MillernTon
·23. Februar 2026
Funkenflug am Millerntor

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·23. Februar 2026

Der FC St. Pauli feiert erneut einen Heimsieg und untermauert damit die Bedeutung des Millerntor-Stadions im Abstiegskampf.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Sogar der Rasen des Millerntor-Stadions meinte es gut mit dem FC St. Pauli. Also zumindest in der 55. Minute. Da brachte Hauke Wahl nämlich einen eher wenig gefährlichen Kopfball gen Bremer Tor. Doch der Rasen hatte sich für das Abstiegsduell herausgeputzt, in Form einer leichten Matsch-Ansammlung direkt vor beiden Toren. Der Kopfball von Wahl landete genau da und prallte von dort vermutlich nicht so ab, wie SVW-Torhüter Mio Backhaus es erwartet hatte. Der Ball flutschte ihm unter den Händen durch, 1:0 für den FC St. Pauli.
Diesen Absatz hatte ich mir schön zurechtgeschrieben zwischen der 56. und 61. Minute am Sonntag. Es hätte einfach viel zu gut zum Thema Heimstärke gepasst, wenn nun auch noch der Rasen das Pendel in Richtung des FC St. Pauli ausschlagen lassen würde. Doch rund um die Fertigstellung des Absatzes offenbarte auch Nikola Vasilj Probleme mit dem Rasen beziehungsweise der eigenen Standsicherheit. So ist die Szene nicht nur schade, weil es deshalb einen Gegentreffer gab, sondern auch, weil dadurch mein Einstieg in diesen Artikel irgendwie Quark ist (das eine ist natürlich viel schlimmer als das andere, klar). Naja… aber hey, das Thema ist schön! Deshalb machen wir das trotzdem!
Steigen wir also lieber mit Zahlen ein: Der FC St. Pauli ist am Millerntor zuletzt nicht weniger als eine echte Macht. In den letzten fünf Spielen gab es starke elf Punkte (drei Siege, zwei Unentschieden). Da zudem zu Saisonbeginn vier Zähler in Heimspielen geholt wurden, gehen drei Viertel aller bisher geholten Punkte des FC St. Pauli (15 von 20) auf Heimspiele zurück. Und obwohl sechs der insgesamt 17 Ligaspiele am Millerntor noch ausstehen, hat der FCSP durch den Sieg gegen Werder Bremen zu Hause bereits jetzt mehr Zähler als in der gesamten Vorsaison gesammelt (letzte Saison waren es insgesamt 14, nun sind es schon 15). Wie ist es dazu gekommen?
Zuerst müssen wir noch einmal einen Blick in die vergangene Saison werfen. Ich habe ehrlich gesagt schon wieder ein wenig verdrängt, wie oft es da Magerkost vom FC St. Pauli am Millerntor zu sehen gab. Nur 14 Punkte holte das Team wie gesagt insgesamt, neun davon in der Rückrunde. In elf von 17 Heimspielen erzielte der FCSP keinen eigenen Treffer, das Team kam auf drei Siege, fünf Unentschieden und neun Niederlagen. Nun sind es nach elf Spielen bereits vier Siege und drei Unentschieden bei vier Niederlagen (vier Spiele ohne FCSP-Treffer). So ist bereits jetzt klar, bei noch sechs ausstehenden Heimspielen, dass der FC St. Pauli aus einer Schwäche der Vorsaison eine Stärke in dieser machen könnte. Und das wäre durchaus eine Fortführung einer Stärke, die das Team in die Bundesliga gebracht hat. Denn in der 2. Bundesliga gingen seit der Saison 21/22 von den 51 Heimspielen des FC St. Pauli nur äußerst schmale vier verloren. Es ist also nicht weit hergeholt zu behaupten, dass der FCSP traditionell sehr heimstark ist. Das „Niemand siegt am Millerntor“ muss ja irgendwo seinen Ursprung haben.
