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·20. Mai 2026
FC Arsenal jetzt Meister und keine "Bottlers" mehr

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·20. Mai 2026

Nach drei Vizetiteln in Folge krönt sich Arsenal in der Premier League. Arteta, Rice und eine Rekorddefensive beenden das Bottlers-Narrativ.
Als am Dienstagabend der Schlusspfiff zwischen Manchester City und Bournemouth ertönte, brach im Trainingszentrum des FC Arsenal das pure Chaos aus. Spieler, Betreuer und Trainer schrien und lagen sich in den Armen. Der erste Meistertitel seit 22 Jahren war perfekt.
Kurz nachdem der erste Jubel etwas abgeebbt war, zückte Bukayo Saka sein Handy und hielt die Kamera auf den 19-jährigen Myles Lewis-Skelly. In dessen Hand: eine Flasche Champagner. „They called us bottlers. They called us bottlers. Now it’s us holding the bottle“, sagte er stolz.
Bottlers. In England ist das eines der giftigsten Etiketten im Fußball. Gemeint sind Mannschaften, die kurz vor der Ziellinie einknicken. Über Jahre klebte dieses Wort an Arsenal. Der Preis für drei Vizemeisterschaften in Folge. Das Video zeigt: Die Gunners haben jedes einzelne Wort gehört. Jeden Spott. Jede Spitze aus den Pubs, Studios und den sozialen Medien. Und manchmal spielten sie auch so — nervös und gehemmt von den Geistern der Vergangenheit.
Als Arsenal im April mit 1:2 bei Manchester City verlor, schien sich die Geschichte tatsächlich zu wiederholen. Und anders als in den Jahren zuvor, als die Mannschaft zu grün oder vom Verletzungspech erdrückt worden war, wäre die Häme diesmal berechtigt gewesen. Der Vorsprung war komfortabel, die Konkurrenz taumelte — bis Arsenal selbst ins Wanken geriet. Niederlage im League-Cup-Finale. FA-Cup-Aus gegen einen Zweitligisten. Zwei Pleiten in der Premier League, darunter das direkte Duell gegen ManCity. Ein City-Fan trank demonstrativ aus einer Arsenal-Flasche, das Video ging viral. Der nächste „Bottlejob“ schien in vollem Gange.
Doch Declan Rice sollte recht behalten. „It’s not over“, sagte er nach der Pleite. Denn Arsenal dachte gar nicht daran, plangemäß zu implodieren. Stattdessen folgte eine Serie von fünf Zu-Null-Siegen in Folge. So wenig diese Phase für ihre Ästhetik in Erinnerung bleiben wird, so viel sagte sie über den eigentlichen Charakter dieser Mannschaft aus – während der gesamten Saison.
Auch in diesem Jahr gehörten die Gunners zu den am stärksten von Verletzungen betroffenen Teams der Premier League — vor allem offensiv. Kai Havertz, der Katalysator des Angriffs, fehlte über 30 Partien. Martin Ødegaard, der kreative Dirigent, mehr als 20. Bukayo Saka verpasste mehr als zehn und schleppte sich anschließend mit Problemen über den Rasen. Die geplante Stamm-Offensive stand ein einziges Mal gemeinsam auf dem Platz. Rhythmus unmöglich.
Und dennoch fand Arsenal Wege, Spiele zu gewinnen. Durch Standards — kein Team traf jemals häufiger nach ruhenden Bällen (24 Tore). Durch die beste Defensive Europas — keine Mannschaft kassierte weniger Gegentore oder spielte häufiger zu Null. Vor allem aber durch eine Widerstandsfähigkeit, die den Gunners oft abgesprochen wurde.
Denn diese Liga ist so tief wie nie zuvor. Fallobst? Fehlanzeige. Laut Elo-Rating traf Arsenal in England auf 14 Teams mit einem Wert über 1770. In der Bundesliga gibt es gerade einmal fünf davon, der Rest bewegt sich größtenteils auf dem Niveau von Abstiegskandidaten — oder darunter. Selbst Pep Guardiola sprach im März von der härtesten Premier League seiner Karriere.
Und ja, selbst wenn vermeintliche Konkurrenten wie Manchester United, Chelsea und Liverpool keine Gefahr darstellten – sie alle haben in den letzten drei Jahren höhere Netto- und Gehaltsausgaben vorzuweisen als Arsenal. Von wegen, der Titel wurde gekauft.
Apropos. Manchester City hatte lange mit den Folgen eines Umbruchs zu kämpfen, schien aber nach den Wintertransfers von Marc Guehi und Antoine Semenyo zum City-typischen Schlussspurt anzusetzen. Keine Niederlage seit November. Dafür zwei folgenschwere Unentschieden im Mai. Am Ende hatten die Skyblues nicht die Konstanz des FC Arsenal. Keiner in England hatte sie.
Weder auf der Trainerbank, wo Mikel Arteta die sagenhafte Transformation eines ganzen Klubs aus der Mittelmäßigkeit zurück an die Spitze vollendete. Noch im Tor, wo David Raya mit seinem Aufbauspiel und spektakulären Paraden endgültig das Weltklasseformat erreichte. Und erst recht niemand in der Defensive, wo Gabriel, dessen Vorliebe, Schüsse zu blocken, fast masochistische Züge hat, zusammen mit William Saliba das beste Innenverteidigerduo der Welt bildete.
Und keiner hatte Declan Rice. Unermüdlich deckte er jeden Grashalm des Platzes ab. Unbezwingbar in den Zweikämpfen. Nicht zu stoppen bei seinen Vorstößen. Der Motor des Meisters. Der beste Spieler der Premier League.
Natürlich blieb Kritik. Das Zeitspiel war oft schwer zu ertragen, das Verwalten von knappen Führungen nichts für den Feinschmecker und der Fußball phasenweise zäh. Doch genau das ist die eigentliche Meisterleistung dieser Saison. Arteta hat dieser Mannschaft ausgetrieben, in Schönheit zu sterben, und Ausreden verboten. Stattdessen hat er aus hochbegabten Künstlern eine pragmatische Elite-Einheit geformt, die gelernt hat, Widerstände anzunehmen, im Schlamm zu überleben und dem übergeordneten Ziel alles unterzuordnen.
Als der Jubel am Dienstagabend durch Nordlondon schwappte und Zehntausende auf die Straßen strömten, interessierte sich niemand mehr dafür, wie Arsenal es geschafft hatte und was andere darüber dachten.
Es zählte nur der erste Meistertitel seit 2004. Und das Ende eines Narrativs, das endgültig in Scherben liegt.
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