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Helge Wohltmann·3. Mai 2026
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Helge Wohltmann·3. Mai 2026
Die aktuelle Situation ist seltsam vertraut für Real Madrid. Barça dominiert die Liga und selbst haben die Königlichen seit zwei Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Für Real eine Katastrophe! Genau wie im Jahr 2010 soll nun angeblich José Mourinho die Antwort auf die Probleme liefern. Ist das Wahnsinn oder doch ein genialer Schachzug?
Unbestritten ist, dass der einstige Superstar unter den Trainern seine beste Zeit längst hinter sich hat. Statt mit sportlichen Erfolgen macht er inzwischen nur noch mit seinen Pressekonferenzen, Interviews und seinem Verhalten neben dem Platz von sich reden. War Letzteres früher auch der Fall, wirkt es inzwischen nicht mehr wie eine Erfolgsformel, sondern wie der verzweifelte Versuch, sich von den Misserfolgen seiner Teams zu distanzieren.
Zuletzt reichte es nicht einmal mehr für Anstellungen in den Top-5-Ligen Europas. Und warum auch? In den vergangenen zehn Jahren holte der mittlerweile 63-Jährige nur noch vier Titel. Einen Ligapokal und einen englischen Supercup mit Manchester United, dazu noch die Europa League mit den Red Devils sowie die Conference League mit der AS Rom. Nicht unbedingt die Trophäen, von denen man bei Real träumt.
Erreichte Mourinho während seiner Prime noch Punkteschnitte, die deutlich über zwei Zählern pro Spiel lagen, gelang ihm das seit seinem Abschied aus Madrid im Jahr 2013 nur noch bei Fenerbahçe und bei seinem aktuellen Klub Benfica. Beides Vereine, die in Ligen spielen, die nicht das allerhöchste Niveau haben. Seine Spielidee des Bus Parkens wirkt aus der Zeit gefallen, vor allem, wenn man sich Duelle wie das Champions-League-Halbfinale zwischen PSG und Bayern anschaut.
Und doch berichtete 'The Athletic' zuletzt, dass Real-Präsident Florentino Pérez eine Rückholaktion favorisiere. Auch Mourinho könne sich ein Comeback gut vorstellen, ließ Fabrizio Romano verlauten. Das englische Nachrichtenportal schrieb außerdem davon, dass die Beziehung zwischen Pérez und Mourinho weiterhin gut sei.

Doch warum denkt der Klubboss, dass ausgerechnet der schwächelnde Mourinho Real wieder in die Spur bringen könnte? Immerhin war selbst dessen dreijährige Amtszeit in Madrid von überraschend wenigen Titeln geprägt. Gegen das Über-Barça von Pep Guardiola holte The Special One lediglich eine Meisterschaft (2012), einen spanischen Pokal (2011) und einen spanischen Superpokal (2012).
Laut 'The Athletic' sei Pérez vor allem Mourinhos zweites Amtsjahr in Erinnerung geblieben, als er mit 100 Punkten und 121 Toren Meister wurde und damit die Dominanz Barças brach. Außerdem gewann er 71,91 Prozent seiner Spiele, ein Rekord für Real-Trainer.
Dem Portugiesen werde angerechnet, die Blancos wieder titelfähig gemacht zu haben. Nach seinem Abschied gewann Real zwischen 2014 und 2024 ganze sechs Mal die Champion League. Bei Real-Fans heißt es nun, dass Mourinho das Fundament für diese Erfolge gelegt, indem er eine Gewinnermentalität in den Verein zurückgebracht habe.
Gelingt das erneut, wäre das natürlich ein genialer Schachzug von Pérez, der in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich Trainer wieder zurückgeholt hatte. So etwa Carlo Ancelotti und Zinédine Zidane. Xabi Alonso und Álvaro Arbeloa sollen zuletzt auch an den schwierigen Charakteren innerhalb des Kaders gescheitert sein.
Dieser Vorstellung folgend, wäre Mourinho nun erneut derjenige, der die Topstars hinter sich vereint und zu einem Team formt, das wieder die Champions League angreifen kann. Immerhin stand er zwischen 2010 und 2013 auch drei Mal im Halbfinale der Königsklasse.
Doch ist der Mourinho von 2026 wirklich noch zu den gleichen Heldentaten in der Lage, wie der Mourinho von 2010? Außerdem darf man auch die Umstände nicht vergessen, unter denen er Real damals verließ. Laut 'Sports Illustrated' hatte er damals ein "Desaster" in der Kabine hinterlassen, 'The Independent' nannte seine Beziehung zu den Spielern "toxisch".
Die 'Marca' berichtete im Januar 2013, dass Iker Casillas und Sergio Ramos zu Pérez gegangen seien und die Entlassung des Trainers zum Saisonende gefordert hätten. Ganz nach dem Motto: Wir oder er. Etwas, was der Klub vehement dementierte. Mourinho war im folgenden Sommer trotzdem weg.
Vereinsikone Casillas hatte er als Torwart abgesägt und sich öffentlich mit ihm zerstritten. Der Keeper bestätigte mehrfach öffentlich, dass Mourinho ihm vorgeworfen habe, ein Maulwurf für die Presse zu sein. Die 'BBC' nannte Ramos und Pepe als weitere Spieler, die Stress mit dem Coach hatten, 'Sports Illustrated' fügte noch Karim Benzema und Cristiano Ronaldo hinzu.
Ist es wirklich wahrscheinlich, dass so jemand jetzt eventuelle Konflikte mit Kylian Mbappé, Vinícius Júnior oder Jude Bellingham beruhigt? Insbesondere nachdem er Vini Jr. nach dem Rassismus-Skandal mit Gianluca Prestianni vorgeworfen hatte, die Beleidigungen durch sein aufreizendes Jubeln selbst provoziert zu haben?

Und wie tragfähig ist die Theorie wirklich, dass Mourinho den Grundstein für die späteren Real-Erfolge legte? Waren das nicht viel mehr die Verdienste von Ancelotti und Zidane? Pérez würde mit der Verpflichtung von Mourinho also ein großes Risiko eingehen. Doch risikoreich sind Entscheidungen, die zwischen Genie und Wahnsinn schwanken, naturgemäß immer.
Hinzu kommt: Noch ist eine Rückkehr des extrovertierten Coaches keinesfalls fix. Erst am Freitag erklärte dieser auf einer Pressekonferenz von Benfica: "Nein, von Real Madrid hat keiner mit mir gesprochen, das kann ich garantieren. Ich bin seit vielen Jahren im Fußballgeschäft dabei und diese Dinge schon gewohnt."
Mehr könne er "nicht sagen", so Mourinho. "Mit Bezug auf Real Madrid gibt es nichts. Und was Benfica angeht, kennt ihr die Situation schon. Ich habe noch ein weiteres Jahr Vertrag bei Benfica, das ist alles." Wie eine leidenschaftliche Bewerbung für einen Real-Job klingt das nicht. Aber auch nicht wie ein klares Dementi...
📸 PATRICIA DE MELO MOREIRA - AFP or licensors







































