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Helge Wohltmann·10. Mai 2026

Er soll an allem schuld sein! Macht dieser Weltstar seine Klubs schlechter?

Artikelbild:Er soll an allem schuld sein! Macht dieser Weltstar seine Klubs schlechter?

Ein Fußballer turtelt mit seiner Freundin auf einem Boot, sie genießen das Leben, lassen ihre Füße im Wasser baumeln. Eigentlich harmlose Bilder, die man auf tausenden Insta-Posts der Profis gesehen hat, lösten bei Real Madrid quasi eine Staatskrise aus. Einige Fans fordern sogar den Verkauf von Kylian Mbappé.

Der Angreifer ist der größte Superstar der neuen Galaktischen. In dieser Saison traf er 41 Mal in 41 Pflichtspielen, erzielte Tore in beiden CL-Viertelfinalspielen gegen Bayern, traf beim Clásico-Sieg über Barcelona in der Liga und hat weiterhin Chancen, den diesjährigen Ballon d'Or zu gewinnen. Trotzdem berichtete 'TNT Sports' am vergangenen Donnerstag von einer Fan-Petition, die seinen Verkauf fordere. Die angebliche Anzahl der Unterschriften zum damaligen Zeitpunkt? 30 Millionen.


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Auch wenn die Verlässlichkeit dieser Zahl extrem fraglich ist, hat Mbappé mal wieder die Gemüter der Fans erhitzt. Entzündet hat sich die jüngste Aufregung an einem Italien-Urlaub, den er sich vor rund einer Woche gegönnt hat.

Die Meldungen überschlugen sich, denn der 27-Jährige entschied sich für den Ausflug, obwohl er verletzt war. Er konzentriere sich nicht genug darauf, wieder fit zu werden, lautete die Kritik. 'El Mundo' und 'AS' schrieben davon, dass Real Madrid von diesem Verhalten überrascht sei, Mitspieler hätten mit Unverständnis reagiert, immerhin sei es gerade eine schwierige Zeit bei den Blancos und Barça stehe unmittelbar vor der Meisterschaft. Im heutigen Clásico gegen die Katalanen kann schon die Entscheidung über den Titel fallen.

Bei Real isoliert?

Mbappé soll lediglich mit folgender Aussage reagiert haben: "Mein Körper, meine Entscheidung." Der Journalist Jorge Picon hatte am Dienstag dann aber nochmal nachgelegt, denn nicht jeder glaube, dass Mbappé wirklich verletzt gewesen sei. Es sei auch nicht das erste Mal in dieser Spielzeit, dass der Stürmer sich eine solche Pause nehme.

Die ganze Aufregung war aber auch ein Zeichen dafür, mit welcher Schnappatmung auf jede Kleinigkeit bei ihm reagiert wird. Mal hieß es von Picon, dass es eine echte Krise zwischen Klub und Spieler gebe, und die 'L'Equipe' legte nach, dass Mbappé immer isolierter in der Mannschaft sei. Er arbeite nicht genug mit nach hinten, und Mitspieler hätten den Eindruck, er sei zu privilegiert. Passend dazu habe es eine Auseinandersetzung mit einem Mitglied des Trainerteams gegeben, bei der er respektlos gewesen sei, als bei einer Spielform auf Abseits entschieden worden sei, schrieb 'The Athletic'.

Auf der anderen Seite hält die 'AS' dagegen und sagt, dass es bei Real keine Zweifel an Mbappé gebe und er lediglich besser in das taktische System eingebunden werden müsse. Auch der Spieler wisse, dass er sich mehr anpassen müsse und sei bereit dazu. Fabrizio Romano sagte, dass es keine Überlegungen bei Real gebe, seinen größten Star abzugeben. Die Situation sei nicht einfach, die Beziehung zwischen Spieler und Klub aber keinesfalls zerbrochen.

Was von all diesen Sachen nun Wahrheit und Fiktion ist, ist für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Fakt ist aber, dass Mbappé seit seiner Ankunft in Madrid vor zwei Jahren keinen bedeutenden Titel gewinnen konnte. Kritiker deuten auch immer wieder in Richtung Paris, wo PSG nach seinem Abgang erstmals die Champions League gewinnen konnte und nun direkt wieder im Finale der Königsklasse steht. Macht Mbappé seine Mannschaften trotz seiner Tore also schlechter? Ist er zu dominant? Zu viel Diva? Arbeitet er nicht genug nach hinten?

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📸 CRISTINA QUICLER - AFP or licensors

"Es ist nicht nur Mbappé"

Romano sagte dann noch einen wichtigen Satz, der eventuell die Antworten auf diese Fragen liefert: "Es ist ein komplizierter Moment für Real Madrid, aber es ist nicht nur Mbappé."

Und genau hier dürfte der Kern des Problems liegen. Im gesamten Klub herrscht aktuell ständig Unruhe. Die öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen dem damaligen Coach Xabi Alonso und Vinícius Júnior, ein heftiger Kabinenkrach zwischen Antonio Rüdiger und Álvaro Carreras vor einigen Wochen oder ein Trainingsstreit zwischen Aurelien Tchouameni und Federico Valverde, der auch noch im Krankenhaus endete und für den Ausfall des Vize-Kapitäns beim Clásico mit einem Schädel-Hirn-Trauma sorgte. Laut 'Marca' sprechen dazu sechs Spieler nicht mehr mit dem aktuellen Trainer. Bei Real herrscht ständig Stress.

Hinzu kamen ständige Verletzungsprobleme in der Abwehr und im CL-Viertelfinale gegen Bayern auch ein bisschen Pech beim Platzverweis für Eduardo Camavinga. Ein Weiterkommen wäre durchaus möglich gewesen.

Es ist also zu leicht, die fehlenden Titel bei Real nur an Mbappé festzumachen. Vielmehr scheint es im gesamten Team zu viele Spieler zu geben, die sich selbst wichtiger nehmen als den Erfolg der Mannschaft.

Auch hier gibt es eine Parallele zu PSG. Die Franzosen hatten einst ebenfalls versucht, mit Mbappé, Neymar und Lionel Messi ein Superteam aufzubauen. Dieser Versuch ging jedoch genauso schief, weil die Egos der Megastars gegeneinander krachten. Erst nachdem alle drei gegangen und durch mannschaftsdienlichere Spieler ersetzt worden waren, kamen die Erfolge. Mehr als einen alles überstrahlenden Star kann sich kein Team leisten, ließe sich daraus folgern.

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Real kennt es noch aus Cristiano-Ronaldo-Zeiten, als dieser eine Sonderrolle auf dem Platz hatte, der Rest des Teams diese aber akzeptierte und Titel gewonnen wurden.

Madrid müsste sich also entscheiden, entweder sie stellen ein Team zusammen, das Mbappé optimal unterstützt und seine Allüren akzeptiert oder sie konzentrieren sich auf einen anderen Fixpunkt. Aktuell sieht es aber eher danach aus, dass Real erneut einen dritten Weg probieren wird. Sie suchen lieber wieder einen Trainer, der das Wunder vollbringt, das weder Carlo Ancelotti noch Xabi Alonso noch Álvaro Arbeloa vollbringen konnten: Aus all diesen Real-Individualisten ein funktionierendes Gesamtkonstrukt zu formen.


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