90min
·6. Juni 2026
Geister der Vergangenheit: Diese 11 fast vergessenen Bundesliga-Legenden fahren zur WM

In partnership with
Yahoo sports90min
·6. Juni 2026

Wenn die ganze Welt auf die glänzenden Superstars starrt, sitzt der echte Bundesliga-Nostalgiker mit der Lupe vor den Aufgeboten von Australien, Neuseeland oder Kolumbien. Und dann passiert es. Der Blick bleibt an einem Namen hängen, der sofort unzählige Erinnerungen an verregnete Samstagnachmittage in der Konferenz auslöst. Ist der nicht mal in einem einzigen Spiel fast 15 Kilometer für Hertha BSC gerannt? Hat der nicht 2018 in der Allianz Arena einen sensationellen Dreierpack gegen Manuel Neuer geschnürt? Oder war das nicht dieser 16-Millionen-Rekordtransfer, der in Augsburg kein einziges Pflichtspieltor zustande brachte? Ja, es gibt sie noch. Die fast vergessenen Bundesliga-Kultkicker, die plötzlich aus der Versenkung auftauchen und bei der Endrunde in Nordamerika fröhlich vom Fernsehbildschirm winken, als wären sie nie weggewesen. Wie Geister der Bundesliga-Vergangenheit schlendern sie noch einmal über die größtmögliche Fußballbühne. Wir haben uns durch die Untiefen der offiziellen WM-Kader gegraben und elf Typen gefunden, bei denen jedem Fan der deutschen Beletage sofort warm ums Herz wird.

Galt in Hamburg als Sinnbild für Treue im Abstiegsjahr: Der heutige Zenit-Kapitän Douglas Santos | Sports Press Photo/GettyImages
Manche Spieler bleiben für Titel in Erinnerung, andere für ihre unerschütterliche Treue. Douglas Santos kam 2016 als frischgebackener Olympiasieger für 7,5 Millionen Euro zum Hamburger SV. Obwohl der Brasilianer mit starken Flanken und defensiver Stabilität überzeugte, konnte er den historischen ersten Bundesliga-Abstieg der "Rothosen" 2018 nicht verhindern. Doch anstatt das sinkende Schiff zu verlassen, blieb er dem HSV auch in der 2. Bundesliga treu und verpasste dort nur ein einziges Spiel. Erst als der direkte Wiederaufstieg scheiterte, zog es ihn 2019 für die damalige Rekordablöse von rund zwölf Millionen Euro zu Zenit St. Petersburg. In Russland reifte er zum absoluten Führungsspieler und feierte im Mai 2026 gerade seine sechste Meisterschaft in Folge. Diese immense Konstanz brachte dem 32-jährigen Linksverteidiger nach fast neun Jahren Länderspielpause nun unter Carlo Ancelotti ein spektakuläres Comeback und das späte WM-Ticket in der Seleção ein.

Gibt auch mit 37 Jahren noch den Takt vor: Ex-BVB-Metronom Axel Witsel im Trikot der Belgier | BRUNO FAHY/GettyImages
Ein echter Dirigent verlernt nie, den Takt anzugeben. Als Axel Witsel 2018 vom chinesischen Klub Tianjin Quanjian zu Borussia Dortmund wechselte, galt er schnell als fehlendes Puzzleteil im BVB-Mittelfeld. Der Belgier bestach durch eine beinahe fehlerfreie Passquote und wurde unter Lucien Favre zum unumstrittenen "Metronom" des Dortmunder Spiels. In 145 Pflichtspielen krönte er seine Zeit in Schwarz-Gelb unter anderem mit dem DFB-Pokalsieg 2021. Nach seinem emotionalen Abschied 2022 wechselte er zu Atlético Madrid und fand zuletzt beim spanischen Überraschungsteam FC Girona eine neue sportliche Heimat. Dort überzeugte der mittlerweile 37-Jährige in der abgelaufenen Saison mit 32 Ligaspielen als Innenverteidiger. Genau diese enorme Routine ist es, die Nationaltrainer Rudi Garcia dazu bewogen hat, den Routinier als defensiven Stabilisator in den belgischen Kader für die Endrunde in Nordamerika zu berufen.

