Miasanrot
·17. Juni 2026
FC Bayern bei der WM 2026 – Spieleranalyse: Dayot Upamecano weiter im Monstermodus

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·17. Juni 2026

Frankreich zeigt bei der WM 2026 eine starke zweite Halbzeit gegen den Senegal. Mittendrin: Dayot Upamecano vom FC Bayern mit einer weiteren Monsterleistung.
Fußball ist manchmal ein sehr kurioser Sport. Eine einzige Aktion auf dem Spielfeld bietet Raum für zahlreiche Interpretationen. Bestimmt werden diese nicht selten durch das Ergebnis.
So auch in der 25. Minute des Duells zwischen Frankreich und dem Senegal bei der WM 2026. Nicolas Jackson ist plötzlich frei durch und trifft den Pfosten. Es hätte das 1:0 in einem Spiel sein können, in dem die Afrikaner 45 Minuten lang mindestens leicht besser waren. Doch Jackson scheiterte aus spitzem Winkel knapp.
Mit dabei war Dayot Upamecano. Der Innenverteidiger des FC Bayern sah, je nachdem wen man zu dieser Szene befragt, hier gut oder nicht gut aus. Mats Hummels beschrieb diese Ambivalenz später für Magenta TV treffend. Der Franzose habe sehr viel richtig gemacht, kam am Ende aber vielleicht einen halben Schritt zu spät.
Upamecano knüpfte insgesamt an die Leistungen an, die man von ihm zuletzt beim Rekordmeister gewohnt war: Stabil, sicher, stark im Aufbau und nahezu unüberwindbar. Rund um die Duelle mit Real Madrid bezeichneten wir ihn als „Monster“. In dieser Szene lieferte er viel Anschauungsmaterial für kommende Verteidigergenerationen.
Die Ausgangslage: Jackson wird an der Mittellinie in die Tiefe geschickt. Der Stürmer bietet sich an, indem er sich direkt in den Raum herausfallen lässt, in dem der französische Außenverteidiger aufgerückt ist. Von dort kann er Tempo aufnehmen und bekommt den Ball perfekt serviert.

Upamecano hat als Innenverteidiger jetzt vor allem drei Aufgaben:
Letzteres ist schwer, weil Jackson aus vollem Lauf kommt und er seinen Tiefenlauf entsprechend mit höherer Geschwindigkeit startet als Upamecano. Da der Stürmer nicht direkt auf den Innenverteidiger zuläuft und er selbst ziemlich schnell ist, ist eine Entschleunigung des Angriffs kaum möglich. Upamecano muss sich darauf konzentrieren, ihn außen zu halten.

Das gelingt ihm einerseits durch seine bloße Geschwindigkeit und andererseits dadurch, dass er nicht zu schnell den Kontakt zu Jackson sucht. Upamecano spielt mit dem Raum, der vor den beiden ist. Würde er zu schnell auf Jackson zulaufen, wäre das Risiko gegeben, dass der Senegalese ihn entweder mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen lässt oder er das Laufduell klar für sich entscheidet, weil Upamecanos Weg durch das nach außen rücken minimal länger wird. Stattdessen wählt der Innenverteidiger einen smarteren, etwas geraderen Weg.
Gleichzeitig darf der Verteidiger auch nicht nur Begleitschutz geben. Ab einer gewissen Distanz zum eigenen Tor geht es darum, Entscheidungen zu treffen und das Maximum herauszuholen. Oberste Priorität hat immer das Verhindern eines Torschusses. Am besten mit einer Balleroberung, am zweitbesten mit einem Block, der die Situation entschärft oder einer starken Verzögerung, die das Tempo und die Gefahr aus dem Angriff nimmt.
Die drittbeste Lösung ist ein Abschluss des Stürmers aus einer schlechten Position. In manchen Situationen ist es nicht möglich, den Ball zu erobern oder der Zweikampf ist mit zu viel Risiko verbunden. Diese Situation ist so eine. Upamecano konnte nicht genug Meter aufholen, um sich zwischen Stürmer und Tor zu bringen. Stürzt er jetzt in einen Zweikampf, kann Jackson womöglich innen vorbeiziehen und sich eine herausragende Abschlussposition erarbeiten. Auch die Körperhaltung des Verteidigers ist extrem wichtig, wie ein kurzer Exkurs zeigt:

Bei der 1:4-Niederlage des FC Bayern gegen den FC Barcelona zu Beginn der Kompany-Zeit dribbelte Raphinha vor seinem Treffer zum 3:1 Raphaël Guerreiro aus – und das war eine ziemlich leichte Aufgabe. Denn der Portugiese öffnete den Innenweg komplett, indem er in Richtung Außenbahn orientiert war.
Guerreiros Körper war vorbereitet auf ein Sprintduell, sobald Raphinha außen an ihm vorbei geht. Dadurch war sein Deckungsschatten, also sein Rücken (dunkel eingezeichnet in der Grafik), der Innenseite zugewandt. Während Raphinha nur an ihm vorbeilaufen musste, musste sich Guerreiro einmal um 180 Grad drehen, was ihn beinahe zu Fall brachte. Der Brasilianer hatte eine gute Schussposition und traf.

