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·30. Juni 2026

Favoriten-Beben: Nach Deutschland fliegt auch Oranje raus

Artikelbild:Favoriten-Beben: Nach Deutschland fliegt auch Oranje raus

Erst Deutschland, jetzt die Niederlande. Innerhalb von gut 24 Stunden hat das Sechzehntelfinale zwei europäische Schwergewichte verschluckt – beide vom Elfmeterpunkt, beide gegen einen Außenseiter, den sie für schlagbar hielten. Der Turnierbaum knirscht hörbar.

Was sich da gerade abspielt, ist kein Zufall mehr, sondern ein Muster. Die DFB-Elf zerschellte an Paraguay. In Monterrey nahm sich Marokko die Elftal vor. Zwei Mannschaften mit Halbfinal- und Titelambitionen, zwei Mal dieselbe Geschichte: viel Ballbesitz, kein Durchkommen, am Ende das Lotteriespiel vom Punkt. Und am Ende verloren. Wer geglaubt hatte, diese WM würde sich nach Papierform sortieren, schaut gerade ziemlich alt aus.


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Monterrey: der zweite Streich

Cody Gakpo brachte Oranje in der 72. Minute in Führung – und das ausgerechnet er. Der Linksaußen hatte wenige Tage zuvor öffentlich gemacht, dass er und seine Partnerin ihren Sohn noch vor der Geburt verloren haben. Dass er überhaupt auflief, war eine Leistung für sich. Dass er traf, eine bittersüße Pointe.

Doch Marokko gab nicht auf. In der ersten Minute der Nachspielzeit stieg Issa Diop im Rücken von Virgil van Dijk hoch und köpfte zum 1:1 ein. Verlängerung. Dann das Elfmeterschießen – und das hatte es in sich. Sieben verschossene Elfmeter, drei Aluminiumtreffer, und mittendrin ein Torhüter-Patzer für die Ewigkeit: Der bis dahin überragende Bart Verbruggen ließ einen harmlosen Versuch von Soufiane Rahimi unter dem Körper durchrutschen und beförderte ihn selbst mit der Hacke ins eigene Tor. Talbi und sogar Kapitän Hakimi vergaben für Marokko, Timber und Summerville für die Niederlande. Am Ende blieb Ismael Saibari eiskalt und verwandelte zum 3:2-Sieg im Schießen.

Hakimi, der an diesem Abend sein 100. Länderspiel bestritt, sprach hinterher von der „großen mentalen Stärke“ seiner Mannschaft. Man kann ihm nicht widersprechen. Vier Jahre nach dem Halbfinale von Katar bastelt Marokko schon wieder an einem Fußball-Märchen – und im Achtelfinale wartet am Samstag in Houston Co-Gastgeber Kanada.

Das Muster, das sich wiederholt

Zwei Giganten, zwei Underdogs, dasselbe Drehbuch. Paraguay und Marokko haben nicht durch Glanz gewonnen, sondern durch Plan: tief stehen, die Räume zumauern, den Favoriten an der eigenen Ungeduld verzweifeln lassen und im Schießen die kühleren Nerven behalten. Das ist kein Mauern aus Verlegenheit. Das ist eine Strategie, die genau auf die Schwäche der Großen zielt.

Und die Frage ist nicht, ob Deutschland und die Niederlande individuell die besseren Spieler hatten. Hatten sie. Die Frage ist, warum gleich beide kein Mittel gegen einen kompakten Tiefblock fanden – in einem Spielmodus, der genau solche Duelle produziert. Das aufgeblähte 48-Team-Format spült als Sechzehntelfinale die besten Gruppendritten in die K.-o.-Runde: hungrige Außenseiter, die nichts zu verlieren haben und alles zu gewinnen. Es ist die Runde, in der Turniere ihre Favoriten fressen.

Marokkos Coup – warum er verdient war

Wer Marokkos Weg der letzten Jahre kennt, weiß: Hier passiert nichts aus Versehen. Die Atlas-Löwen verteidigen mit einer Disziplin, die europäische Topklubs neidisch macht, und sie haben in Bono einen Keeper, der genau für solche Nächte gebaut ist. Hakimi treibt rechts, vorne lauern Schnelligkeit und Wille. Gegen die Niederlande drehten sie nach einer Stunde sogar das Ballbesitzverhältnis – ein Außenseiter, der dem Favoriten den Ball wegnimmt. So sieht Selbstbewusstsein aus, wenn es sich nicht mehr verstecken muss.

