Miasanrot
·12. Februar 2026
FC Bayern im Vergleich mit Europas Topklubs: Zu anfällig bei Standardsituationen?

In partnership with
Yahoo sportsMiasanrot
·12. Februar 2026

Der FC Bayern München lässt in dieser Saison viele Chancen nach Standardsituationen zu. Vor allem Freistöße aus dem Halbfeld machen dem FCB zu schaffen.
Es lief die 62. Minute im Duell zwischen dem FC Bayern München und Leipzig im DFB-Pokal. Spielstand: 0:0. David Raum hatte gerade einen Freistoß aus dem Halbraum in den Strafraum des FCB getreten.
Plötzlich klatschte der Ball an die Latte von Manuel Neuer und von dort auf den Boden. Neuer wäre chancenlos gewesen, kam aber schnell genug wieder hoch um den Ball zu fangen. Er eröffnete flach auf Dayot Upamecano, der spielte einen langen Pass in die Tiefe, Josip Stanišić war frei durch und wurde gefoult.
Elfmeter für die Bayern und das 1:0, das die Partie in die richtige Richtung für den Rekordmeister lenkte. In der Wiederholung wurde schließlich deutlich, dass Romulo bei seinem Lattenkopfball recht deutlich im Abseits stand. Und doch war der Freistoß aus dem Halbfeld eine Stresssituation. Nicht die erste in dieser Saison.
In der vergangenen Saison ließen die Bayern laut Wyscout noch 21 Standards pro 90 Minuten zu. Nur 9,8 Prozent davon führten zu einem Abschluss des Gegners. In dieser Saison sind es zwei Standards mehr pro 90 Minuten und 14,1 Prozent führen zu einem Abschluss.
Die hohe Anzahl an Standards erklärt sich dadurch, dass auch einige Einwürfe mit in die Statistik einfließen. Etwas konkreter wird das Bild beim Blick auf Ecken und Freistöße. Hier lassen die Münchner im Vergleich zur Saison 2024/25 fast eine Ecke mehr pro 90 Minuten zu (3,5 zu 2,7). Der Anteil an Abschlüssen des Gegners ging hingegen kaum relevant zurück: Von 37 Prozent auf 35 Prozent.
Zur Verdeutlichung: Rechnet man den aktuellen Eckenschnitt von 3,5 auf die gesamte Bundesliga-Saison, würden die Bayern 119 Ecken zulassen. Bei 37 Prozent Abschlussquote des Gegners wären es 44 zugelassene Chancen, bei 35 Prozent sind es zwischen 41 und 42. Ein vernachlässigbarer Unterschied.
Weniger vernachlässigbar ist aber, dass die Quote im Vergleich mit anderen europäischen Topklubs recht hoch ist. Miasanrot hat die Werte mit Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea, Manchester City, Real Madrid, Barcelona und Inter Mailand verglichen. Die Gesamtanzahl der zugelassenen Ecken pro 90 Minuten ist bei allen relativ ähnlich. Arsenal und Inter kommen auf drei, Tottenham hat mit fünf den höchsten Wert.
Die Bayern haben mit Inter aber die höchste Quote an gegnerischen Abschlüssen. Beide stehen bei 35 Prozent. Arsenal (26 Prozent), Manchester City (22) und Barça (28) sind die einzigen Teams unter 30 Prozent. Alle anderen sind eng beieinander. Einerseits bedeutet das, dass die Münchner zumindest keine katastrophale Quote haben, denn der Kontakt zu anderen Teams ist da. Aber auch im Bundesliga-Vergleich zählt man zu den schwächeren Mannschaften – Frankfurt, Leverkusen (beide 35 Prozent), Union (36), HSV (37) und Augsburg (38) sind die einzigen Klubs mit derselben oder einer schlechteren Quote.
Nochmal: Der Unterschied zwischen zwei, drei oder vier Prozent ist relativ gering. Aber es zeigt sich, dass Teams, die Standards sehr gut verteidigen, eher auf einen Wert deutlich unter 30 Prozent kommen.
Während man bei Ecken noch halbwegs Kontakt zu den meisten anderen Klubs hat, ist es bei Freistößen deutlich schlimmer. Im Vergleich mit den europäischen Topklubs lassen die Bayern hier relativ gesehen zu viel zu: 42 Prozent aller Freistöße der Gegner führen in dieser Saison zu einem Abschluss.
Miasanrot hat sich alle dieser Freistöße bei Wyscout angesehen und es ist auffällig, wie oft die Gegner hier nicht nur Halbchancen oder aussichtslose Abschlüsse bekommen, sondern echte Hochkaräter. Im Einzelfall kann man hier immer diskutieren. So fließt der erwähnte Leipziger Freistoß trotz Abseitsposition mit in die Statistik ein, weil der Schiedsrichter das Spiel laufen ließ statt zu pfeifen.