Upamecano war gegen Jackson deutlich besser in der Körperhaltung. Kurz vor dem gegnerischen Strafraum war der Kontakt zu seinem Gegenspieler hergestellt. Es ist zugleich der Moment, in dem ein Verteidiger nicht mehr nur reagieren, sondern anfangen sollte, zu manipulieren. Dafür gibt es verschiedene Optionen: Finten, eine Seite anbieten, aggressiv in den Zweikampf gehen und einiges mehr.
Seine Körperhaltung ist nicht nur deshalb gut in dieser Situation, weil er den Weg nach innen versperrt, sondern weil er gleichzeitig noch bereit ist für einen Sprint, falls Jackson außen vorbeigeht. Für den Angreifer ist es nur sehr schwer möglich, Upamecano aus der Balance zu bringen. Auch sein Körperschwerpunkt ist etwas tiefer, was ihn flexibler macht.
Upamecano entscheidet sich in diesem Moment dazu, aktiv zu werden – und wahrscheinlich ist das der diskutabelste Move an der ganzen Szene. Statt nur zu verzögern, macht er mit dem linken Fuß einen Schritt in Richtung Jackson – eine Zweikampffinte. Der Innenverteidiger will keinen Zweikampf erzwingen, sondern Jackson ins Handeln bringen und ihn verunsichern. Denn durch den Schritt entscheidet sich der Stürmer, außen vorbeizugehen.
Gut aus Sicht des Innenverteidigers ist, dass Jackson damit nicht mehr in eine sehr gute Abschlussposition kommen wird. Der Winkel ist definitiv zu spitz zum Tor, um von einer Großchance sprechen zu können und Jackson muss mit seinem etwas schwächeren linken Fuß abschließen. Upamecano hat also Schaden vermieden und seinem Torhüter das Leben etwas einfacher gemacht. Ganz perfekt löst er die Situation dennoch nicht.
Denn durch den angetäuschten Tacklingversuch verliert er an Geschwindigkeit und somit auch einen halben Meter auf Jackson, der es dadurch schafft, zumindest eine passable Abschlussposition zu bekommen. Am Ende steht der Pfostenschuss, der wiederum Upamecano Argumente für sein Handeln liefert.
Und ohne Frage hat der französische Abwehrchef die Situation gut gelöst. Er hat den Schaden in einem maximal gefährlichen Umschaltmoment deutlich reduzieren können. Geht der Ball rein, müsste man vor allem über die Entstehung des Konters sprechen und nicht über ihn. Trotzdem hätte er aus Verteidigersicht noch einen kleinen Tick mehr aus der Situation herausholen können.
Bei allem Fokus auf Upamecano muss man aber auch festhalten, dass Jackson das überragend löst. Auch er macht viel richtig, geht im richtigen Moment außen vorbei und legt sich den Ball dabei perfekt vor. Geht man davon aus, dass Upamecano die Innenseite nahezu am Optimum verteidigt hat und er dort schlicht nicht vorbeikommen kann, dann hat auch der Stürmer hier fast das Maximum herausgeholt.
Für Upamecano war diese Szene die einzige, die zumindest ein bisschen kritisch war. Seine Leistung war abermals herausragend. Neun seiner insgesamt 14 Defensivduelle entschied er laut Wyscout für sich. Abgesehen vom Jackson-Zweikampf gab es nur noch einen weiteren, der in Strafraumnähe verloren wurde.

Dayot Upamecano: Gewonnene und verlorene Zweikämpfe via Wyscout.
19 Balleroberungen verbuchte der Bayern-Profi gegen den Senegal, 74 seiner insgesamt 81 Pässe kamen an (91 Prozent) und generell waren 84 Prozent seiner insgesamt 102 Aktionen erfolgreich. Insgesamt acht Pässe spielte Upamecano zudem ins Angriffsdrittel, sechs davon kamen an, einer war sogar eine Torschussvorlage.

Dayot Upamecano: Pässe ins Angriffsdrittel via Wyscout.
Generell sorgte er im Spielaufbau für zahlreiche Durchbrüche auf dem rechten Flügel und für viele vertikale Spieleröffnungen. Upamecano knüpft da an, wo er in München aufgehört hat: Nämlich einer der besten, vielleicht sogar der aktuell beste Innenverteidiger der Welt zu sein.
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