Der Bayern-Schreck von 2018 spielt mittlerweile bei Benfica Lissabon: Flügelflitzer Dodi Lukébakio | Daniel Bartel/GettyImages
Wer als erster Spieler der Bundesliga-Geschichte einen Dreierpack gegen Manuel Neuer in der Allianz Arena schnürt, hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Dodi Lukébakio gelang dieses Kunststück im November 2018 im Trikot von Fortuna Düsseldorf. Sein späterer Wechsel zu Hertha BSC für 20 Millionen Euro war der Start in eine wilde Achterbahnfahrt voller genialer Dribblings, Abstiegsängste und einem durchwachsenen Leih-Jahr beim VfL Wolfsburg.Trotz der chaotischen Zeiten in Berlin lieferte der pfeilschnelle Rechtsaußen verlässlich ab, bevor es ihn 2023 nach Spanien zum FC Sevilla zog. Mittlerweile wirbelt der 28-Jährige für den portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon. Mit seinen starken Vorstellungen in der Liga Portugal sowie in der Champions League sicherte sich Lukébakio völlig verdient seinen Platz im belgischen Offensiv-Ensemble für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko.

In Augsburg gescheitert, in den Niederlanden explodiert: US-Stürmer Ricardo Pepi | Omar Vega/USSF/GettyImages
Manchmal braucht ein Talent einfach nur einen Tapetenwechsel, um zu explodieren. Als der FC Augsburg im Januar 2022 rund 16,4 Millionen Euro für den 18-jährigen Ricardo Pepi auf den Tisch legte, waren die Erwartungen riesig. Doch im defensiv geprägten System der Fuggerstädter fand das US-Talent nie seinen Rhythmus und blieb in 16 Pflichtspielen gänzlich ohne Tor. Erst eine Leihe in die Niederlande zum FC Groningen brachte den Durchbruch, der ihn schließlich 2023 zur PSV Eindhoven führte. Dort feierte Pepi zuletzt zwei Meisterschaften in Folge und überzeugte in der abgelaufenen Saison mit 16 Ligatoren. Die Krönung seiner sportlichen Wiederauferstehung: Die Nominierung von Mauricio Pochettino für die Heim-Weltmeisterschaft sowie ein bevorstehender 36-Millionen-Euro-Wechsel in die Premier League zum FC Fulham – der dem FC Augsburg dank einer Weiterverkaufsklausel nun doch noch einen unerwarteten Geldsegen beschert.

Verkörperte in Mainz, Köln und Berlin die pure offensive Wucht: Mittelstürmer Jhon Córdoba | Eston Parker/ISI Photos/GettyImages
Wenn ein Stürmer das Prädikat "Naturgewalt" verdient, dann Jhon Córdoba. Der bullige Kolumbianer lehrte Bundesliga-Verteidigern in Mainz, Köln und Berlin das Fürchten. Unvergessen bleibt sein entscheidender Treffer beim sensationellen 2:1-Auswärtssieg der Mainzer beim FC Bayern 2016. Doch seinen wahren Kultstatus erlangte er in Köln: Nach einem katastrophalen ersten Jahr ohne einziges Tor schoss er den Effzeh in der Zweitliga-Saison mit 20 Toren zurück ins Oberhaus und avancierte mit 13 Treffern in der Folgesaison zum absoluten Fanliebling.Nach einem einjährigen Intermezzo bei Hertha BSC stürmt Córdoba seit 2021 für den russischen Erstligisten FK Krasnodar. Auch dort pflügt der physisch extrem robuste Angreifer durch die gegnerischen Abwehrreihen und erzielte in der abgelaufenen Spielzeit beeindruckende 17 Tore in 28 Ligaspielen. Mit dieser Wucht im Strafraum ist er ein wichtiges Element im kolumbianischen WM-Kader.

