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·8. Januar 2026

FIFA setzt auf 3D-Avatare: Ob das Vertrauen der Fans zurückkommt, ist fraglich

Artikelbild:FIFA setzt auf 3D-Avatare: Ob das Vertrauen der Fans zurückkommt, ist fraglich

Die FIFA will alle WM-Spieler scannen und digitale 3D-Avatare erstellen. Die neue Technik soll Abseitsentscheidungen transparenter machen.

Die FIFA greift nach den Sternen, und diesmal heißt das Zauberwort Künstliche Intelligenz. Vor der Weltmeisterschaft in Nordamerika verkündet der Weltverband, dass digitale 3D-Avatare aller Spieler die Abseitstechnik revolutionieren sollen. Klingt futuristisch, klingt beeindruckend. Aber ist es auch der große Wurf, als den Gianni Infantino ihn verkauft?


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Zunächst die Fakten: Die FIFA will alle Spieler der 48 teilnehmenden Nationen scannen, um präzise digitale Abbilder zu erstellen. Diese Avatare sollen das System in die Lage versetzen, Körperpositionen auch bei schnellen oder verdeckten Bewegungen exakt zu erfassen. Der Scan dauert eine Sekunde pro Spieler und liefert laut FIFA hochpräzise Körperteilabmessungen. Das klingt nach einem logischen nächsten Schritt in der Evolution der halbautomatischen Abseitstechnologie.

Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Wer jemals eine dieser kryptischen blauen Linien auf dem Bildschirm gesehen hat, während der VAR minutenlang über Millimeter entscheidet, weiß um das Problem. Die Zuschauer im Stadion stehen ratlos da, die Menschen vor den Fernsehern verstehen oft nicht, was sie sehen. Die FIFA verspricht nun realistischere und ansprechendere Darstellungen. Transparenz als Verkaufsargument.

Fifa hat schon oft Fortschritt versprochen

Doch genau hier beginnt die Skepsis. Die FIFA hat in der Vergangenheit viel versprochen und nicht immer geliefert. Der VAR sollte Gerechtigkeit bringen, stattdessen brachte er endlose Diskussionen über Handspiel-Auslegungen und Zentimeter-Entscheidungen. Die Technologie war nie das Problem. Das Problem war und ist die Kommunikation, die Nachvollziehbarkeit, das Gefühl der Fans, dass ihnen etwas vorenthalten wird.

Immerhin: Die FIFA hat die neue Technik bereits getestet, beim Interkontinental-Pokal zwischen Real Madrid und Pachuca. Der Verband selbst bescheinigt dem System Leistungsfähigkeit und Nutzen. Das ist mehr als heiße Luft, aber noch lange kein Beweis für die Praxistauglichkeit bei einem Turnier mit 104 Spielen und der Aufmerksamkeit der gesamten Fußballwelt.

Was bleibt, ist eine nüchterne Erkenntnis: Die FIFA investiert in Technologie, weil sie muss. Der moderne Fußball verlangt nach Präzision, nach Schnelligkeit, nach Bildern, die überzeugen. Ob 3D-Avatare das Vertrauen der Fans zurückgewinnen können, das durch fragwürdige VAR-Entscheidungen verloren ging, steht auf einem anderen Blatt.

Die Technik mag beeindruckend sein. Entscheidend wird sein, ob sie im entscheidenden Moment funktioniert – und ob die Menschen verstehen, was sie sehen. Daran wird sich die FIFA messen lassen müssen. Nicht an Pressemitteilungen, sondern an der Realität auf dem Platz.

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