LIGABlatt
·22. Juni 2026
Es gibt keine GOAT-Debatte, Ronaldo hatte nie eine echte Chance! – Kommentar

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·22. Juni 2026

Es ist passiert! Nachdem Lionel Messi bei dieser Weltmeisterschaft im ersten Gruppenspiel gegen Algerien bereits einen Dreierpack erzielte und damit mit Miroslav Klose als WM-Rekordtorschütze gleichgezogen ist, hat er nun im zweiten Gruppenspiel gegen Österreich mit einem Doppelpack nachgelegt und ist nun alleiniger Rekordhalter. Hierfür wird der Argentinier zurecht bewundert und als "GOAT" (Greatest Of All Time) gefeiert. Gleichzeitig wird sich über den anderen Anwärter auf diesen Posten, Cristiano Ronaldo, nach dessen schwacher Leistung gegen die Demokratische Republik Kongo, lustig gemacht, dass dieser ja schon lange "washed" sei. Tatsächlich ist dies unfair, da es NIE ernsthaft eine GOAT-Debatte gewesen sein kann, denn das Ende dieser Tragödie war schon lange abzusehen. Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Zehnmal spanischer Meister, siebenmal spanischer Pokalsieger, siebenmal spanischer Superpokalsieger, zweimal französischer Meister, einmal französischer Superpokalsieger, einmal MLS-Champion, dreimal UEFA-Supercup-Sieger, Viermal Champions-League-Gewinner, Olympia-Sieger, zweimal Copa-América-Gewinner und Weltmeister, dazu acht Ballon d’Ors (mindestens fünf davon auch unstrittig) über 900 Tore und 400 Assists, Rekordtorschütze des FC Barcelona, Rekord-Spieler und -Torschütze Argentiniens und nun auch noch Rekord-Torschütze bei Weltmeisterschaften. Tatsächlich könnte diese Liste endlos weitergehen, doch spare ich mir das, denn wir wollen ja irgendwann auch noch zum Ende kommen. Bei all diesen Zahlen kann es doch ernsthaft keine Debatte darüber geben, wer der beste Fußballer aller Zeiten ist, oder? Nun… nein… ABER es gibt da noch so einen Portugiesen, der diese Frage absurd lange offengehalten hat, und das verdient höchsten Respekt! Dies soll nicht einfach eine weitere Huldigung Lionel Messis sein; was man über diesen Mann (sofern er überhaupt ein Mensch ist) alles sagen kann, wurde schon tausendfach gesagt. Nein! Wir wollen hier darüber reden, warum wir jetzt gerade sehen, dass diese GOAT-Debatte rund um Lionel Messi und Cristiano Ronaldo für letzteren eigentlich von Beginn an auf verlorenem Posten stand.
Ein schlurfender Messi ist noch immer der beste Spieler dieser WM
In seinen beiden bisherigen Spielen bei dieser WM gegen Algerien (3:0) und Österreich (2:0) hatte Lionel Messi von allen Mittelfeld- und Offensivspielern gemessen an der jeweiligen Einsatzzeit die mit Abstand wenigsten Kilometer zurückgelegt und dennoch hat er in beiden Partien ALLE fünf Treffer für Argentinien erzielt und wurde beide Male zum Spieler des Spiels gewählt. Wer Lionel Messi und seine Arbeitsraten auf dem Platz kennt, für den ist das nichts Neues. Der Linksfuß war nie dafür bekannt, besonders "fleißig" zu sein, dennoch ist er der beste Scorer aller Zeiten – wenn man Tore und Assists zusammenrechnet.
Klein, wendig, mit einem tiefen Körperschwerpunkt versehen und unfassbar schwer vom Ball zu trennen, sieht das Spiel eines Lionel Messi seit inzwischen über 20 Jahren ungefähr so aus, dass er locker über den Platz joggt (seit zehn Jahren ist es eher ein Schlurfen) und wartet, bis er mal den Ball bekommt, um dann plötzlich aufzudrehen, ins unwiderstehliche Dribbling zu gehen, den tödlichen Pass zu suchen, oder einfach ansatzlos mit chirurgischer Präzision abzuziehen und so mit nur wenigen Aktionen das Spiel zu entscheiden. Das ist eben Messi! Natürlich macht er schon ein wenig mehr als das, das ist klar, aber (meistens) eben nicht viel mehr. Der Wunderfloh aus Rosario ist mit so einem absurden Talent und so einem einzigartigen Spielverständnis gesegnet, dass er auch nicht viel mehr tun muss als das und da liegt der große Unterschied zu seinem größten Rivalen Cristiano Ronaldo.
Cristiano Ronaldo wird mit der harten Realität konfrontiert
Mit inzwischen 41 Jahren geht der auf Madeira geborene Stürmer noch immer für die portugiesische Nationalmannschaft auf Torejagd. Dabei erklären Kritiker schon seit bestimmt fünf Jahren, dass Cristiano Ronaldo schon längst am Ende sei und tatsächlich liefert auch häufig Spiele ab, wo ihm nichts gelingt, oder er wie ein Fremdkörper im eigenen Team wirkt, nur, um dann beispielsweise bei der Nations League letztes Jahr wieder der gefeierte Torjäger zu sein, der seine Mannschaft ins Finale führt und dort zum Titel schießt. In Puncto Positionierung, Torinstinkt und Geilheit auf den Treffer macht dem Altstar, dessen Profikarriere im Jahr 2002 begann, halt immer noch niemand etwas vor. Doch inzwischen lässt sich einfach nicht mehr leugnen, dass er alt geworden ist und sein Körper einfach nicht mehr dieses Niveau, das es für eine Weltmeisterschaft eigentlich bräuchte, über die volle Distanz aufrechterhalten kann.
