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·20. April 2026

Frank Schmidt bleibt in Heidenheim – aber vielleicht wäre Loslassen die größere Treue

Artikelbild:Frank Schmidt bleibt in Heidenheim – aber vielleicht wäre Loslassen die größere Treue

Sieben Punkte Rückstand auf Platz 16, kein Zu-Null-Spiel in dieser Saison: Frank Schmidt steht seit 2007 in Heidenheim – und soll auch bei Abstieg Trainer bleiben.

Frank Schmidt steht seit September 2007 an der Seitenlinie des 1. FC Heidenheim. Fast 19 Jahre, länger als jeder andere Trainer im deutschen Profifußball. Wer so lange durchhält, hat gelernt, Niederlagen einzuordnen, Rückschläge kleinzureden, Hoffnung zu verkaufen. Umso bemerkenswerter, dass Schmidt nach dem 1:2 in Freiburg genau das nicht tat. „Zu groß, da sollte man nicht rechnen" – das ist keine Durchhalteparole, das ist eine Kapitulationserklärung. Und sie verdient Respekt. Aber sie wirft eine Frage auf, die über diesen Spieltag hinausreicht: Ist das Modell Heidenheim an seiner natürlichen Obergrenze angekommen?


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Sieben Punkte Rückstand auf Relegationsplatz 16, vier Spiele noch zu spielen. Die Mathematik allein hat Heidenheim nicht erledigt – die Muster haben es getan. In Freiburg sah Schmidt ein „ausgeglichenes Spiel über 90 Minuten", sein Team kämpfte sich durch Budu Zivzivadze zurück ins Spiel, vergab dann aber die Chance, es zu drehen. Maximilian Eggestein traf in der 83. Minute zum Freiburger Sieg. „Von dieser Kategorie Spiele hatten wir leider zu viele", sagte Schmidt. 63 Gegentore nach 28 Spieltagen, kein einziges Zu-Null-Spiel in der gesamten Saison – als einziges Team in Europas fünf großen Ligen. Das sind keine Ausreißer, das ist ein strukturelles Defizit.

Am Samstag kommt St. Pauli auf die Ostalb. Schmidt hatte vor dem Freiburg-Spiel von einem „richtigen Endspiel" gesprochen, das es hätte werden können. Jetzt droht die Partie zur Abschiedsvorstellung zu werden. Niklas Dorsch sagte, man sei es den Fans schuldig, „alles reinzuhauen" – aber Pflichtbewusstsein alleine bringt keine Punkte.

Nun die Gegenseite, denn sie ist stark: Schmidt hat Heidenheim von der Oberliga in die Bundesliga geführt. Kein zugekaufter Erfolg, kein Investorenmodell, sondern organisches Wachstum über fast zwei Jahrzehnte. CEO Holger Sanwald hat garantiert, dass Schmidt auch bei einem Abstieg Trainer bleibt. Schmidt selbst bekräftigte im März: „Man kann sich auf mich verlassen – ich werde Trainer in Heidenheim bleiben und meinen Vertrag erfüllen." Diese Treue ist im modernen Fußball ein Gegenentwurf, der Bewunderung verdient.

Nur reicht Bewunderung nicht als Argument. Heidenheim hat in dieser Saison keinen Sportdirektor, der als strategisches Korrektiv wirken könnte. Schmidt ist Trainer, Identifikationsfigur und sportliche Instanz in einer Person. Solange es nach oben ging – von Liga zu Liga, vom Aufstieg ins erste Bundesligajahr – war diese Konzentration eine Stärke. In einer Saison, in der fast alles gegen den Verein lief, wurde sie zur Schwäche. Wer soll den Trainer hinterfragen, wenn der Trainer das System ist?

Das Modell des loyalen Langzeittrainers funktioniert, solange die Kurve steigt. Christian Streich bewies das in Freiburg über viele Jahre. Aber auch Streich ging irgendwann – und Julian Schuster führte den SC Freiburg in dieser Saison ins Europa-League-Halbfinale. Manchmal braucht es den Schnitt, damit ein Verein den nächsten Schritt macht. Manchmal ist die größte Treue nicht das Bleiben, sondern das Loslassen.

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