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·10. Mai 2026
Endlich spricht Robert Andrich aus, wie Leverkusen diese Saison total verkorkst hat

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·10. Mai 2026

Nach dem 1:3 in Stuttgart findet Kapitän Robert Andrich klare Worte zur verkorksten Saison. Leverkusen droht die Champions League zu verpassen.
Robert Andrich hat sich nach dem 1:3 beim VfB Stuttgart nicht hinter Floskeln versteckt. Der Kapitän von Bayer Leverkusen sprach aus, was nach dem Auftritt in Stuttgart ohnehin kaum zu übersehen war: „Es war einfach von allen zu wenig, heute war ein Sinnbild für unsere Saison." Der Satz sitzt, weil er nicht nur ein Spiel meint. Er meint eine Mannschaft, die als Meister in diese Spielzeit gegangen ist und nun, einen Spieltag vor Schluss, auf Platz sechs steht.
Die sportliche Ausgangslage, die Andrich zu dieser Abrechnung trieb, ist schnell erzählt. Durch die Niederlage beim direkten Konkurrenten rutschte Bayer vom vierten Platz und hat im Kampf um die Königsklasse drei Zähler Rückstand auf den VfB und die TSG Hoffenheim. Die Partie verlor Leverkusen nicht nur, sie verlor sie „völlig verdient", wie es in der Einordnung heißt. Wer dieses Spiel gesehen hat, wird Andrich kaum widersprechen, wenn er in aller Härte zu dem Schluss kommt, es sei „nicht verdient, dass wir es in die Champions League schaffen".
Bemerkenswert ist weniger die Härte dieser Selbstkritik als ihre Präzision. Andrich benennt das Muster: „Sobald es eng wird, sobald es brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen." Das ist keine Stimmungsdiagnose eines frustrierten Kapitäns nach einer schlechten Halbzeit, sondern ein Offenbarungseid, der sich über Monate aufgebaut hat. Wer sich an die Unbedingtheit erinnert, mit der Bayer 2023/24 jede aussichtslose Situation noch zu drehen wusste, bekommt eine Ahnung, wie weit diese Mannschaft in zwei Jahren von sich selbst weggerückt ist. Das Kollektiv, das Leverkusens Meistertitel getragen hatte, trägt in den engen Momenten nicht mehr.
Entsprechend trocken fällt Andrichs Ausblick auf den letzten Spieltag gegen den Hamburger SV aus. Es gehe noch um „ein bisschen Urlaubsgeld", sagte er und legte nach: „Wir müssen unser Spiel gewinnen, und dann müssen wir halt beten." Das ist ehrlich, und es ist nüchtern. Man kennt Kapitäne, die an solchen Abenden zweckoptimistisch werden, die von Fußballwundern und verbleibenden Chancen sprechen. Andrich hat sich gegen diese Sprache entschieden. Seine Punktzahl sei „nicht schlecht", räumte er ein – Platz sechs aber dennoch „beschissen".
Sportchef Simon Rolfes versuchte dagegenzuhalten, ohne die Lage zu beschönigen. Aufgeben wollte er ausdrücklich nicht. „Normal müssen die Stuttgarter und Hoffenheimer das machen, aber warten wir mal ab", sagte Rolfes. Das ist die Rolle, die ihm bleibt: den Rest an Möglichkeit zu verwalten, der sich aus einer fremden Patzer-Hoffnung speist. Von Stuttgarter Seite klang es selbstbewusster. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth betonte, der VfB habe die Qualifikation zur Champions League „in der eigenen Hand", man brauche „sehr wahrscheinlich einen Sieg".
Was nach diesem Abend in Stuttgart bleibt, ist vor allem Andrichs Ton. Ein Kapitän, der seine Mannschaft nicht schützt, weil nichts mehr zu schützen ist außer der Wahrheit über die eigene Saison. Zwischen dem Meistertitel und einem möglichen sechsten Platz liegt in Leverkusen eine Differenz, die sich mit taktischen Detailfragen nicht mehr erklären lässt. Andrich hat das am Wochenende deutlicher ausgesprochen als jede Analyse es könnte – und er hat dafür nur ein paar Sätze gebraucht.
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