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·24. März 2026
FC Bayern Jungstar: Lennart Karl bekommt Nachhilfe beim Bundestrainer

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Der FC Bayern Jungspieler Lennart Karl steht kurz vor seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft – die erstmalige Nominierung kam per Anruf vom Bundestrainer, ausgelöst während seiner Mathe‑Nachhilfe. Der 18‑Jährige verpasste den ersten Anruf, rief nach fünf Minuten zurück und erfuhr von Julian Nagelsmann von der Berufung. Nagelsmann lobt nicht nur Karls fußballische Qualitäten, sondern betont auch die richtige Prioritätensetzung gegenüber Lehrern. Gleichzeitig kämpfen Klubfragen, begrenzte Einsatzzeiten und persönliche Veränderungen um Platz in Karls Leben – vom Führerschein bis zum Umzug aus dem Klub‑Internat.

Lennart Karl vom FC Bayern München jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 im UEFA Champions League-Gruppenspiel gegen den FC Brügge in der Football Arena München am 22. Oktober 2025. Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images
Am Dienstag lief Lennart Karl beim Training in Herzogenaurach erstmals als potenzieller A‑Nationalspieler auf. Die Nominierung für die deutsche Fußball‑Nationalmannschaft stellte den 18‑Jährigen vor einen unerwarteten Moment während seiner Mathe‑Nachhilfe. Julian Nagelsmann hatte ihn telefonisch über seine erstmalige Berufung informieren wollen, doch Karl hob zunächst nicht ab.
„Nach fünf Minuten habe ich zurückgerufen, dann hat er es mir gesagt“, berichtete der 18‑Jährige. Seit dem Rückruf rechnet Karl sich laut eigener Aussage ziemlich gute Chancen aus, bei der WM dabei zu sein.
Die Szene spielte sich in einer typischen Nachhilfestunde ab: Für die Mathematik‑Abschlussprüfung der bayerischen Realschulen hätte Karl ganz praxisnah arbeiten können. In der Prüfungsaufgabe ging es demnach für eine Fußballerin namens „Alexandra“ darum, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie ihre Elfmeter verwandelt, wenn zugleich ein bestimmtes Netzmuster den Weg ins Tor erschwert.
So ungefähr mag man sich vorstellen, woran Karl rätselte, als sein Handy klingelte. Die Mathematik‑Szenerie unterstreicht die ungewöhnliche Kombination aus schulischer Verpflichtung und plötzlich anstehenden Karriere‑Entscheidungen, mit denen sich ein junger Spieler wie Karl konfrontiert sieht.
Nagelsmann findet Karls Verhalten nicht nur sportlich hervorragend. „Nicht nur sportlich, da kann er einen kreativen, mutigen Jungstar für die Außen bestens gebrauchen. Sondern auch in der Prioritätensetzung: ‚Ich hätte ihn geschimpft, wenn er direkt rangegangen wäre. Die Wertigkeit, was der Lehrer sagt, ist wichtiger, als das, was der Bundestrainer sagt.'“
Von Karl, der durchaus forsch über seine Ambitionen spricht, wünscht der Bundestrainer zudem „jugendliche Unbekümmertheit“. Diese Forderung zielt auf die mentale Leichtigkeit ab, die Nagelsmann sich von jungen Talenten erhofft.
Lennart Karls Leistungen auf dem Platz schwankten zuletzt. Er kam mehrfach spät von der Bank und blieb zudem mehrfach ohne Einsatz, sein letztes Bundesliga‑Tor erzielte er Mitte Januar. Das führte zu Fragen rund um seine Rolle beim FC Bayern und die Kontinuität seiner Entwicklung.
Zuletzt überzeugte er jedoch wieder wie in seinen ersten Tagen im Profi‑Fußball: Im Rückspiel gegen Atalanta Bergamo, das nach dem klaren Hinspiel beinahe bedeutungslos war, traf Bayern im 4:1‑Erfolg und Karl präsentierte sich stabiler. Diese Leistung könnte ihm weiteren Rückenwind geben.
Die Rückkehr von Jamal Musiala hat die Situation für Karl zusätzlich verkompliziert. „Durch die Rückkehr von Jamal Musiala, mittelfristig unverzichtbar in München und in der Nationalmannschaft, sind die Einsatzzeiten für Lennart Karl erheblich geschrumpft“, lautet die Einschätzung zur Lage im Klub.
Vincent Kompany, der die Einsatzentscheidungen bei Bayern mitträgt, könnte Julian Nagelsmann von einem Luxus‑Problem berichten, das auch dem Bundestrainer mit Verzögerung droht. Ob Kompany ihn in wichtigen Spielen einsetzt, bleibt eine sportliche Abwägung.
Karl hat offen über seine Ambitionen gesprochen und nennt Real Madrid als seinen „Traumverein“. Diese Aussage sorgte innerhalb des Vereins nicht ausschließlich für Begeisterung: Vincent Kompany nannte es einen „kleinen Kommunikationsfehler“, woraufhin Karl zum klassischen Bußgang bei den Großkopferten antrat.
Eine direkte Bewährungsprobe gegen den spanischen Giganten steht bereits an: „Im April darf er sich immerhin schon mal gegen den spanischen Giganten im Viertelfinale der Champions League beweisen. Sofern Kompany ihn spielen lässt.“ Die Partie bietet ihm also die Chance, sich auf höchstem Niveau zu präsentieren.
Vor vier Jahren spielte Karl noch für Viktoria Aschaffenburg in der U15; seitdem hat sich sein Leben stark verändert. In Kürze wird er aus dem Klub‑Internat in die Stadt ziehen und darf zudem das Sponsoren‑Auto des FC Bayern in Besitz nehmen.
Mit dem Führerschein im Portemonnaie „fühlt man sich einfach ein bisschen freier“, sagt Karl, „auch wenn mir meine Eltern immer noch sagen, was ich machen soll und was nicht“. Dieses persönliche Wachstum soll ihm helfen, Bodenhaftung zu behalten, ein Thema, mit dem er sich bereits auseinandersetzen musste.
Trotz aller Veränderungen versucht Karl, gelassen zu bleiben: „Ich mache mir gar keinen Druck“, betont der Youngster. „Ich spiele meinen Fußball runter, und dann hoffe ich mal, dass es gut klappt. Und dass ich bei der WM dabei bin.“
Seine Nominierung ist vorläufig die Krönung eines rasanten Aufstiegs – ob er die Unbekümmertheit behält und sich in Klub und Nationalmannschaft durchsetzt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.









































