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·5. Juli 2026
Gary Lineker adelt Harry Kane: Endgültig raus aus der Torjäger-Schublade

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Rekordjäger Harry Kane wird von Gary Lineker über Charlton, Shearer und Beckham gestellt – nicht nur wegen der Tore, sondern auch wegen seines Spiels.
Gary Lineker hat sich festgelegt, und er hat es so getan, wie es sich für einen gehört, der selbst in dieser Debatte eine Stimme haben darf: unaufgeregt, aber unmissverständlich. „Harry Kane ist der beste, den wir jemals hervorgebracht haben", sagte der 65-Jährige der Sun. Charlton, Shearer, Beckham – erledigt. Es ist ein bemerkenswerter Satz, weil er von einem Mann kommt, der in der ewigen englischen Torjägerliste selbst auf Platz vier steht, mit 48 Treffern in 80 Länderspielen, direkt hinter dem Mann, den er nun adelt.
Man kann diese Adelung als das übliche Ritual des älteren Rekordhalters lesen, der dem jüngeren die Krone reicht. Doch Lineker geht weiter. Er reduziert Kane ausdrücklich nicht auf die Zahlen, „die natürlich unglaublich sind". Es geht ihm um das, was in der öffentlichen Wahrnehmung eines Neuners häufig verschwindet, sobald die Torquote alles überstrahlt: das Zwischenspiel, die Passqualität, die Übersicht. „Die Art, wie er sich in den freien Raum fallen lässt und dann den Ball hält, sein Gespür für den richtigen Pass und seine Spielübersicht – all das ist unglaublich."
Das ist der interessantere Teil der Debatte. Denn Torjäger-Statistiken hat England reichlich, und wer nur nach ihnen sortiert, landet ohnehin bei Kane: 84 Länderspieltore sind eine Zahl, gegen die Rooneys 53, Charltons 49 und eben Linekers 48 wie aus einer anderen Epoche wirken. Rein arithmetisch ist die Sache entschieden. Lineker aber verschiebt die Frage bewusst weg vom Zählwerk hin zum Gesamtbild: Nicht nur der beste Stürmer, sondern der beste Fußballer. Das ist eine andere Kategorie, und es ist die Kategorie, in der ein Charlton oder ein Beckham traditionell verteidigt werden.
Der zweite Punkt, den Lineker beinahe nebenbei erledigt, betrifft den Kanon selbst. Kane ist Bundesliga-Legionär, spielt in München, nicht in London oder Manchester. Für den englischen Fußball, der seine Größen historisch gern zu Hause gerahmt sieht, ist das ein Detail, das die Debatte länger begleitet hat, als es angemessen war. Wenn ein Gary Lineker, Ikone der Achtziger und heute publizistische Instanz, den Bayern-Stürmer ohne Umschweife an die Spitze setzt, dann fällt dieses Argument in sich zusammen. Ort spielt keine Rolle mehr, Ertrag schon.
Und der Ertrag reicht mittlerweile bis in die Randstatistiken, die Lineker persönlich betreffen. Bis vor Kurzem hielt er mit zehn WM-Toren den englischen Rekord bei Weltmeisterschaften. Nach dem Doppelpack im Sechzehntelfinale gegen die DR Kongo, das England 2:1 gewann, steht Kane bei elf. Auch diese Marke ist gefallen, und sie ist von demselben Mann gefallen, der nun das Urteil spricht. Das gibt Linekers Einordnung eine zusätzliche Farbe: Er lobt jemanden, der ihn gerade überholt hat.
Was bleibt, ist ein einziger, fast entwaffnender Vorbehalt, den Lineker selbst formuliert: „Das Einzige, was ihm wahrscheinlich fehlt, ist etwas an Tempo." Mehr Einschränkung findet er nicht. Ob man Kane deshalb tatsächlich über Charlton, Shearer und Beckham stellt, muss jeder für sich beantworten. Aber die Debatte, die früher als geschmäcklerisch galt, ist nun eine ernsthafte – und das ist bereits ein Befund.







































