Borussia Dortmund
·15. Februar 2026
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·15. Februar 2026
Wollen wir über Bilanzen reden oder über Sternstunden? Die Italiener haben in K.o.-Duellen die Nase vorn mit 7:4 Erfolgen, das bislang letzte aber ging an den BVB: 2018 gegen jenes Atalanta Bergamo (3:2 H, 1:1 A), auf das man nun in den „Play-offs zur K.o.-Phase der UEFA Champions League“ – welch Wortakrobatik – erneut trifft. Das spektakulärste Duell zwischen Borussia Dortmund und einem italienischen Vertreter, womöglich sogar das turbulenteste zwischen der Bundesliga und der Serie A, wenn man Hin- und Rückspiel betrachtet, spielte sich vor 24 Jahren im April 2002 ab.
Borussia Dortmund hatte sich in der Gruppenphase der UEFA Champions League blamiert und war hinter dem FC Liverpool und Boavista Porto nur als Drittplatzierter eingelaufen. Aber damals gab es noch eine Trostrunde, die Versetzung in den UEFA-Pokal-Wettbewerb. Bei Eiseskälte in Kopenhagen (hier wurde die Torhymne „Olé, jetzt kommt der BVB“ geboren), hauchdünn gegen OSC Lille (nach dem 1:1 in Frankreich gab beim 0:0 in Dortmund die „Auswärtstor-Regel“ den Ausschlag) und im Ausweich-Stadion in Prag, weil in Liberec keine Grashalme auf dem Acker lagen, kämpfte sich die Mannschaft von Matthias Sammer ins Halbfinale. Und traf dort auf den großen Favoriten auf den Einzug ins Endspiel. Ganz Italien war gewiss: In Rotterdam würde es zum „Finale furioso“ zwischen Inter und Milan kommen. Inter Mailand musste gegen Feyenoord ran und der AC Mailand gegen Borussia Dortmund, den kommenden Deutscher Meister…
52.000 Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion erlebten im Hinspiel am 4. April 2002 jedoch eine Sternstunde in der Europapokalgeschichte von Borussia Dortmund. Die Schwarzgelben präsentierten sich aggressiv und zweikampfstark, hatten Milans Megastars bis auf wenige Ausnahmen im Griff, führten sie phasenweise sogar vor. Nicht zuletzt aufgrund der fast 100-prozentigen Chancenauswertung.
Unvergessen, wie Dede in der ersten Halbzeit Gennaro Gattuso mit einem Doppel-Lupfer düpierte, anschließend auch Demetrio Albertini vernaschte. Oder als Tomas Rosicky und Jan Koller in der 34. Minute die Mailänder Defensive um Paolo Maldini mit einem Doppelpass aushebelten, Marcio Amoroso mit einem Heber Martin Laursen – immerhin dänischer Nationalspieler – wie einen Schüler aussehen ließ und das Leder danach sogar noch an Torwart Christian Abbiati vorbei zum 2:0 schoss. Der Brasilianer hatte zuvor bereits den ersten Dortmunder Treffer per Foulelfmeter erzielt (8.) und setzte mit seinem dritten Tor (39.) – diesmal per Kopf – den Schlusspunkt unter 45 Minuten, die nur durch Superlative zu beschreiben waren. Kurz: Was der BVB gegen den AC Milan zeigte, war ganz großer Fußball – ein Jahrhundertspiel! Jörg Heinrich erzielte in der 64. Minute sogar noch das 4:0 für die Borussia.
Zwei Wochen später qualifizierte sich Schwarzgelb trotz einer 1:3-Niederlage im Rückspiel für das Endspiel gegen Feyenoord Rotterdam – nach 3:0-Zwischenstand für Milan rechneten alle mit einer Verlängerung, ehe Lars Ricken dem Spuk in der zweiten Minute der Verlängerung ein Ende bereitete…
Zurück zum Hinspiel in Dortmund: Nach der grandiosen 4:0-Gala beschrieb die italienische Sport-Tageszeitung Gazzetta dello Sport ihren Lesern martialisch ein „Massaker“. „Es war ein Genuss, einen solchen Abend erleben zu dürfen“, schwärmte Weltmeister Stefan Reuter. „Grausam. Eine Nacht des Schreckens“, entgegnete Weltstar Paolo Maldini, im Hinspiel seiner Würde und später auch noch vom Gegner seines Trikots beraubt.
„Gezaubert wie Real Madrid, eiskalt zugeschlagen wie Bayern München“, kommentierte die Westfälische Rundschau eine Gala, die Dortmund auf einem solch perfekten Niveau noch nie gesehen hatte. „Vielleicht vergleichbar mit dem 4:0 in Prag und dem 5:0 gegen Benfica Lissabon“, erinnerte Ruhr-Nachrichten-Redakteur und Zeitzeuge Klaus Bäcker an die Kindertage des Europapokals 40 Jahre zuvor. Selbst der damalige Bundeskanzler spendete per Handy Beifall. „Er wollte mich als Stellvertreter der Mannschaft sprechen und einfach nur gratulieren“, berichtete Reuter von einem Telefongespräch mit Gerhard Schröder.
Der kicker zog Traumnoten für eine Mannschaft, die keinen Ausfall, wohl aber an jenem 4. April 2002 einen hell leuchtenden Kometen in ihren Reihen hatte: Marcio Amoroso. „Ein Fußballer zwischen Genie und Wahnsinn, einer, der ein ganzes Stadion mit seiner arrogant wirkenden Spielweise zur Weißglut treiben kann, der es auf der anderen Seite aber mit Ball-Artistik und Toren zu faszinieren versteht“, merkte die Rundschau an. Den Elfmeter zum 1:0 hatte er herausgeholt, anschließend selbst verwandelt, danach ein „Tor des Jahres“ und noch eines mit Kopf markiert, ein lupenreiner Hattrick.
Weniger wäre aber auch nicht genug gewesen, wie wir angesichts des am Ende mega-spannenden Rückspiels wissen. Zum Finale in Rotterdam trafen sich damals nicht Inter und Milan, sondern Feyenoord und Borussia. Eine frühe Rote Karte für Jürgen Kohler raubte Borussia letztlich den „U-U-EFA-Cup“…Boris Rupert









































