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·29. Juni 2026

Ein Volley für die Ewigkeit: Kanada im WM-Achtelfinale

Artikelbild:Ein Volley für die Ewigkeit: Kanada im WM-Achtelfinale

Neunzig Minuten Zittern, ein halbes Dutzend vergebener Chancen – und dann dieser eine Moment, der ein Land zum Explodieren bringt. Stephen Eustaquio, 29, MLS-Profi aus Los Angeles, schreibt in der zweiten Minute der Nachspielzeit kanadische Fußballgeschichte.

Der Treffer, der alles verändert

Shaffelburg flankt von rechts, Okon klärt unzureichend per Kopf. Der Ball landet bei Eustaquio an der Strafraumkante – und der Kapitän zieht einfach ab. Flach, platziert, ins lange Eck. Ronwen Williams hat keine Chance. Was danach passiert, lässt sich kaum in Worte fassen: In Vancouver und Toronto brechen die Fanzonen zusammen. Tausende Menschen in roten Trikots, weinend, schreien, sich umarmend. Die Clips davon – und es sind Dutzende – gehen auf TikTok und X innerhalb von Minuten viral. Der Hashtag #CANRSA dominiert kurz nach Abpfiff weltweit die Trends.


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Für ein Land, das 1986 bei seiner ersten WM-Teilnahme drei Spiele bestritt, null Tore schoss und punktlos nach Hause fuhr, ist dieser Abend in Los Angeles mehr als ein Sieg. Es ist eine Zeitenwende.

Spiel auf mäßigem Niveau – aber mit Charakter

Fußballerisch war das erste Sechzehntelfinale der WM-Geschichte kein Leckerbissen. Kanada kontrollierte das Spiel, aber irgendwie wollte der Ball einfach nicht rein. Cornelius köpfte freistehend an Williams vorbei, Bombito überwand den Torwart – der Ball wurde auf der Linie geklärt. Im Nachsetzen vergab Buchanan. Man hätte meinen können, Südafrikas Schlussmann habe einen Pakt mit den Torpfosten geschlossen.

Die Bafana Bafana wiederum schienen das Weiterkommen nicht aktiv anstreben zu wollen. Ballbesitz ohne Idee, kaum Torgefahr – bis zur 62. Minute kein einziger gefährlicher Abschluss. Das Publikum im SoFi Stadium pfiff die Südafrikaner schon früh aus. Verständlich.

Trainer Jesse Marsch reagierte in der 75. Minute mit dem Joker, auf den alle gewartet hatten.

Davies ist zurück – und der Moment ist perfekt

Alphonso Davies betrat den Rasen unter dem lautesten Jubel des Abends. Genau in diesem Stadion hatte er sich im März 2025 das Kreuzband gerissen. Über ein Jahr Pause, Rehabilitation, Bangen – und nun das Comeback auf der größten Bühne des Fußballs, im Dress der Nationalmannschaft, vor 69.237 Zuschauern. Dass er mit seiner ersten Aktion gleich eine Großchance einleitete, passt zur Dramatik dieses Abends. Dass der Schuss von Promise David knapp am Tor vorbeiging, auch.

Doch dann kam Eustaquio. Und das war genug.

Was die Fanzonen zeigen, was die Tabellen nicht sagen

Die viralen Videos aus Vancouver und Toronto erzählen mehr über die Bedeutung dieses Abends als jede Statistik. Kanada hat in der Gruppenphase begeistert – 6:0 gegen Katar, ein emotionales 1:1 gegen Bosnien zum Auftakt. Doch der Schritt in die K.o.-Runde ist etwas anderes. Das ist das erste Mal überhaupt, dass diese Mannschaft in einem WM-Achtelfinale steht.

Südafrika dagegen verabschiedet sich mit dem besten Abschneiden seiner Geschichte – und trotzdem bitterem Nachspielzeit-Kummer. In den sozialen Netzwerken tobt eine hitzige Debatte: Hätten die Bafana Bafana offensiver spielen müssen? War das frühe Abschneiden vermeidbar? Die Antwort ist vermutlich Ja – aber das interessiert heute Nacht in Kanada niemanden mehr.

Am 4. Juli wartet der nächste Test

Trainer Marsch sprach nach dem Spiel von „kanadischen Helden“ und „hartem Charakter“. Das klingt nach Floskel, ist es aber nicht. Diese Mannschaft hat in einer zerfahrenen Partie Nerven behalten und sich den Sieg durch schiere Hartnäckigkeit erzwungen – ohne Heimvorteil, denn die Gruppenspiele in Toronto und Vancouver sind Geschichte. Erstmals musste ein WM-Co-Gastgeber auswärts ran. Und hat gewonnen.

Am 4. Juli in Houston wartet entweder die Niederlande oder Marokko. Beides sind andere Kaliber als Südafrika. Aber wer diesen Abend gesehen hat – das Tor, die Fanzonen, den Jubel auf den Straßen von Vancouver – der glaubt Kanada inzwischen einiges zu.

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