REAL TOTAL
·15. Juli 2026
„El Increíble“ – Portrait einer Vereinslegende

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Sergio Llull mit einer seiner vielen Auszeichnungen – Foto: Carlos Alvarez/Getty Images
6. November 2002, Menorca. Am dritten Spieltag der Jugendliga kommt es zum Duell zwischen dem von Personalproblemen geplagten La Selle Mahón und CB Jovent d’Alaior. Das Spiel endete 105:111 und wäre wohl keinen Eintrag in die Geschichtsbücher wert gewesen, hätte ihm nicht ein Mann seinen Stempel aufgedrückt. Besser gesagt, ein Junge. Denn der damals 14-jährige Sergio Llull machte mit einer Performance auf sich aufmerksam, die sein Leben verändern sollte. Unfassbare 71 Punkte und 19 Assists standen am Ende zu Buche – und die Scouts danach Schlange. Bàsquet Manresa war am schnellsten und Llull unterschrieb seinen ersten Profi-Vertrag.
Mit 18 Jahren gab der begabte Guard sein Debut in der Liga ACB, der höchsten Spielklasse Spaniens. Trotz eines zwischenzeitlichen Wadenbeinbruchs konnte er in der Folgesaison mit vielversprechenden Leistungen beeindrucken. Im Mai 2007 sicherte sich Real Madrid Baloncesto kurz vor den Play Offs die Dienste des großen Talents. Doch wer dachte, die Merengues hätten hier einen spannenden Perspektivspieler für die Zukunft gekauft, täuschte sich. Sergi etablierte sich nämlich rasch als wichtiger Rotations-Spieler – und feierte mit Real Madrid direkt den Meistertitel. In den Finals bezwang man ausgerechnet den Erzrivalen aus Barcelona. Besser kann man seine Karriere bei Real Madrid kaum beginnen. In den Folgejahren wurde Llull immer wichtiger für die Blancos und ab der Saison 2011/12 war er nicht mehr aus der Starting Five wegzudenken. Seine immense Bedeutung fürs Team bewies er in unzähligen Momenten. Dabei kann man die Nummer 23 Madrids getrost als „Clutch Player“ bezeichnen – also einen Spieler, der in den größten Momenten liefert. Ikonisch sind dabei seine „Mandariñas“. Spielentscheidende Würfe aus schier unmöglicher Position und großer Distanz. Einfach „Sergio Llull Mandariñas“ auf YouTube eingeben und staunen.
2019 bezeichnete das Wall Street Journal Llull als „den besten Spieler außerhalb der NBA“. Aber wie kam es, dass der talentierte Menorquiner nie in der größten Basketball-Liga der Welt spielte? Die kurze Antwort: er wollte nicht. Dabei war die Verlockung verständlicherweise groß. Nach der Saison 2014/15 war der Spanier am nächsten dran, ihr nachzugeben. Denn nach einem Traumjahr inklusive Tripple-Gewinn (Meisterschaft, Pokal, Euro-League) traf sich Llull mit Verantwortlichen der Houston Rockets zum Abendessen. Die besaßen seit dem NBA Draft 2009 und nach einem „Swap“ mit den Denver Nuggets, die Llull eigentlich auswählten, seine Draft-Rechte. Einer Verpflichtung stand also eigentlich nichts im Weg, Llull hätte am Höhepunkt seiner Vereinskarriere in die beste Liga der Welt wechseln können – entschied sich dann aber doch dagegen. Weder das Geld noch ein persönlicher Anruf von NBA-Star James Harden konnten ihn überzeugen. Llull blieb bei seinem Herzensklub, wo er für sechs weitere Jahre unterschrieb und noch 21 (!) Titel holte, darunter zwei weitere EuroLeague-Triumphe inklusive EuroLeague-MVP-Gewinn 2017.
Sergio Llulls Erfolgsgeschichte wäre aber unvollständig, würde man nicht auch seine Erfolge mit „La Familia“, wie die spanische Nationalmannschaft aufgrund ihres Zusammenhalts genannt wird, erwähnen. Denn die war nicht minder spektakulär. Zwischen seinem Debüt 2009 und der Beendigung seiner Nationalteam-Karriere 2025 prägte er gemeinsam mit anderen ikonischen Spielern wie Paul und Marc Gasol, Ricky Rubio oder Rudy Fernández die erfolgreichste Epoche im spanischen Basketball. Llull war aufgrund seiner Offensivqualitäten, aber auch wegen seiner giftigen, aufopferungsvollen Defensive, ein Fixpunkt dieser Goldenen Generation. Sergios größte Erfolge: Weltmeister 2019, Europameister 2009, 2011 und 2015 sowie Silber bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Was für ein Spieler – was für eine Karriere!
Nach all den individuellen und kollektiven Erfolgen in 20 Spielzeiten als Profi stellt sich wohl oder übel die Frage, wann der mittlerweile 38-jährige „Sergi“ seine Karriere beenden wird. Hängt er bei seinem Herzensklub unter dem neuen Trainer Pedro Martínez eine Saison dran? Noch ist nichts offiziell, doch er selbst will laut eigenen Aussagen auf jeden Fall weitermachen. Kommt es zur Verlängerung würde dem Rekordmann (unter anderem Allzeit-Rekordspieler und Spieler mit den meisten verwandelten Dreiern in der EuroLeague) ein weiterer Eintrag in die Geschichtsbücher winken. Denn es wäre die längste Europapokal-Karriere eines Spielers für einen einzigen Klub. Als Fan kann man nur hoffen, dass seine Erfolgs-Story noch nicht zu Ende ist. Aber eines steht fest: An dem Tag, an dem das unvermeidliche passiert, sollte jeder Madridista seinen Hut ziehen vor dieser Vereinslegende. Denn sie ist eine der größten überhaupt.







































