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·29. Juni 2026
Favoritenschreck Japan: Folgt gegen Brasilien das nächste Ausrufezeichen?

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Deutschland, Spanien, England, die Niederlande – die Liste prominenter Nationen, die in den vergangenen Jahren ihre Probleme mit Japan hatten, ist lang.
Auch Brasilien musste bereits erfahren, wie stark der einstige Außenseiter geworden ist. Erst im Oktober 2025 bezwangen die „Samurai Blue“ den Rekord-Weltmeister in einem Testspiel mit 3:2. Im WM-Sechzehntelfinale kommt es nun zur Neuauflage dieses Duells.
Die Rollen scheinen dabei nur auf den ersten Blick klar verteilt. Natürlich: Brasilien verfügt über die größere Tradition, die höher dekorierten Stars und mit Carlo Ancelotti über einen der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte. Doch Japan hat sich längst vom sympathischen Außenseiter zum ernsthaften Herausforderer entwickelt.
Die Denke, wonach japanische Nationalmannschaften vor allem durch Laufstärke, Disziplin und taktische Ordnung bestechen, ist zu einem reinen Klischee verkommen. Der Kader besteht nahezu ausschließlich aus Spielern, die ihr Geld in den besten Ligen Europas verdienen. Sieben Akteure stehen aktuell in Deutschland unter Vertrag, weitere Leistungsträger spielen in England, Frankreich oder den Niederlanden. Trotz des Fehlens von Hochkarätern wie Kapitän Wataru Endo (FC Liverpool), Kaoru Mitoma (Brighton and Hove Albion) oder Takumi Minamino (AS Monaco) verfügt Japan über das zweifellos beste Aufgebot der eigenen Geschichte.
Zu was dieses hochkarätig besetzte Team in der Lage ist, zeigte nicht zuletzt die zurückliegende Gruppenphase eindrucksvoll. Gegen die Niederlande erkämpfte sich Japan nach zwei Rückständen ein 2:2. Es folgte ein souveränes 4:0 gegen Tunesien und schließlich ein kontrolliertes 1:1 gegen Schweden, das den Einzug ins Sechzehntelfinale perfekt machte. Ungeschlagen und mit sieben Toren stellte Japan dabei bereits einen eigenen WM-Rekord auf.
Nationaltrainer Hajime Moriyasu wähnt sein Team auf dem richtigen Weg. Seine Spieler hätten „ihr Fußballtalent gezeigt – und die Prinzipien, die wir gemeinsam entwickelt haben“, erklärte der 57-Jährige nach dem Weiterkommen. Besonders bemerkenswert: Die Japaner können mittlerweile auf unterschiedliche Arten gewinnen. Sie kontern, pressen, verteidigen kompakt oder kontrollieren Phasen eines Spiels mit dem Ball.
Doch einen Entwicklungsschritt müssen die Asiaten noch gehen: Seit der ersten WM-Teilnahme 1998 erreichte Japan zwar regelmäßig die K.o.-Phase, gewann jedoch nie ein Endrundenspiel außerhalb der Gruppenphase. Das Achtelfinale – beziehungsweise in diesem Turnier das Sechzehntelfinale – stellte bislang stets die Endstation dar.
Dieser Fluch soll gegen Brasilien gebrochen werden. Und die Chancen könnten schlechter stehen. Denn: Die „Seleção“ spielt bislang keineswegs eine perfekte Weltmeisterschaft. Unter Carlo Ancelotti wirkt sie zwar deutlich stabiler als noch vor einigen Monaten, verzichtet aber fast gänzlich auf den spektakulären Offensivfußball früherer Generationen. Stattdessen definiert sich Brasilien über seine Arbeit gegen den Ball und schnelle Umschaltmomente.
Vor allem ein Spieler sticht dabei heraus: Vinicius Junior. Der Superstar von Real Madrid legte in drei WM-Spielen vier Tore und eine Vorlage auf, ist der große Unterschiedsspieler im brasilianischen Angriff. Auf ihn wird Japans Defensive besonders achten müssen.

Foto: Getty Images
Unterschätzen dürfte Brasilien den Gegner wohl kaum. Dafür hat das 3:2 im vergangenen Herbst gesorgt, als Japan einen 0:2-Rückstand aufholte und erstmals überhaupt gegen den Rekordweltmeister gewann.
Eine kleine Randnotiz sorgte vor dem Duell dennoch für Schmunzeln. Brasiliens Youngster Rayan wurde auf der abschließenden Pressekonferenz gefragt, ob er japanische Nationalspieler kenne. Seine ehrliche Antwort: „Nein!“ Erst als das Gelächter im Saal nicht verstummte, ergänzte er, dass Trainer Ancelotti ja noch Videos zeigen werde. Angesichts der zahlreichen Japaner in den europäischen Topligen dürfte diese Wissenslücke spätestens vor Anpfiff geschlossen sein.
Favorit bleibt Brasilien selbstverständlich trotzdem. Die individuelle Qualität und die Erfahrung auf höchstem Niveau sprechen noch immer klar für die Südamerikaner. Doch genau solche Ausgangslagen liebt Japan. Die Samurai Blue haben sich ihren Ruf als Favoritenschreck hart erarbeitet. Und nach Erfolgen gegen Deutschland, Spanien, England und zuletzt sogar Brasilien selbst gibt es keinen Grund, warum die nächste große Überraschung nicht schon am Montag folgen sollte.







































