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·15. September 2026

Ein Titel, sechs Spiele, ein Co-Trainer: Warum Dino Toppmöller in Lens an Loyalität scheiterte

Artikelbild:Ein Titel, sechs Spiele, ein Co-Trainer: Warum Dino Toppmöller in Lens an Loyalität scheiterte

Am Montagabend teilte der RC Lens seinem Trainer mit, dass Nelson Morgado nicht mehr zum Trainerstab gehören werde. Am Dienstagmittag meldete L’Équipe, dass Dino Toppmöller nicht mehr Trainer sei. Dazwischen lag eine Nacht, in der ein 45-Jähriger entscheiden musste, ob er einen Job behält oder einen Freund. Er entschied sich für den Freund. Drei Monate nach seinem Amtsantritt, sechs Pflichtspiele später, mit einem Titel in der Vitrine.

Was der Klub sagt – und was er meint

Lens‘ Mitteilung ist ein Meisterstück diplomatischer Sprache. Man habe „nach zahlreichen Gesprächen über das Mannschaftsgefüge sowie die Arbeitsweise und Organisation des Trainerstabs“ die Absicht mitgeteilt, den Stab „neu zu strukturieren“. Da Toppmöller „diese strukturellen Veränderungen nicht mittragen konnte“, habe der Klub „die verantwortungsvolle Entscheidung“ getroffen, seine Tätigkeit und die seiner beiden Assistenten zu beenden. „Im Geiste gegenseitigen Respekts“, „in gegenseitigem Einvernehmen“. Man würdige Toppmöllers „aufrichtige und menschliche Art und das stets stilvolle Auftreten“. Er sei sogar bereit gewesen, „auf einen wesentlichen Teil seiner vertraglich vereinbarten Abfindung zu verzichten“.


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Was „neu strukturieren“ bedeutet, berichten Bild und Sky: Nelson Morgado, 37, Portugiese, seit 2017 an Toppmöllers Seite – bei Virton, in Frankfurt, jetzt in Lens –, sollte gehen. Er habe „den französischen Mitarbeitern im Trainerstab zu unbequem“ gewesen sein, weil er „mehr Einsatz und mehr Leidenschaft“ gefordert habe. Toppmöller, der bei seiner Verpflichtung nur zwei eigene Assistenten hatte mitbringen dürfen und den Rest des Stabs vom Klub gestellt bekam, sah darin einen Eingriff in seinen Arbeitsbereich. Er stellte sich quer. Lens stellte ihn ab.

Die sportliche Bilanz, die keine Rolle spielte

Es ist selten, dass ein Trainer geht, dessen Zahlen so sind wie diese. Toppmöller hatte Lens am 16. Juni als Nachfolger von Pierre Sage übernommen – ein Vizemeister, der Mamadou Sangaré für 48 Millionen Euro an Brentford verkaufte und mit Michael Cuisance und Thorgan Hazard zwei Ex-Bundesliga-Profis holte. Im Supercup schlug Lens Paris Saint-Germain, den Champions-League-Sieger. Zum Auftakt der Königsklasse drehte die Mannschaft ein 1:2 gegen Slavia Prag und gewann in der Nachspielzeit 3:2. Ein Titel und ein Europapokalsieg in den ersten sechs Spielen – das ist mehr, als die meisten Trainer in ihrer ersten Saison vorweisen.

Die Liga war schwächer: vier Punkte aus vier Spielen, Platz zehn, zuletzt zwei Niederlagen und ein 2:2 in Le Mans nach 0:2-Rückstand. L’Équipe und RMC berichten, Toppmöllers Spielstil sei bei den Fans nicht gut angekommen; nach Le Mans hatte er selbst über seine Mannschaft geschimpft – „wir können nicht so spielen“, was er in der Halbzeit gesagt habe, sage er lieber nicht. Aber als Grund für eine Trennung nach vier Spieltagen reicht das nicht. Das französische Wettportal Pensebet formulierte es so: „Genug, um zu beunruhigen. Nicht genug, um einen so brutalen Bruch zu erklären.“

Wer übernimmt

Yannick Cahuzac, bisher Co-Trainer, sitzt am Samstag beim Spiel in Monaco auf der Bank. Der Korse, im Sommer nach zweieinhalb Jahren als Assistent in Lorient zurückgekehrt, gilt als Vertrauter von Sportdirektor Jean-Louis Leca und hat intern Rückhalt – aber noch nicht die Trainerlizenz, die er in dieser Saison erwirbt. Ob er eine Übergangslösung ist oder mehr, ließ der Klub offen. Mittwoch, 13.15 Uhr, ist die nächste Pressekonferenz. Cahuzac wird dort sitzen. Ob allein oder mit einem Verantwortlichen, ist laut Sports 59/62 offen.

Was der Fall über Toppmöller sagt

Es ist die zweite Trennung in acht Monaten. Im Januar hatte ihn Eintracht Frankfurt nach zweieinhalb Jahren entlassen; in Lens hatte er laut Pensebet andere Angebote abgelehnt, um nach Bollaert zu gehen. Beide Male ging es nicht um Skandale, sondern um Passung. In Frankfurt um Ergebnisse, in Lens um einen Stab, den der Klub anders wollte als der Trainer.

Man kann Toppmöllers Entscheidung als Sturheit lesen. Man kann sie auch als das lesen, was der Klub selbst beschrieb: Loyalität, „aufrichtig und menschlich“. Ein Trainer, der auf Abfindung verzichtet, um seinen Co-Trainer nicht opfern zu müssen, ist im Profifußball eine Seltenheit. Ob es klug war, ist eine andere Frage. Dino Toppmöller ist jetzt zum zweiten Mal in diesem Jahr ohne Job – und zum ersten Mal, weil er eine Grenze gezogen hat, die andere nicht gezogen hätten.

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