Aber auch Union Saint-Gilloise (zwei gute Abschlüsse), der VfL Wolfsburg, Mainz 05 (guter Abschluss und Tor), Union Berlin (Pokal, guter Abschluss und Elfmeter rausgeholt), Arsenal (drei gute Abschlüsse), nochmal Union (Liga, Tor), Köln (Pokal, zwei gute Abschlüsse) und Dortmund (guter Abschluss) hatten Szenen, in denen deutlich mehr Tore hätten fallen können, eher müssen. Ein wichtiger Kontext zudem: Unter allen Freistößen, die zu einem Abschluss führten, war nur ein einziger direkter dabei und der war harmlos – Bremen schoss in die Mauer.
Disclaimer: Alle Werte sind in 0,5er Schritten gerundet. Daten aus allen Ligen, Pokalwettbewerben und der Champions League aus der Saison 2025/26. Via Wyscout.
Das Team in der europäischen Vergleichsgruppe mit dem höchsten Anteil an gegnerischen Abschlüssen nach den Bayern (42 Prozent) ist Tottenham mit 33,5 Prozent. Liverpool (16,5 Prozent), Real Madrid (20,5), Manchester City (21,5), Inter (22) und Arsenal (25) verteidigen Freistöße anscheinend am besten.
Absolut gesehen lassen die Münchner nicht außergewöhnlich viele Freistöße zu. Zwei sind es pro 90 Minuten – so wie bei fast allen Topklubs. 1,5 ist hier der niedrigste Wert (Barça und Real). Bemerkenswert ist aber, dass die Bayern in der vergangenen Saison noch bei 20 Prozent zugelassenen Abschlüssen nach Freistößen lagen.
Und trotzdem ist auch hier wieder Kontext nötig. Es ist nicht so, dass die Bayern Unmengen an gegnerischen Chancen bei Standards zulassen würden. Die oben genannten sind die besten und selbst da sind einige dabei, wo ein Spieler es nicht schafft, den Kopfball richtig zu drücken oder das Tor deutlich verfehlt.
Mit 0,09 Expected Goals against aus Standardsituationen pro 90 Minuten haben die Bayern laut Streamlit (Opta-Daten) den geringsten Wert in der Bundesliga – was aber vor allem daran liegt, dass sie deutlich weniger Standards als alle anderen zulassen. Trotzdem: Auch im europäischen Vergleich stehen sie hier gut da. Arsenal (0,09) und Real Madrid (0,08) sind auf einem ähnlichen Niveau. Der Rest lässt demnach mehr Qualität zu.
Daten zur Champions League und den Pokalwettbewerben gibt es hier aber nicht. Schließlich fällt in der Liste oben auf, dass viele der zugelassenen Freistoßchancen der Bayern vor allem in diesen Wettbewerben passiert sind. Mit 13 Standardgegentoren (von 33) ist das Problem zumindest greifbar.
Und so zeichnet sich weiter ein ambivalentes Bild zu den Bayern und ihrer vermeintlichen Schwäche beim ruhenden Ball. Das mulmige Gefühl, das viele Fans bei gegnerischen Standardsituationen haben, lässt sich zumindest teilweise mit Zahlen belegen – wenn auch nicht eindeutig genug.
Ein spannender Aspekt ist dahingehend sicherlich die Wahrnehmung. Die Bayern lassen in der Regel nicht viel zu, sind oft selbst im Angriffsmodus. Wenn dann hinten mal etwas durch die ersten ein, zwei Standards anbrennt, dann wirkt das intensiver und plötzlicher als nach einer Serie von zehn harmlosen Ecken.
Dennoch zeigen die Relationen, dass die Bayern ziemlich viele Abschlüsse aus wenigen Standards zulassen. Es ist immer schwer für verteidigende Mannschaften, gegen die Spielrichtung zu verteidigen, was vor allem bei Freistößen aus dem Halbfeld große Relevanz hat. Aber mit Blick auf die K.-o.-Spiele und vor dem Hintergrund des Arsenal-Spiels und wie es den Gunners gelang, Bayern vor allem mit Standardsituationen hinten reinzudrücken, muss diese Baustelle Relevanz im Trainerteam genießen.
In der Champions League können Momente wie der von Leipzig in der 62. Minute entscheidend sein. Denn so klare Kopfballchancen gab es in dieser Saison schon häufiger – auch ohne Abseitsposition.
Live









































