MillernTon
·19. September 2026
FC Energie Cottbus: Verein und Fanszene

In partnership with
Yahoo sportsMillernTon
·19. September 2026

Am Sonntag fährt der FC St. Pauli zum FC Energie Cottbus. Schauen wir genauer auf den Verein und die Fanszene.Titelfoto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images via OneFootball
Nach einem erleichternden Heimsieg gegen VfL Wolfsburg geht es am Sonntag für den FC St. Pauli vor der Länderspielpause noch gegen Energie Cottbus ran. Zuletzt zu Besuch in Cottbus im April 2014, geht es nun nach über zehn Jahren wieder in die Lausitz. Und auch wenn sich ein Besuch im Spreewald sehr lohnt, ein entspanntes Spiel wird es am Sonntag definitiv nicht. Energie Cottbus zählt nämlich nicht unbedingt zu den Vereinen, zu denen man ein wohlwollendes Verhältnis hat. Schauen wir ein wenig genauer hin, was bei Energie Cottbus so los ist.
FC Energie Cottbus, mit dem Gründungsjahr 1966, ging aus dem 1963 gegründeten SC Cottbus hervor. Als Betriebssportgemeinschaft spielte Energie Cottbus lange in der DDR-Liga (zweihöchste Spielklasse der DDR) und schaffte 1973 erstmals den Aufstieg in die DDR-Oberliga (höchste Spielklasse). Als klassische Fahrstuhlmannschaft stieg mal viermal nach dem Aufstieg direkt wieder ab. 1989 schaffte man es erstmals, die Klasse zu halten. In der Saison 1989/90 holte man den siebten Platz und konnte sich zur Teilnahme am damaligen UEFA-Intertoto Cup qualifizieren.
Im wiedervereinigten Deutschland wurde man von der BSG zum FC, startete durch die schlechte Platzierung der Vorsaison aber zunächst in der Oberliga. 1994 schaffte der FC Energie dann den Aufstieg in die Regionalliga. Der Aufstieg in die zweite Bundesliga erfolgte 1997 und Energie stand in diesem Jahr sogar im DFB-Pokalfinale, nachdem man im Viertelfinale den FCSP ausgeschaltet hatte. Das Finale ging dann aber gegen den VfB Stuttgart mit 0:2 verloren. Ab 2000 konnte Energie Cottbus für drei Jahre in der Bundesliga spielen, ehe man 2003 wieder abstieg. 2006 wurde man erneut für drei Jahre erstklassig.
Das sollte es mit der Bundesliga für Cottbus erstmal gewesen sein. Bis 2014 spielte man lange in der zweiten Bundesliga, schaffte es 2011 noch bis ins DFB-Pokalhalbfinale, wo man aber dem MSV Duisburg mit 1:2 unterlag. 2014 dann der Abstieg in die dritte Liga. Zwei Jahre später, 2016, dann ein weiterer Abstieg in die Regionalliga. 2018 war man nochmal für ein Jahr Drittligist, stieg allerdings direkt wieder ab. 2024 kam es dann zum Aufstieg in die dritte Liga und 2026 stieg man hinter dem VfL Osnabrück als Zweitplatzierter wieder in die 2. Bundesliga auf.
Die aktive Fanszene des FC Energie Cottbus hat ihre Heimat auf der Nordkurve. Dort sind eigentlich viele Gruppen anzufinden, manche davon existieren aber offiziell nicht mehr. Heute stehen die Gruppen Ultras Energie, Ultima Raka 2002, Collectivo Bianco Rosso 2002 und dessen Jugendgruppe Frontside 2006 dort. Die Gruppe Inferno Cottbus war von 1999 bis 2017 Teil der Fanszene. Insbesondere IC 99 fiel immer wieder durch rechtsextreme Äußerungen und Aktionen auf, bekam Haus- und Aufenthaltsverbote bis hin zu Erscheinungsverboten durch den Verein. Außerdem war die Gruppe in rechten Strukturen vernetzt. 2017 lösten sie sich offiziell auf. 2014 fand die Fanszene des FC St. Pauli passende Worte zu Inferno Cottbus.
Mehrmals musste sich der Verein bereits von der eigenen Fanszene distanzieren. Denn Teile der Fanszene fielen durch Hitlergrüße auf, die immerhin zu Geldstrafen oder zur Auflösung der eigenen Gruppe, den East Side Warriors, führten. Es gab rechtsgesinnte Parolen und antisemitische Graffitis, insbesondere bei Spielen gegen Babelsberg 03 oder antisemitische Parolen nach einem Auswärtsspiel gegen Viktoria Köln. Nach dem Aufstieg in die dritte Liga 2008 inszenierten sich Cottbus-Fans in Ku-Klux-Klan-Masken und präsentierten auf dem Cottbuser Altmarkt ein Banner mit der Aufschrift „Aufstieg des Bösen“. Und bis heute scheint die Fanszene in der Nordkurve sich nicht von rechtem Gedankengut distanzieren zu können, wenn der Vorsitzende der Generation Deutschland, die Jugendorganisation der AfD, Jean-Pascal Hohm mit ihnen im Block steht.
So kann man aber auch nicht alle Gruppen der Nordkurve über einen Kamm scheren, die Gruppe Ultima Raka zeigt sich weitestgehend unpolitisch, präsentierte zu ihrem 14-Jährigen Bestehen ein Banner mit der Aufschrift „Für Zecken sind wir Nazis. Für Nazis sind wir Zecken… Seit 14 Jahren für Energie und unseren Sport“. 2017 stellte sie wegen interner Konflikten zunächst ihre Aktivitäten ein. Das sorgte für viele Spekulationen, ob dies aufgrund politischer Differenzen innerhalb der Fanszene war. Das CBR 2002 äußerte sich zusätzlich und kritisierte diese Spekulationen und die Presse scharf. CBR und ihre Jugendgruppe Frontside tragen das Motto „Jung, fanatisch und heimattreu“ und inszenieren sich selbst gerne gewaltaffin und robust. So zum Beispiel im Jubiläumsvideo der Frontside oder in einem Mobi-Video vor einem Spiel gegen Babelsberg, die eine Entführung darstellt (hard watch).
Aber auch in Cottbus ist nicht alles dunkel, denn auch hier gibt es Engagement gegen Rechts. So zum Beispiel durch „Energiefans gegen Nazis“. Sie machen auf Diskriminierende Ereignisse in Cottbus aufmerksam aber haben auch selbst mit Anfeindungen zu kämpfen, wie sie 2021 in einem Interview berichteten. Auch der Verein Energie Cottbus hat 2021 die Kampagne „Rotweiss statt braun“ ins Leben gerufen und wollen sich, zum Beispiel mit Projekten, jeglicher Art von Diskriminierung entgegenstellen.In unserem „Vor dem Spiel“-Gespräch hatte Jutta mit Paul ein Mitglied dieser Gruppierung zu Gast.
So langsam steigt die Aufregung um das Spiel morgen. Nicht nur sportlich wird dieses Spiel enorm wichtig, auch auf den Rängen wird es wichtig, sich lautstark gegen Cottbus durchzusetzen, sportlich wie politisch. Energie Cottbus und der FC St. Pauli sind bekanntermaßen eher nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Passt, wenn ihr fahrt, gut auf euch auf, seid lautstark im Gästeblock und dann holen wir den Heimsieg mit nach Hamburg!
Immer weiter vor!// Nina
Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.
Das Verfassen von Kommentaren ist nur nach Registrierung möglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.
// Teile diesen Beitrag mit Deinem Social Media Account (Datenübertragung erfolgt erst nach Klick)
Live







