Kämpfte sich nach einem Herzstillstand heldenhaft zurück auf den Platz: Nabil Bentaleb | ANP/GettyImages
Seine Geschichte ist eine der emotionalsten im internationalen Fußball. Auf Schalke erlebte Nabil Bentaleb zwischen genialen Momenten am Ball und mehrfachen Suspendierungen eine stürmische Achterbahnfahrt der Emotionen. Nachdem er 2021 nach Frankreich zurückgekehrt war, schien er beim Lille OSC endlich seine sportliche Heimat gefunden zu haben – bis er im Sommer 2024 einen schweren Herz-Kreislauf-Stillstand erlitt. Die Fußballwelt hielt den Atem an, doch Bentaleb kämpfte sich mit einem eisernen Willen zurück. Im Februar 2025 feierte der 31-Jährige sein medizinisches und sportliches Traum-Comeback. Mittlerweile ist er wieder der Fixpunkt im defensiven Mittelfeld der Nordfranzosen und absolvierte in der abgelaufenen Spielzeit 26 Ligaspiele. Längst weckt der spielstarke Algerier wieder das Interesse zahlreicher europäischer Topklubs und darf sich völlig zu Recht auf seine Rückkehr auf die WM-Bühne nach 2014 freuen.

Ist bis heute zweitteuerster Abgang des FC Augsburg: Linksverteidiger Abdul Rahman Baba | Sarah Stier - FIFA/GettyImages
Von der Achterbahnfahrt der Gefühle im Profifußball kann auch Abdul Rahman Baba ein Lied singen. Der ghanaische Außenverteidiger schaffte 2014 den Durchbruch beim FC Augsburg und wechselte ein Jahr später für die Augsburger Rekordsumme von rund 25 Millionen Euro zum FC Chelsea. Doch auf den Höhenflug folgten bittere Rückschläge: Ein schwerer Kreuzbandriss 2017 setzte ihn monatelang außer Gefecht und zwei anschließende Leihen zum FC Schalke 04 endeten unglücklich. Nach einer jahrelangen Odyssee quer durch Europa hat der 31-Jährige nun beim griechischen Erstligisten PAOK Thessaloniki sein sportliches Glück wiedergefunden. Als absoluter Stammspieler in der Liga und der Europa League kämpfte er sich zurück in den Fokus der Nationalmannschaft. Fast drei Jahre nach seinem Rücktritt aus der Auswahl der Black Stars aufgrund heftiger öffentlicher Anfeindungen, feiert der Routinier nun sein emotionales WM-Comeback in Nordamerika.

Besiegte in seiner Karriere unglaubliche drei Kreuzbandrisse: ÖFB-Hüne Saša Kalajdžić | DeFodi Images/GettyImages
Wenn man sich durch den Lebenslauf von Saša Kalajdžić liest, kann man nur den Hut vor der mentalen Stärke des 2,00-Meter-Hünen ziehen. Nachdem der österreichische Stürmer in der Saison 2020/21 mit 16 Toren für den VfB Stuttgart seinen Durchbruch in der Bundesliga feierte, warfen ihn unglaubliche drei Kreuzbandrisse – der letzte davon im Februar 2024 während seiner Leihe bei Eintracht Frankfurt – immer wieder gnadenlos zurück. Doch Kalajdžić kämpfte sich wieder und wieder zurück. Die vergangene Saison verbrachte der 28-Jährige auf Leihbasis beim LASK, wo er mit sechs Toren in 23 Spielen eine tragende Rolle beim österreichischen Double-Gewinn spielte und sich endlich wieder vollkommen fit melden konnte. Diese Leistungsexplosion belohnte ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick mit dem Ticket für die Weltmeisterschaft in Nordamerika, nach der der Stürmer zu seinem Stammklub Wolverhampton Wanderers in die englische Championship zurückkehren wird.

