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Rund um den Brustring

·9. September 2026

Eine Frage der Balance

Artikelbild:Eine Frage der Balance

Der VfB wank­te zwar gegen den nor­we­gi­schen Meis­ter zwi­schen­durch ganz ordent­lich, aber er fiel nicht. Denn die offen­si­ve Qua­li­tät der Mann­schaft im Brust­ring kaschier­te eini­ge Lücken.

Man muss das alles natür­lich ein­ord­nen: Ein Sieg in der Cham­pi­ons League ist immer noch ein Sieg in der Cham­pi­ons League und wer sah, wie Viking Sta­van­ger am Mitt­woch­abend im Neckar­sta­di­on auf­trat, der muss­te Sebas­ti­an Hoe­neß zustim­men, dass die­se Mann­schaft auch in der Bun­des­li­ga mit­hal­ten könn­te — sie stell­te die Heim­elf jeden­falls vor wesent­lich grö­ße­re Pro­ble­me als der 1. FC Köln am Frei­tag­abend. Das Ergeb­nis jedoch war am Ende das Glei­che: Ein Heim­sieg für den mitt­ler­wei­le 133 Jah­re alten Ver­ein für Bewe­gungs­spie­le. Weil die Mann­schaft ein­fach offen­siv nicht nur über eine unfass­ba­re Qua­li­tät, son­dern auch über eine gewis­se Varia­bi­li­tät ver­fügt. Gegen Ros­tock glänz­te Pejci­no­vic, gegen Köln El Khan­nouss und gegen Sta­van­ger Undav und vor allem Erme­din Demi­ro­vić mit sei­nem his­to­ri­schen Drei­er­pack.


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Ein biss­chen Was­ser muss ich den­noch in den Wein gie­ßen. Denn wie wir bereits wis­sen, kann bei einer so gro­ßen Liga mit so weni­gen Spie­len am Ende die Tor­dif­fe­renz eine ent­schei­den­de Rol­le spie­len. Das wuss­te Viking und ver­zich­te­te des­we­gen am Ende auf unkon­trol­lier­te Offen­si­ve. Das wuss­te natür­lich auch der VfB, mach­te aber aus sei­ner zeit­wei­sen Über­le­gen­heit zu wenig. Es gab nicht vie­le Stan­dards für das Heim­team und zu allem Über­fluss ent­schied sich Jamie Lewe­ling immer wie­der für den schnel­len Über­stei­ger und gegen den schnel­len Pass auf El Khan­nouss oder Undav. Wie schon beim Sieg gegen Bra­tis­la­va vor zwei Jah­ren kann man sich über einen Sieg in der Cham­pi­ons League nicht wirk­lich beschwe­ren und gleich­zei­tig hat­te man das Gefühl, es wären mehr Tore drin gewe­sen. Gar nicht so ein­fach, hier zu einer balan­cier­te Bewer­tun­gen zu kom­men, denn drei Punk­te sind natür­lich am Ende trotz­dem drei Punk­te.

Restverteidigung und Einstellung

Schwie­rig­kei­ten mit der Balan­ce hat­ten auch die Jungs in weiß und rot am Mitt­woch­abend und das in den ers­ten vier Pflicht­spie­len der Sai­son nicht zum ers­ten Mal. Zunächst mal ist damit die Balan­ce zwi­schen Angriffs­wir­bel und hohem Pres­sing einer­seits und der Rest­ver­tei­di­gung ander­seits gemeint. Schon gegen Ros­tock fiel auf, dass der VfB sein aggres­si­ves Anlau­fen mit­un­ter mit lan­gen Bäl­len hin­ter die eige­ne letz­te Ket­te bezahl­te,  die aber gegen einen Dritt­li­gis­ten noch gut zu ver­tei­di­gen waren. Gegen die Bay­ern flog einem die eige­ne Spiel­wei­se hin­tenraus kom­plett um die Ohren und auch gegen Köln muss­ten wir eini­ge Groß­chan­cen des Geg­ners über­ste­hen, bevor Prö­mel dem Spiel eine ande­re Wen­dung gab. Sta­van­ger, qua­li­ta­tiv irgend­wo zwi­schen den Bay­ern und Köln anzu­sie­deln — wenn auch natür­lich näher an Köln -, nutz­te den Platz, den ins­be­son­de­re Ange­lo Stil­ler und Gri­scha Prö­mel im Zen­trum lie­ßen und die Fahr­läs­sig­keit des VfB viel häu­fi­ger, als einem lieb sein konn­te. Vor allem beim post­wen­den­den Aus­gleich, der so nie fal­len darf.

Und das nicht nur wegen der hohen Posi­tio­nie­rung, son­dern auch wegen der Sorg­lo­sig­keit, mit der der VfB in die­ser Situa­ti­on einen eigent­lich harm­lo­sen Ball ver­tän­del­te. Exem­pla­risch auch Chris Füh­rich, der nach einer ver­pass­ten Chan­ce den Befrei­ungs­schlag der Nor­we­ger im Aus wähn­te und anfing zu lamen­tie­ren, wäh­rend sein Gegen­spie­ler in sei­nem Rücken den Ball von der Sei­ten­aus­li­nie kratz­te. Oder Deniz Undav, der einen Ball im Mit­tel­feld mit einem lan­gen Schlag zu sei­nem Tor­wart klä­ren woll­te, was man bes­ten­falls als opti­mis­tisch bezeich­nen kann. Der VfB ver­lor immer wie­der Zwei­kämp­fe im Mit­tel­feld, war schlecht posi­tio­niert oder sprang mit wag­hal­si­gen Aktio­nen am Ball vor­bei. Natür­lich reicht am Ende die indi­vi­du­el­le Qua­li­tät trotz­dem für einen Sieg. Aber so unkon­zen­triert kann man nicht in ein Cham­pi­ons-League-Spiel gehen. Qua­li­ta­tiv hat die Mann­schaft noch­mal einen Schritt nach vor­ne gemacht, was die Ein­stel­lung gegen offen­sicht­lich spie­le­risch unter­le­ge­ne Mann­schaf­ten angeht, tre­ten wir ein wenig auf der Stel­le. Hier gilt es, die Balan­ce zwi­schen dem Ver­trau­en in die eige­ne Qua­li­tät und der not­wen­di­gen Ernst­haf­tig­keit zu fin­den.

Zeit zu lernen

Im bes­ten Fall lernt der VfB aus die­ser Par­tie, genau die­se Balan­ce zwi­schen Offen­si­ve und Defen­si­ve, zwi­schen Selbst­ver­trau­en und Über­heb­lich­keit zu fin­den. Schließ­lich ist die Sai­son noch lang und erfah­rungs­ge­mäß tre­ten wir gegen stär­ke­re Geg­ner auch anders auf. Etwas ande­res kön­nen wir uns inter­na­tio­nal auch nicht erlau­ben.

Titel­bild: © Adam Pretty/Getty Images

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