DFB-Frauen
·29. Januar 2026
FC-Angreiferin Anna-Lena Stolze: "Riesenschritt nach vorne"

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·29. Januar 2026

Knapp fünf Jahre war Anna-Lena Stolze im Juniorinnen- und Frauenbereich für den VfL Wolfsburg am Ball. Am Montag (ab 18 Uhr, live bei SPORT1, MagentaSport und DAZN) tritt die 25 Jahre alte Angreiferin erstmals mit ihrem aktuellen Klub 1. FC Köln im Topspiel gegen die Wölfinnen an. Im DFB.de-Interview spricht die gebürtige Lübeckerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Gastspiel bei ihrem Ex-Klub.
DFB.de: Mal Hand aufs Herz: Wie besonders wird für Sie das anstehende Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg, Frau Stolze?
Anna-Lena Stolze: Ich habe mich im zurückliegenden Jahr schon sehr geärgert, dass ich verletzungsbedingt nur als Zuschauerin dabei sein konnte. Deshalb kann ich es jetzt in der Tat kaum abwarten, in meinem früheren Heimstadion aufzulaufen.
DFB.de: Sie wurden von 2015 bis 2020 beim VfL ausgebildet und schafften den Sprung in den Profikader. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Zeit?
Stolze: Ich bin in Wolfsburg fußballerisch großgeworden, habe dort eine sehr intensive Phase in meiner Karriere erlebt. Der VfL wird deshalb immer ein besonderer Klub bleiben.
DFB.de: Gibt es noch Kontakt zum Verein und zu früheren Teamkolleginnen?
Stolze: Allzu viele Spielerinnen, die schon zu meiner Zeit dort waren, gehören inzwischen nicht mehr zum aktuellen Aufgebot. Dennoch war der Kontakt nie ganz abgerissen, ich werde schon noch eine Reihe bekannter Gesichter wiedersehen.
DFB.de: Im Jahr 2000 wurden Sie zunächst an den niederländischen Spitzenklub FC Twente Enschede ausgeliehen und wechselten später fest. Warum ging es für Sie in Wolfsburg nicht weiter?
Stolze: Ich sollte bei Twente Spielpraxis sammeln, hatte dort aber einiges Verletzungspech und konnte deshalb zunächst nicht konstant auf dem Platz stehen. Ich habe mich dennoch sehr wohl gefühlt, wollte dort Fuß fassen und den nächsten Schritt machen, zumal der VfL Wolfsburg damals über einen megastarken Kader verfügte, in dem es für mich schwierig geworden wäre, auf Spielzeit zu kommen.
DFB.de: Wie wichtig war der Schritt nach Enschede für Sie?
Stolze: Es war für mich vor allem persönlich eine sehr gute Erfahrung. Ich habe durch den frühen Wechsel ins Ausland meine Komfortzone verlassen und dort einige Freunde fürs Leben gefunden. Auch der holländische Fußball hat mir gut gefallen.
DFB.de: Wo sehen Sie die größten Unterschiede?
Stolze: Während es in Deutschland wesentlich strukturierter zugeht, sind unsere Nachbarn spontaner und auch ein wenig chaotischer. Sie wollen freier aufspielen und Spaß am Fußball haben.
DFB.de: Ihre Zeit beim 1. FC Köln begann 2024 im ersten Saisonspiel bei RB Leipzig mit einer schweren Knieverletzung, die Sie für ein Jahr außer Gefecht setzte. Wie hart war das?
Stolze: Es war mit Sicherheit einer der schwersten Momente in meiner Karriere. Sich nach einer sehr guten Vorbereitung gleich im ersten Spiel nach nur zehn Minuten so schwer zu verletzen, war schon ein erheblicher Bruch.
DFB.de: Was hat Ihnen in dieser Zeit besonders geholfen?
Stolze: Der Verein hat mich aufgefangen, das gesamte Umfeld hat mich unterstützt. Auch während meiner Reha-Phase war ich immer willkommen und hatte das Gefühl, nach wie vor fest zum Team zu gehören. Es hat sehr gutgetan.
DFB.de: Am 4. Spieltag dieser Saison gaben Sie Ihr Comeback, standen in acht von zehn Partien von Beginn an auf dem Feld. Sind Sie inzwischen bei 100 Prozent angekommen?
Stolze: Ich bin auf jeden Fall auf einem guten Weg, auch wenn ich zwischenzeitlich durch eine kleinere muskuläre Verletzung noch einmal zurückgeworfen wurde. Es geht jetzt vor allem darum, noch mehr Spielkondition aufzubauen.
DFB.de: In welchen Bereichen sehen Sie noch Luft nach oben?
Stolze: Grundsätzlich arbeite ich daran, mich in sämtlichen Bereichen zu verbessern.
DFB.de: Nach einem missglückten Saisonstart mit drei Niederlagen spielt der 1. FC Köln eine herausragende Saison. Wie sehr überrascht Sie das bisherige Abschneiden?
Stolze: Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich überrascht bin, sondern eher froh und glücklich, dass wir unsere Qualität konstant auf den Platz bringen. Als Mannschaft haben wir auf jeden Fall einen Riesenschritt nach vorne gemacht.
DFB.de: Was zeichnet das Team vor allem aus?
Stolze: Die Atmosphäre bei uns stimmt auf und auch neben dem Platz zu 100 Prozent. Wir haben Spaß an der gemeinsamen Arbeit, was wiederum eine sehr gute Voraussetzung ist, um immer besser zu werden.
DFB.de: Welchen Anteil hat Cheftrainerin Britta Carlson, die gerade ihren Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert hat, an der positiven Entwicklung?
Stolze: Gemeinsam mit ihrem Trainerteam ist es Britta gelungen, uns in die richtige Richtung zu bringen. Daher hat sie selbstverständlich einen großen Anteil an unserem Erfolg.
DFB.de: Wie würden Sie die Zusammenarbeit beschreiben?
Stolze: Ich kannte Britta ja schon aus Wolfsburg und wusste daher um ihre Qualitäten. Sie führt das Team hervorragend und steht für eine klare Kommunikation.
DFB.de: Aktuell trennen den FC nur drei Punkte von Platz drei. Wie realistisch ist es, schon in dieser Saison die internationalen Plätze anzugreifen?
Stolze: Wir haben schon jetzt einen neuen Punkterekord für den FC in der Bundesliga aufgestellt und wollen diesen natürlich weiter steigern. Wir fokussieren uns darauf, unsere Leistung zu bringen und unsere Qualität zu zeigen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir auch gute Chancen, uns in diesem Tabellenbereich zu behaupten. Wozu das dann am Ende reicht, wird man sehen. Dass jede Spielerin gerne irgendwann international spielen würde, ist sicherlich kein Geheimnis.
DFB.de: Was rechnen Sie sich für die Partie in Wolfsburg aus?
Stolze: Der VfL ist ein sehr starker Gegner und in diesem Duell sicherlich der Favorit. Wir werden jedoch alles geben, um etwas Zählbares mitzunehmen.
DFB.de: Könnte es ein kleiner Vorteil sein, dass Wolfsburg nach der Winterpause noch nicht im Einsatz war?
Stolze: Das will ich nicht ganz abstreiten. Wir haben in der Liga schon unseren ersten Sieg eingefahren, der VfL hat bisher nur Testspiele bestritten. Das ist schon etwas anderes als eine Ligapartie. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Wolfsburgerinnen topfit sein werden.
DFB.de: Wie sehr würden Sie sich wünschen, dort ihr erstes Saisontor zu erzielen?
Stolze: Das würde die Geschichte natürlich komplett machen. (lacht)
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