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·24. Juni 2026

England blamiert sich: 0:0 gegen Ghana – Three Lions in der WM-Krise

Artikelbild:England blamiert sich: 0:0 gegen Ghana – Three Lions in der WM-Krise

Gegen Ghana. Torlos. Und Declan Rice mit Gelb, weil er irgendwann die Nerven verlor. So sieht ein WM-Abend aus, nach dem die englische Boulevardpresse kein Blatt vor den Mund nimmt – zu Recht.

Das Spiel, das keines war

63.983 Zuschauer im Boston Stadium sahen am Dienstagabend 90 Minuten lang, wie eine Mannschaft mit dem technischen Anspruch eines WM-Titelfavoriten an einem 5-4-1-Block scheiterte, der von Carlos Queiroz mit chirurgischer Präzision aufgestellt worden war. England hatte Ballbesitz – phasenweise bis zu 88 Prozent. Was sie damit machten? Querpässe. Rückpässe. Noch mehr Querpässe. Kein einziger Torschuss in der ersten Halbzeit auf Ghanas Kasten. Das hatte es an dieser WM bislang noch kein einziges Mal gegeben.


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Das sagt alles.

Bellingham und Rice: Mittelfeld ohne Idee

Jude Bellingham, der gegen Kroatien noch der Unterschiedsspieler gewesen war, verschwand in der Anonymität. Rice, eigentlich der Motor im englischen Mittelfeld, produzierte in den ersten 45 Minuten einen harmlosen Freistoß aus 25 Metern und einen Kopfball am zweiten Pfosten ins Nirwana – und dann in Minute 40 eine Gelbe Karte, weil er nach einem Ballverlust mit voller Wucht Jerome Opoku auf den Fuß trat. Frust als Tatwaffe. Ein Bild, das die gesamte englische Leistung zusammenfasste.

Tuchel forderte von der Seitenlinie immer wieder „Schnell, schnell, schnell“ – nur: Seine Mannschaft war zu beschäftigt damit, das Leder seitwärts zu schieben, um schnell sein zu können. Ein fatales Déjà-vu zur Spätphase unter Gareth Southgate, die England-Fans so gründlich vergessen wollen.

Kane und das leere Tor

Der Abend hätte in der 86. Minute noch eine Wendung nehmen können. Nico O’Reilly, kurz zuvor eingewechselt, stieg nach einer Flanke von Reece James hoch und köpfte das Leder an den Querbalken. Der Abpraller landete vor den Füßen von Harry Kane – fünf Meter vom Tor entfernt, Torwart geschlagen, Netz weit offen.

Kane schoss in die Zuschauerränge.

Es ist das brutalste Bild dieses Abends. Der Kapitän, Bayerns Torjäger, Englands großer WM-Hoffnungsträger – und ein technisch schlicht missratener Schuss, der wohl noch Wochen lang in englischen Talkshows seziert werden wird. Kane selbst wirkte danach wie jemand, der es nicht glauben kann. Das Stadion auch nicht.

Tuchel und die Wechsel, die zu spät kamen

Thomas Tuchel wartete bis zur 65. Minute, ehe er mit Bukayo Saka und O’Reilly für Anthony Gordon und Kieran Spence reagierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte England bereits eine Stunde lang bewiesen, dass das, was auf dem Platz steht, keine Lösung gegen diesen Gegner hat. Ob frühere Wechsel das Spiel gedreht hätten – keine Ahnung. Aber sie hätten zumindest gezeigt, dass der Trainer das Problem früher erkannte.

Tuchel erklärte hinterher: „Es war so schwierig wie erwartet. Wenn man nicht früh trifft, wird es ein Geduldsspiel.“ Das stimmt. Nur: Dann hätte man sich vielleicht früher etwas Neues einfallen lassen müssen.

Pickford und der Moment, der alles hätte kosten können

Dass England überhaupt mit einem Punkt davonkam, hat auch mit etwas Glück zu tun. In Minute 67 sprintete Prince Kwabena Adu nach einem Steilpass auf Pickford zu. Der englische Keeper verschätzte sich, kam zu weit raus, und nur weil Adu sich den Ball zu weit vorlegte und Ezri Konsa noch klärte, blieb das Gegentor aus. Schiedsrichter Martínez entschied auf Freistoß für England – eine Entscheidung, über die sich trefflich streiten lässt.

Wo steht England jetzt?

Vier Punkte, Tabellenführer der Gruppe L – das klingt nach Stabilität. Tatsächlich aber haben die Three Lions in diesem Spiel ziemlich genau gezeigt, was passiert, wenn ein Gegner konsequent tief steht und den Mittelfeld-Stars keinen Raum lässt. Gegen Panama am Samstag wird das kein Problem sein. Aber gegen bessere Teams im K.-o.-System?

Die Frage stellt sich. Und die englische Presse stellt sie bereits – laut, gnadenlos und mit jedem Recht der Welt.

Nach dem 4:2-Auftakt gegen Kroatien hatte man kurz geglaubt, dass unter Tuchel etwas Neues entsteht. Bellingham, Kane, Saka – das klang nach echtem Turnierteam. Boston hat diese Euphorie brutal geerdet. Die Three Lions müssen jetzt liefern. Gegen Panama. Und dann hoffentlich gegen bessere Gegner. Mit mehr als Querpässen und Geduld.

Häufige Fragen

Wann spielt England als nächstes bei der WM 2026?

England bestreitet das letzte Gruppenspiel der Gruppe L am Samstag, den 28. Juni 2026, um 23:00 Uhr MESZ gegen Panama. Ein Sieg würde den Einzug ins Achtelfinale sichern – parallel dazu trifft Ghana auf Kroatien.

Steht England nach dem 0:0 gegen Ghana noch im Achtelfinale?

Noch nicht direkt qualifiziert, aber weiterhin in einer guten Ausgangsposition. England steht mit vier Punkten als Tabellenführer der Gruppe L, gleichauf mit Ghana. Gegen Panama, den Letzten der Gruppe, ist England klarer Favorit und sollte die K.-o.-Runde problemlos erreichen.

Warum sah Declan Rice gegen Ghana die Gelbe Karte?

Rice kam in Minute 40 nach einem Ballverlust klar zu spät und trat Jerome Opoku mit den Stollen auf das Standbein. Schiedsrichter Héctor Said Martínez zückte sofort die Gelbe Karte – keine strittige Entscheidung, sondern ein Foulspiel aus purem Frust, typisch für einen Abend, an dem England keine Lösungen fand.

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