Ein Tor nach 100 Sekunden macht noch keinen Weltfußballer – Yamals Wembley-Abend als Kandidatur-Test | OneFootball

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·26. September 2026

Ein Tor nach 100 Sekunden macht noch keinen Weltfußballer – Yamals Wembley-Abend als Kandidatur-Test

Artikelbild:Ein Tor nach 100 Sekunden macht noch keinen Weltfußballer – Yamals Wembley-Abend als Kandidatur-Test

London. Es gibt zwei Möglichkeiten, Lamine Yamals Abend in Wembley zu erzählen. Die erste geht so: Der 19-Jährige bestraft nach 100 Sekunden einen Fehler von Marc Guéhi, zirkelt den Ball an den Innenpfosten und erzielt das drittschnellste Gegentor der englischen Wembley-Geschichte – schneller trafen dort nur Ungarn 1953 und Schottland 1957. Ein Tor für die Statistikbücher, auswärts, gegen den WM-Dritten.

Die zweite geht so: Danach passierte 88 Minuten lang wenig, was auf seine Rechnung ging. England drehte das Spiel binnen vier Minuten. Spanien gewann am Ende 3:2 – durch zwei Spieler, die in der 55. Minute eingewechselt wurden. Álex Baena traf in der 60., Mikel Oyarzabal in der 74. Yamal stand bis zum Schluss auf dem Platz.


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Beide Erzählungen stimmen. Für die Frage, die Yamal in dieser Woche selbst aufgeworfen hat, ist die zweite die relevantere.

Was er selbst behauptet hat

Am 14. September sagte er in einem Vorab-Clip des Interviews mit Jorge Valdano: „Ich glaube ehrlich, dass es zwei gibt, die die Besten der Welt sind, und dieses Jahr würde ich ihn verdienen für das, was ich gewonnen habe. Für mich sind Mbappé und ich die zwei Besten der Welt.“ Vier Tage später, im vollständigen Interview, kritisierte er die Vergabekriterien: Es werde heute bewertet, was „nichts mit dem Ballon d’Or zu tun hat“ – etwa, dass der Preis an einen Spieler von Paris Saint-Germain gehen solle, weil der die Champions League gewonnen habe.

Und am 24. September fügte er hinzu: „Es gibt sehr wenige Spieler, die so spielen wie ich.“

Wer so argumentiert, verschiebt den Maßstab, an dem er gemessen wird. Wer sagt, Mannschaftstitel dürften nicht zählen, muss individuell liefern – und zwar durchgängig, nicht in Einzelszenen.

Die kritische Bilanz

Drei Punkte sprechen gegen die Kandidatur in ihrer jetzigen Form.

Erstens das Argument gegen sich selbst. Yamals Begründung für seinen Anspruch lautete: „für das, was ich gewonnen habe“ – LaLiga, Supercopa, Weltmeisterschaft. Das sind Mannschaftstitel. Vier Tage später erklärte er, Mannschaftstitel seien kein Kriterium. Beides gleichzeitig geht nicht.

Zweitens die Konkurrenz im eigenen Team. In Wembley waren die Entscheider zwei Einwechselspieler. Bei Barcelona hat Raphinha seit dem Lewandowski-Abgang als Mittelstürmer acht Tore in fünf Spielen erzielt; Yamal steht nach fünf Ligaspielen bei sechs. Bemerkenswert – aber kein Wert, der eine Position außerhalb jeder Diskussion begründet.

Drittens der Ton. Abelardo Fernández, acht Jahre Barça-Profi und 54-facher Nationalspieler, sagte über Yamals Selbsteinschätzung: „Man kann das denken, aber man sollte es nicht sagen. Ich finde nicht, dass man das tun sollte, weil es einen schlecht aussehen lässt.“ Goal veröffentlichte einen Kommentar, der die Kampagnen von Yamal und Mbappé „zutiefst peinlich“ nannte – mit Verweis auf Michael Owen, der 2001 seinen Trainer fragen musste, was der Ballon d’Or überhaupt sei. Gewählt wird von Journalisten. Ob eine öffentlich geführte Eigenkampagne bei dieser Wählerschaft hilft, ist mindestens offen.

Was für ihn spricht

Die Zahlen bleiben außergewöhnlich. 24 Tore und 18 Vorlagen in der Saison 2025/26, Meisterschaft, Supercup, Weltmeistertitel, zweimal die Kopa-Trophäe, im Vorjahr Zweiter hinter Ousmane Dembélé. Acht Länderspieltore in 34 Partien. Mit 19 hat er mehr gewonnen als die meisten Nominierten in ihrer gesamten Laufbahn.

Und Wembley war eben doch ein Beleg: ein Tor, das Aufmerksamkeit, Mut und Präzision in drei Sekunden bündelt, erzielt in einem Stadion, in dem so etwas seit 69 Jahren nicht passiert ist.

Der Maßstab, an dem es sich entscheidet

Der Hauptkonkurrent heißt nach der Opta-Prognose der BBC nicht Mbappé, sondern Harry Kane – 73 Tore in der Vorsaison, eine Bayern-Kampagne, die Max Eberl mit der Formel führt, Kane treffe „wie ein Neuner, denke wie ein Zehner und arbeite wie ein Sechser“. Mbappé hat am Freitag in İzmit getroffen und sich dabei am Knie verletzt; wie lange er ausfällt, ist offen.

Bis zur Verleihung am 26. Oktober in London bleiben Yamal etwa vier Wochen. In dieser Zeit sollte er, wenn seine eigene Argumentation tragen soll, Spiele entscheiden statt sie zu eröffnen. In Wembley hat er den Abend begonnen. Beendet haben ihn andere.

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