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·20. April 2026
Ein Jahr ohne Lorant: "Mit mir wären die Löwen niemals aus der Bundesliga abgestiegen!"

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·20. April 2026

VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)
Als am 20. April 2025 um 12.24 Uhr in einem Wasserburger Krankenhaus - also genau heute vor einem Jahr - Werner Lorant für immer die Augen schloss, war das mehr als nur der Tod des ehemaligen Trainers. Es war der Moment, in dem beim TSV 1860 München ein Stück Identität verloren ging. Lorant war mehr als nur ein Übungsleiter, Lorant war das Gesicht des Aufbruchs an der Grünwalder Straße 114. Er war einer, der heutzutage fast schon unwirklich erscheint.
Viele haben ihm nachgeeifert, bis heute ist er aber unerreicht. Lorants Spuren bei 1860 München sind zu groß. Er führte den Klub in den 90er Jahren gemeinsam mit dem 2010 verstorbenen Karl-Heinz Wildmoser von der Bayernliga bis in den Europapokal - und zwar in Rekordzeit.
Ausreden gab es für ihn nicht, so wie es heutzutage viele 1860-Funktionäre pflegen und den Finger lieber auf die anderen richten. Lorant hat angepackt - und wenn das zu wenig war, hat er noch eine Zusatzschicht draufgepackt. Für sich selbst, aber auch für die Spieler. Trainingseinheiten wurden schon mal auf zwei Stunden verlängert, wenn’s nötig war. Das war aber keine Show für die Öffentlichkeit, sondern Lorant war überzeugt, dass mehr Training mehr Qualität bringt. “Wir waren nicht die beste Mannschaft, aber die, die am meisten laufen konnte”, erklärte Rekord-Löwe Harald Cerny unlängst gegenüber db24: “Vor uns haben sich alle Mannschaften gefürchtet, weil wir viel über Mentalität kamen.”
Mentalität hatte Lorant wie kein Zweiter: Er selbst war ein Rauhbein der Bundesliga, gewann 1980 mit Eintracht Frankfurt den Uefa-Pokal - doch seine größte Station war die nach seiner aktiven Spielerkarriere - bei 1860 München: Von 1992 bis 2001 dressierte er die Löwen, ehe er nach einem 1:5 gegen den FC Bayern im Stadtderby gehen musste. Nach ihm wurde es nicht mehr besser - und das gehört auch zur traurigen Geschichte des TSV 1860. “Mit mir wären die Löwen niemals aus der Bundesliga abgestiegen”, sagte er bei unseren Besuchen in Waging am See immer wieder. Was er zu seiner aktiven Zeit auch immer vor jedem Saisonstart sagte: “Wir wollen Meister werden.” In der Bundesliga. Heute sagt man: “Wir wollen versuchen, vorne mitzuspielen.” Wohlgemerkt in der Dritten Liga.
Dass es Lorant von Oberdorfen in den Landkreis Traunstein verschlug, war eigentlich ein Zufall. Kult-Wirtin Christl Estermann stellte den Kontakt her. “Wenn ich gewusst hätte, wie schön es hier ist, dann wäre ich schon viele Jahre zuvor hergezogen”, sagte Lorant immer wieder. In Waging konnte er ungestört leben, genoß die Zeit auf den Amateur-Fußballplätzen oder mit seinem Hund - fernab seiner großen Liebe 1860 München. Dass ihn die Löwen nach seinem Aus nie wieder als Trainer in Erwägung zogen oder wenigstens als Berater hinzuzogen, hat Lorant tief geschmerzt. „Wenn sie Tipps brauchen, wie man diesen Verein wieder zum Leben erweckt, sollen sie mich kontaktieren“, sagte er einmal. Doch genau das taten die Sechzger nie. Fast wirkte es so, als hätten sie Angst vor dem übergroßen Vermächtnis des Kultlöwen gehabt. Statt auf Lorants Erfahrung zu setzen, taumelten sie weiter durch die Jahre – und gehen nun ins neunte Drittliga-Jahr in Folge.









































