wer ein Land bei einer WM vertreten darf, längst nicht mehr nur in Trainingslagern entschieden wird, sondern in den Kommentarspalten der Staatsmedien und auf den Schreibtischen der Politik. Ein Stürmer mit dieser Vita gehört in einen WM-Kader. Dass er nicht dort steht, ist eine sportliche Selbstschwächung, die der iranische Verband bewusst in Kauf nimmt. Der Preis dafür wird sich auf dem Platz zeigen.







