Alexander Blessin hatte bereits in der letzten Saison immer wieder erwähnt, wie wichtig es für das Erreichen des Zieles Klassenerhalt sei, dass am Millerntor eine besondere Atmosphäre herrsche. Einen guten Eindruck davon, wie Spieler die Atmosphäre eines Heimspieltags aufsaugen, gab es zum Beispiel in der Vorsaison, als die TSG Hoffenheim zu Gast war – und der Mannschaftsbus des FC St. Pauli gebührend empfangen wurde. Was Spieler und Verantwortliche später über diesen Busempfang erzählten, sollte vielen bewusst machen, wie viel Einfluss Fans auf Spiele haben können (Gemeinsam für den Klassenerhalt).Blessin spricht immer davon, dass vom Platz ein Funke gen Tribüne überspringen müsse. Und wenn dann erstmal ein Feuer entfacht ist, dann entwickelt sich zwischen Spielern und Fans eine Wechselwirkung, die das Team zu Höchstleistungen antreibt. Nun erklärte Startelf-Rückkehrer und Torschütze Hauke Wahl nach dem Spiel gegen Bremen ausführlich, was mit ihm beim Heimspiel gegen Stuttgart auf der Tribüne passiert ist, als vom Rasen der Funke gen Fanblock übersprang. Und weil die Antwort so sehr ins Herz geht, steht sie hier einfach ungekürzt:
„Ich habe es gegen Stuttgart erlebt, da war ich auf der Tribüne. Das war für mich ungewohnt, aber was die Jungs auf den Platz gebracht haben, war einfach so geil, dass der Funke übergesprungen ist. Und wenn der Funke überspringt, dann ist geil. Ich bin nach dem Spiel nach Hause gekommen und war heiser, weil ich gefühlt jedes Lied mitgesungen habe, weil es einfach so Bock gemacht hat. Ich habe danach zu meiner Familie gesagt: Das will ich später machen. Mit meiner Familie hierherkommen, solche Spiele erleben, mit so einem Glücksgefühl nach Hause gehen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir eine Art und Weise finden, wie wir das Stadion mitnehmen. Wir wissen immer, dass die Fans hinter uns stehen. Aber wenn wir dann noch so eine Atmosphäre kreieren, dann ist es für jeden Gegner eklig und das sollte schon ein Faustpfand sein.“ Hauke Wahl
Das Millerntor-Stadion ist für die meisten von uns ein Sehnsuchtsort. Das aber bitte nur für FCSP-Fans. Für Gegner soll es vielmehr eklig sein, ans Millerntor fahren zu müssen. Dieser Ansicht ist auch Alexander Blessin, der die Heimstärke als Kernfaktor für den Klassenerhalt betrachtet: „Du musst als Team, das gegen den Abstieg spielt, deine Heimspiele gewinnen, das ist entscheidend. Das Millerntor-Stadion ist unser Faustpfand. Der Gegner hat keine Lust hier zu spielen und wir sehen das als Festung an. Nur so haben wir eine Chance, unsere Ziele am 34. Spieltag auch zu erreichen.“
Genau das gelang dem FC St. Pauli zuletzt. Ganz unweigerlich fragt man sich: Warum klappte das vorher nicht. Denn Mitte der Hinrunde setzte es vier Niederlagen in Serie (Torverhältnis 1:10). Warum? Weil das Clubheim in dieser Zeit geschlossen hatte, völlig klar! Nee, ernsthaft: Blessin erklärte, dass die Heimspiele nur dann eine Stärke sein können, wenn diese vor Anpfiff kein Thema ist und deutete an, dass das auch schonmal schiefgegangen ist: „Wir haben es öfters angesprochen, aber wenn man es vorher mehrmals thematisiert, desto weniger klappt es oftmals.“ Die Heimstärke ist also ein Gut, das man nicht einfordern kann. Für Blessin ist sie entscheidend, um die Leistung auf dem Platz zu steigern, um ans Leistungslimit zu kommen: „Auf einmal herrscht eine wahnsinnig gute Atmosphäre und jeder das Gefühl hat: Boah, jetzt kitzel ich vielleicht nochmal diese zwei, drei Prozentpunkte mehr raus.“
Da trifft es sich doch ganz gut, dass der FC St. Pauli in dieser Saison von elf Ligaspielen noch sechs am Millerntor bestreitet. Es sollte beachtet werden, dass es in den letzten drei Heimspielen gegen Köln, Mainz und Wolfsburg geht. Das Spiel gegen Bremen ist also womöglich nicht das letzte Abstiegsduell am Millerntor in dieser Saison gewesen, was für den FCSP angesichts seiner Heimstärke ein Vorteil ist. Allerdings nur dann, wenn Team und Zuschauer*innen den Funkenflug zum Entfachen eines Feuers nutzen.
Was aber auch klar ist: Nur mit erfolgreichen Heimspielen alleine wird es aller Voraussicht nach nicht reichen für den Klassenerhalt. Es braucht auch die Auswärtsspiele. Genau hier hat der FCSP aber in dieser Saison seine Schwächen: Auswärts konnte nur beim HSV gewonnen werden. Es gab noch Punktgewinne in Köln und Mainz, aber sonst eben nur Niederlagen. Die Bilanz ist extrem dürftig und wenn der FCSP die letzten fünf Auswärtsspiele der Saison nicht allesamt gewinnen sollte, dann ist eine Verbesserung der Auswärtsbilanz der Vorsaison (18 Punkte) nicht mehr möglich. Alexander Blessin weiß um die Probleme, die das Team auswärts hat, spricht gar nur von „Boni“, die der FC St. Pauli auf fremden Plätzen holen könne: „Du musst deine Heimspiele gewinnen und dann vielleicht einen kleinen Bonus holen, dass du auswärts mal einen Punkt holst oder vielleicht mal ein Dreier durchflutscht.“
Vielleicht ist aber dieser Zeitpunkt des „Durchflutschens“ genau jetzt gekommen, wenn der FC St. Pauli zur TSG Hoffenheim reist. Klar, die TSG Hoffenheim ist in dieser Saison ein Top-Team der Bundesliga. Aber die Erinnerungen an den umjubelten 2:0-Erfolg aus der Vorsaison sind noch nicht verblichen und vielleicht gibt es ja auch ein wenig Heimspiel-Atmosphäre (der Gästeblock ist, natürlich, ausverkauft). Die Bedingungen für massiven Funkenflug sind also gar nicht mal so schlecht. Für den FC St. Pauli wäre das extrem wichtig.// Tim
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