Talent schlägt am Ende doch Ehrgeiz
Anders als bei einem Messi, der im Zweifelsfall durch eine einfache kurze Bewegung ein Spiel komplett auf den Kopf stellen kann und dabei nicht mal mehr wirklich zu laufen oder zu springen braucht, war Ronaldos größte Stärke immer seine grandiose Athletik, gepaart mit einem beispiellosen Ehrgeiz. Es gibt ganze Reportagen und zahllose Memes darüber, was der Stürmer alles tut, um seinen Körper so fit zu halten wie möglich, damit er das Maximum aus sich herausholen kann. Vom eher introvertierten Lionel Messi sieht man so etwas nicht. Natürlich ist der fast 39-Jährige für sein Alter immer noch gut in Form, doch macht diese nicht sein Spiel aus. Er ist einfach ein Phänomen, das die genau richtige Mischung aus körperlichen Voraussetzungen (seine kleine Statur, die eigentlich immer als hinderlich galt und wegen der er in seiner Jugend ärztliche Unterstützung brauchte, ist für sein Spiel perfekt), Technik, Spielintelligenz und gesunder Arroganz in sich vereint.
Gegen das Alter kann man nicht gewinnen
Wir erleben gerade, dass Cristiano Ronaldo einen Kampf verliert, den er nicht gewinnen kann, denn Gevatter Zeit holt uns alle irgendwann ein. Auch einen Lionel Messi hat dieser inzwischen eingeholt, doch wirkt dass, was das Älterwerden einem Messi wegnimmt bei diesem nicht so schwer, wie bei einem Ronaldo, der zudem immerhin noch zweieinhalb Jahre älter ist, was im hohen Fußballeralter eine ganze Menge ist. Wir werden bei dieser WM von einem Ronaldo (wahrscheinlich) keine minimalistischen Aktionen mit maximalem Impact sehen. Er wird weiterhin versuchen, am höchsten zu Springen, Sprintduelle zu gewinnen und sich gegen drei Gegenspieler gleichzeitig mit seiner Körperlichkeit durchzusetzen, das ist einfach sein Spiel, es funktioniert nur nicht mehr und dafür muss er sich weder schämen, noch sollte man sich deswegen über ihn lustig machen, nur weil man es seit über 20 Jahren gewohnt ist, dass dieser Typ auf dem Platz ein schier unaufhaltsames Monster war.
Ein am Ende nicht zu gewinnendes Rennen
Es ist tatsächlich unglaublich, dass Cristiano Ronaldo es vor allem durch seinen unfassbaren Ehrgeiz geschafft hat, einem Lionel Messi über viele Jahre hinweg Paroli bieten zu können. Natürlich hat auch ein Messi viel dafür gearbeitet, in seinem Alter noch so gut zu sein, doch ist es am Ende vor allem sein Talent, gepaart mit seinem deutlich weniger auf Athletik basierendem Spielstil, das den Unterschied macht. Für die Manga-/Anime-Nerds unter euch; mich erinnert dieses Duell zwischen Messi und Ronaldo ein wenig an die Rivalität zwischen Son Goku und Vegeta aus Dragon Ball: Der Eine schafft es irgendwie immer wieder neue Höhen zu erreichen, wobei er den Spaß bei der Sache nie aus den Augen verliert, während der Andere, zerfressen vom Ehrgeiz, sich immer weiter pusht, wie ein Besessener trainiert und seinem Ziel, den anderen zu übertreffen, alles unterordnet, nur um am Ende eines jeden Arcs festzustellen, dass der große Rivale einfach immer einen Schritt voraus ist. Das Paradoxon von "Achilles und der Schildkröte" des griechischen Philosophen Zenon von Elea kommt einem in den Sinn, wonach der mächtige Heros das Reptil bei deren Wettlauf aufgrund des Vorsprungs einfach nicht einholen kann. Natürlich würde ein Achilles irgendwann die Schildkröte einholen, doch ist die Strecke (Karriere) begrenzt und auch der Sohn der Thetis ist vor Müdigkeit nicht gefeit, denn letzten Endes ist auch er ein Sterblicher. So enteilt ihm schließlich die Schildkröte, die unbeirrt ihren Pfad weiter verfolgt und auch nach 100 Jahren nicht großartig langsamer wird.
Das Ende einer Ära!
Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland galten Lionel Messi und Cristiano Ronaldo als die größten Talente dieses Turniers. Dass die beiden eine ganze Ära prägen und zu den beiden besten Spielern der Welt werden würden, hatte damals wohl kaum jemand erwartet – ich zumindest nicht. Für mich ging es damals nicht größer als ein Zidane, ein Ronaldinho, ein Henry oder ein R9 und doch muss man inzwischen neidlos anerkennen, dass diese beiden Spieler – beide auf ihre ganz eigene Art absolute Freaks – alles übertroffen haben, was man bisher kannte, und den Fußball zu neuen höhen getragen haben und dafür gebührt beiden sportlich gesehen grenzenloser Respekt. Es ist toll, dass auch 20 Jahre später junge Generationen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo noch einmal bei einer Weltmeisterschaft bewundern können, doch ist es auch bitter zu sehen, dass die beiden eben nicht mehr auf Augenhöhe sind, wie sie es über lange Jahre hinweg waren. Den Respekt verdienen sie aber noch immer beide!
Foto: Laurence Griffiths / Getty Images







































