Miasanrot
·26. April 2026
FC Bayern Frauen müssen auf ein kleines Wunder hoffen – drei Learnings fürs Barça-Rückspiel

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·26. April 2026

Die FC Bayern Frauen erkämpfen sich in der Champions League ein respektables 1:1 gegen den FC Barcelona. Im Rückspiel braucht es dennoch eine Steigerung.
Das 1:7 in Barcelona hat Spuren hinterlassen. Am ersten Spieltag der Ligaphase in der Champions League gingen die FC Bayern Frauen damals gehörig baden.
Vor dem erneuten Aufeinandertreffen im Hinspiel des Halbfinals betonten die Bayern, dass das aktuelle Team mit dem damaligen nicht mehr viel gemein habe. Sie sollten sich nach dem 1:1 in der Allianz Arena bestätigt sehen.
Trotz frühem Rückstand gelang es den Münchnerinnen, die Partie offen zu halten, den Ausgleich zu erzielen und am Ende sogar in Unterzahl das Remis über die Zeit zu bringen. Theoretisch ist für das Rückspiel in Barcelona damit alles offen, aber praktisch? Drei Learnings, die der FCB aus dem Hinspiel mitnehmen kann.
Eine klare Anpassung des Trainerteams zum 1:7 war die Formation in der Arbeit gegen den Ball. Damals liefen die Münchnerinnen im 4-4-2 an, wobei „anlaufen“ hier ein großes Wort ist. Die Bayern liefen eher hinterher, weil es ihnen nicht gelang, wirklich Mut und Druck in ihr Pressing zu bringen. Momoko Tanikawa und Pernille Harder bildeten damals die Doppelspitze und versuchten, den Aufbau des FC Barcelona zu stören, sobald der Ball auf die Flügel oder ins zentrale Mittelfeld eröffnet wurde.
Wirklich beherzt und konsequent war das Pressing aber nicht. Im Rückspiel agierten die Münchnerinnen deutlich zurückhaltender. Tanikawa rückte im Vergleich zu damals eine Position nach hinten und Harder lief fast gar nicht aggressiv an, sondern stellte Passwege zu. Bayern ließ sich weniger locken und blieb im 4-5-1 kompakt.
Dadurch fiel es Barça schwer, Tempo in die eigenen Angriffe zu bekommen. Immer wieder hielten einzelne Spielerinnen den Ball sehr lange und fanden keine Anspielstationen. Vor allem das Zentrum war zu dicht, um dort ins gewohnte Kombinationsspiel zu kommen. Diese taktische Anpassung der Bayern funktionierte. Vor allem gab sie dem Team auch Stabilität, als das 0:1 durch einen individuellen Fehler von Giulia Gwinn im Stellungsspiel fiel.
Barcelona hatte zwar 21 Abschlüsse, aber nur ganz wenige Hochkaräter. Laut Flashscore kamen sie nur auf 1,48 Expected Goals (xG). Viele Angriffe waren träge und behäbig, mussten deshalb wieder abgebrochen werden. Bayern hat ihr Spiel über weite Strecken gut zerstört.
Aber: Auch ihr eigenes Spiel haben sie damit zerstört. Denn viel nach vorn gelang dem FC Bayern nicht. Am Ende stehen sieben Abschlüsse auf dem Konto und „nur“ 0,76 xG. In den meisten Phasen des Spiels standen die Bayern am eigenen Strafraum und hofften auf Umschaltsituationen. Eroberten sie den Ball, konnte dieser aber nicht lange gehalten werden und wirklich Risiko wurde ebenfalls nicht in den Konter gelegt.
Der Respekt davor, vom FC Barcelona auseinandergespielt zu werden, war riesig. Vielleicht etwas zu riesig. Dass man selbst gute Chancen haben kann, zeigten die rund zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Es war die einzige Phase im Spiel, in der die Münchnerinnen aus ihrer Deckung herauskamen und sogar besser waren als Barça.
Bayern schob gegen den Ball plötzlich mutiger heraus, setzte den Spielaufbau stärker unter Druck und kam zu einigen Standards. Große Chancen blieben zwar aus, aber es war eine Phase, die eigentlich Mut machen sollte, dass es sinnvoll sein kann, zumindest phasenweise mehr Druck auszuüben und die Deckung etwas fallen zu lassen.
Wie immer ist die Frage, wo zwischen der defensiven Stabilität und offensivem Harakiri man am effizientesten die wenigen Schwächen des überlegenen Gegners bespielen kann. Außerdem stellt sich die Frage, ob es der Plan von José Barcala war, so defensiv und passiv zu agieren oder ob es nicht doch eher gewollt war, häufiger so zu spielen wie in der Phase vor der Pause – und es einfach nicht ging, weil der Gegner zu ballsicher ist.
Zumindest in München wirkte der vermeintlich übermächtige Gegner aber gar nicht so übermächtig. Auch Barcelona macht Fehler, auch Barcelona kann unter Druck gesetzt werden. Zu viele Teams stellen sich ehrfürchtig an den eigenen Strafraum und warten darauf, dass Barças Klasse sich durchsetzt. Lange machten es die Bayern nicht so viel besser. Vielleicht müssen sie ein bisschen was von ihrem Respekt gegen Mut tauschen.
Denn eines ist auch klar: So respektabel das Remis gegen das beste Teams Europas auch ist und so sehr es eine Leistungssteigerung im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison war, so wahrscheinlich ist es, dass man ohne eine weitere Leistungssteigerung in Barcelona chancenlos sein wird.
Denn dann spielt Barça vor eigenem Publikum, im großen Stadion und wird dadurch nochmal mehr beflügelt sein. Sie mussten in München nicht wirklich an ihr Limit gehen, um ein Unentschieden zu erreichen. Im Rückspiel ist mit mehr Wucht zu rechnen. Hinzu kommen die Sperren von Barcala und – noch viel schlimmer – Franziska Kett.
Spielen die Bayern in Barcelona wieder so passiv, droht eine weitere deutliche Niederlage. Die Kräfteverhältnisse waren bei allem berechtigten Lob für die Gesamtleistung immer noch klar verteilt. Im Rückspiel wird sich zeigen, ob die Münchnerinnen nochmal einen weiteren Schritt nach vorn machen und ihr eigenes Spiel etwas mehr auf den Platz bringen können. Oder ob das eintritt, was ohnehin viele bereits im Hinspiel erwartet hätten.
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