Für die Niederlande dagegen ist es das alte Lied. Zwölfte WM-Teilnahme, noch immer kein Titel, und nun das nächste Aus in einem Spiel, das sie hätten kontrollieren müssen. Ronald Koeman wird sich fragen lassen müssen, warum seine Mannschaft in der Schlussphase nicht den Sack zumachte, sondern sich tief zurückzog und auf das Schlimmste wartete. Es kam.

Und morgen, England?

Artikelbild:Favoriten-Beben: Nach Deutschland fliegt auch Oranje raus

Foto: Getty Images

Bleibt der letzte große europäische Anwärter, der noch im Spiel ist – und der nun ganz genau hinsieht. England trifft am Mittwoch in Atlanta auf die DR Kongo, und in England macht sich nach den Bildern aus Foxborough und Monterrey eine nervöse Stimmung breit. Wenn Deutschland und die Niederlande so fallen können, warum nicht auch die Three Lions?

Die Ironie dabei: Auf der englischen Bank sitzt mit Thomas Tuchel ein Deutscher, der den deutschen Albtraum auf Teufel komm raus vermeiden will. Sein Kader ist hochkarätig – Harry Kane, der gegen Panama einen englischen WM-Torrekord aufstellte, dazu Jude Bellingham und der zurückkehrende Declan Rice. Aber genau diese individuelle Klasse hat auch Deutschland und Oranje nicht gereicht.

Und der Gegner ist kein Selbstläufer. Die DR Kongo steht erstmals seit 1974 wieder in einer WM-K.-o.-Runde, holte in der Gruppenphase ein Remis gegen Portugal und schlug Usbekistan mit 3:1. Trainer Sébastien Desabre hat aus den Leoparden eine Defensivmaschine geformt, die in 57 Spielen 29-mal zu null spielte und längst auf einen kompakten Fünferblock umgestellt hat. Klingelt da was? Tief stehen, kontern, eiskalt zuschlagen – exakt das Rezept, an dem sich an diesem Wochenende schon zwei Favoriten die Zähne ausgebissen haben.

England ist klarer Favorit, keine Frage. Aber Favorit war Deutschland auch. Und Oranje. Die Sechzehntelrunde dieser WM hat sich in eine Guillotine verwandelt, und sie fragt niemanden nach dem Marktwert. Tuchel weiß das. Seine Spieler vermutlich auch.

Häufige Fragen zum Favoritensterben im Sechzehntelfinale

Wie verlor die Niederlande gegen Marokko?

Nach 1:1 über 120 Minuten unterlag die Elftal mit 2:3 im Elfmeterschießen. Cody Gakpo (72.) hatte Oranje in Führung gebracht, Issa Diop (90.+1) glich spät aus. Im Schießen mit sieben Fehlversuchen und einem Eigentor-Patzer von Keeper Verbruggen verwandelte Ismael Saibari den entscheidenden Elfmeter für Marokko.

Welche Top-Favoriten sind bereits ausgeschieden?

Mit Deutschland und den Niederlanden haben innerhalb von gut 24 Stunden zwei europäische Schwergewichte das Turnier verlassen – beide im Sechzehntelfinale, beide im Elfmeterschießen, beide gegen einen Außenseiter. Deutschland scheiterte an Paraguay, die Niederlande an Marokko.

Warum ist das Sechzehntelfinale so gefährlich für die Großen?

Das auf 48 Teams erweiterte WM-Format schickt erstmals die besten Gruppendritten in eine zusätzliche K.-o.-Runde. Dadurch treffen Favoriten früh auf abgezockte Außenseiter, die tief verteidigen und auf Konter sowie Elfmeterschießen spekulieren – ein Szenario, das Paraguay und Marokko perfekt ausnutzten.

Wann spielt England gegen die DR Kongo – und warum ist die Partie brisant?

Das Sechzehntelfinale steigt am Mittwoch, 1. Juli 2026, im Stadion von Atlanta. England gilt als klarer Favorit, steht nach dem Aus von Deutschland und den Niederlanden aber unter spürbarem psychologischem Druck. Auf der englischen Bank sitzt mit Thomas Tuchel ausgerechnet ein deutscher Trainer.

Wie stark ist die DR Kongo wirklich?

Stärker, als der Favoritenstatus Englands vermuten lässt. Die Leoparden stehen erstmals seit 1974 wieder in einer WM-K.-o.-Runde, holten ein Remis gegen Portugal und besiegten Usbekistan 3:1. Unter Trainer Sébastien Desabre verteidigen sie äußerst diszipliniert aus einem Fünferblock – genau das Profil, das schon zwei Favoriten zu Fall brachte.

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