Jahrelang unantastbar auf dem Lauf-Thron der Bundesliga: Ex-Herthaner Vladimír Darida | NurPhoto/GettyImages
Er war das personifizierte Perpetuum mobile der Bundesliga. Vladimír Darida absolvierte in neun Jahren für den SC Freiburg und Hertha BSC insgesamt 224 Spiele im deutschen Oberhaus und stellte dabei die Konkurrenz in den Schatten. Legendär sind seine unglaublichen Laufrekorde aus dem Sommer 2020, als er innerhalb von sieben Tagen erst 14,34 und dann 14,65 Kilometer für die Berliner abspulte. Ein Rekord, der erst fünf Jahre später von Lennard Maloney gebrochen wurde.Nach einem Abstecher nach Griechenland schnürt der mittlerweile 35-Jährige seine Schuhe seit 2025 wieder in der Heimat beim FC Hradec Králové. Eigentlich hatte der unermüdliche Mittelfeldmotor seine Karriere in der Nationalelf bereits nach der Euro 2021 beendet, doch für die WM-Playoffs ließ er sich von Team-Manager Pavel Nedvěd zu einem Rücktritt vom Rücktritt überreden – und wird nun noch einmal das tschechische Mittelfeld umpflügen.

Stellte einen historischen WM-Rekord in Australien ein: Bundesliga-Dauerläufer Mathew Leckie | Lachlan Cunningham/GettyImages
Ein ganzes Jahrzehnt wirbelte Mathew Leckie auf den Außenbahnen der ersten und zweiten Bundesliga. Ob bei Borussia Mönchengladbach, beim FSV Frankfurt, als Aufstiegsheld beim FC Ingolstadt oder in seinen 68 Pflichtspielen für Hertha BSC – der kampfstarke und pfeilschnelle Australier hinterließ überall seine Spuren. Seit 2021 läuft er wieder in seiner Heimatstadt für den Melbourne City FC auf. Trotz einer von schweren Hüftverletzungen geplagten Saison kämpfte sich der mittlerweile 35-Jährige pünktlich zu den A-League-Finals zurück auf den Platz und sicherte sich damit sein Ticket für die Endrunde in Nordamerika. Mit seiner vierten Weltmeisterschafts-Teilnahme egalisiert der Siegtorschütze vom unvergessenen 1:0 gegen Dänemark (WM 2022) gemeinsam mit Keeper Mat Ryan den australischen Allzeit-Rekord von Tim Cahill und Mark Milligan.

Gilt als erster Spieler indischer Abstammung beim FC Bayern München: Der Neuseeländer Sarpreet Singh | Leonardo Fernandez/GettyImages
Er sorgte 2019 für einen der überraschendsten Transfers der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Als der FC Bayern München das Offensivtalent aus Auckland verpflichtete, wurde Sarpreet Singh zum ersten Spieler indischer Abstammung beim Rekordmeister und zum ersten Neuseeländer in der Beletage seit Legende Wynton Rufer. Doch auf die Drittliga-Meisterschaft mit der Bayern-Reserve folgten unruhige Jahre: Zwei glücklose Leihen nach Nürnberg und Regensburg (inklusive eines kuriosen Registrierungsfehlers), ein frustrierendes Jahr bei Hansa Rostock und Wechsel nach Portugal und Serbien. Doch rechtzeitig zum großen Turnier fand der 27-Jährige zurück zu alter Stärke, nachdem er Anfang 2026 leihweise zu seinem Jugendverein Wellington Phoenix zurückgekehrt war. Mit seiner Nominierung für das "All Whites"-Aufgebot schreibt Singh nun Sportgeschichte und wird als erster Fußballer mit Punjabi-Wurzeln bei einer Weltmeisterschaft auflaufen.







































