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·10. Januar 2026

Ein gutes Hotel allein hat noch nie ein WM-Turnier gewonnen

Artikelbild:Ein gutes Hotel allein hat noch nie ein WM-Turnier gewonnen

Der DFB hat sein WM-Quartier in Winston-Salem gefunden und schwärmt vom Luxus. Doch über Erfolg entscheidet die sportliche Substanz, nicht der Butler-Service.

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr WM-Quartier gefunden, und der DFB ist begeistert. Winston-Salem in North Carolina soll das Basislager werden, von dem aus Julian Nagelsmann und sein Team den Titel angreifen wollen. Die Verantwortlichen sprechen vom "Wunschszenario" und "idealen Teamquartier". Das klingt nach perfekter Vorbereitung. Doch ein gutes Hotel allein hat noch nie ein Turnier gewonnen.


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Natürlich ist es sinnvoll, dass der Verband die logistischen Rahmenbedingungen ernst nimmt. Das "Graylyn Estate" mit seinen 85 Räumen und Butler-Service bietet zweifellos Komfort. Die Wake Forest University stellt drei Trainingsplätze zur Verfügung, die laut Nagelsmann in "sehr, sehr gutem Zustand" sind und fußläufig erreichbar. Das ist bei einem Turnier mit enormen Reiseentfernungen zwischen den Spielorten ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Der Bundestrainer weiß, wovon er spricht, wenn er die Nähe zu den Plätzen als "das Allerwichtigste" bezeichnet.

Die Parallele zum "Home Ground" in Herzogenaurach, wo die Mannschaft bei der Heim-EM untergebracht war, zieht Nagelsmann selbst. Ein Ort, der Gemeinschaft ermöglicht und gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten bietet – das war das Konzept im vergangenen Sommer, und es soll nun in den USA fortgesetzt werden. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Eine Mannschaft, die sich wohlfühlt, spielt besser.

Zwischen Turnierplanung und Selbstvergewisserung

Doch genau hier beginnt die Grauzone zwischen professioneller Turnierplanung und übertriebener Selbstvergewisserung. Wenn Andreas Rettig von "bestmöglichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Turnier" spricht, dann schwingt darin eine Erwartungshaltung mit, die das Quartier allein niemals erfüllen kann. Die Gegner in der Vorrunde – Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador – werden sich wenig darum scheren, wie luxuriös die deutschen Spieler schlafen.

Was zählt, ist die sportliche Substanz. Die Frage, ob diese Mannschaft tatsächlich Titelkandidat ist oder ob die Euphorie nach der Heim-EM trügt. Die Frage, wie Nagelsmann mit Rückschlägen umgeht und ob sein Kader die Tiefe hat, um ein langes Turnier durchzustehen. Das entscheidet sich nicht in North Carolina, sondern in Houston, Toronto und East Rutherford.

Der DFB hat seine Hausaufgaben bei der Quartiersuche gemacht. Das ist anzuerkennen. Aber die Kommunikation rund um das Thema offenbart auch eine gewisse Neigung zur Selbstinszenierung, die dem deutschen Fußball nicht immer gutgetan hat. Weniger Superlative, mehr Demut – das wäre die angemessene Haltung vor einem Turnier, bei dem Deutschland noch einiges beweisen muss.

Winston-Salem ist ein guter Ausgangspunkt. Nicht mehr, nicht weniger.

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