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·28. April 2026
Gianni Infantino & der FIFA-Kongress – Fragen & Antworten: FIFA wegen WM Kosten in Kritik

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Gianni Infantino dürfte beim FIFA-Kongress in Vancouver vor allem sein WM-Projekt für 2026 in den Vordergrund stellen. Kurz vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada stehen aber weiter heikle Fragen im Raum, etwa zum Iran, zu Donald Trump, zu den Kosten für Fans und zu Infantinos eigener Zukunft.

FIFA-Präsident Gianni Infantino präsentiert am 29. Januar 2026 beim US Conference of Mayors in Washington D.C. den WM-Pokal und wirbt damit für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird. Getty Images
Am Donnerstag versammelt der FIFA-Präsident die Entscheider des Weltfußballs zum 76. FIFA-Kongress, der um 18.30 Uhr MESZ beginnt. Auf der offiziellen Agenda steht zwar wenig Sprengstoff, doch rund um das XXL-Turnier ist die Lage angespannt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der dem FIFA-Council angehört, sagte dem SID, es sei nahe liegend, dass man kurz vor dem WM-Start noch einmal die international relevanten Themen durchgehe. Vor allem der Nahost-Krieg und die offenen Fragen zur Teilnahme Irans bleiben präsent. Neuendorf geht davon aus, dass Infantino dazu berichten und Auskunft geben wird.
Ob das iranische Team trotz des Krieges in die USA reisen wird, ist eines der zentralen Themen. Infantino hatte zuletzt betont, der Iran werde „auf jeden Fall“ dabei sein. Die Mannschaft habe sich sportlich qualifiziert und werde ihre Partien wie geplant in den USA bestreiten. Zwischenzeitlich hatte Teheran sogar einen Boykott ins Spiel gebracht und gefordert, seine Spiele in Mexiko auszutragen. US-Außenminister Marco Rubio wies zudem einen Vorschlag zurück, Italien könne den WM-Platz Irans übernehmen.
Auch die Haltung von Donald Trump sorgt für Unruhe. Der US-Präsident änderte seine Position mehrfach. Zuletzt erklärte Andrew Giuliani, Chef der Task Force des Weißen Hauses für die WM, Trump habe das iranische Team eingeladen. Von Entspannung kann dennoch keine Rede sein, denn Trumps aggressive Politik und die eskalierenden ICE-Einsätze mit Todesopfern verstärken die Sicherheitsbedenken rund um das Turnier. Der US-Präsident dürfte die WM zudem als Bühne nutzen, ungeachtet aktueller Warnungen zivilgesellschaftlicher Gruppen an Fans, Spieler, Journalisten und andere Reisende vor möglichen „ernsthaften Menschenrechtsverletzungen“ in den USA. Laut Berichten soll die FIFA-Spitze kürzlich sogar beraten haben, ob Infantino Trump um ein Aussetzen der ICE-Einsätze im WM-Umfeld bitten könnte. Infantino pflegt ein enges Verhältnis zum US-Präsidenten und hatte Trump mit einem „Friedenspreis“ ausgezeichnet. Diese Nähe brachte ihm eine Beschwerde der Organisation Fair Square bei der FIFA-Ethikkommission ein, die vom norwegischen Verband unterstützt wird.
Zusätzlichen Ärger lösen die enormen Ausgaben für WM-Reisende aus. DFB-Chef Neuendorf machte klar: „Die Ticketpreise sind sehr, sehr hoch. Das ist auch nichts, was wir begrüßen.“ Verbraucherschützer und Fans in Europa reichten deshalb wegen des FIFA-Ticketverkaufs eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Brisant ist dabei auch die FIFA-Plattform für den Weiterverkauf bereits gekaufter Karten. Dort setzt der Verkäufer den Preis fest, während die FIFA doppelt kassiert, nämlich 15 Prozent Gebühr sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Zuletzt wurden dort Finaltickets für mehr als zwei Millionen US-Dollar angeboten. Hinzu kommen überteuerte Parkplätze sowie hohe Kosten für Bus und Bahn. In New Jersey liefert sich die FIFA in dieser Frage einen offenen Schlagabtausch mit der Politik darüber, wer die Transportkosten der Fans tragen soll.
Auch bei den WM-Prämien gab es noch einmal Diskussionen. Mehrere Verbände befürchteten wegen der hohen Reise-, Organisations- und Steuerkosten vor allem in den USA sogar Verluste und hätten erst ab dem Halbfinale schwarze Zahlen geschrieben. Deshalb traten sie mit einer Beschwerde an die FIFA heran. Der Weltverband stimmte einer Erhöhung der Teilnahmegebühr und der Prämien grundsätzlich zu, das Council soll dies noch in dieser Woche absegnen. Gegenwind muss Infantino beim Kongress dennoch kaum fürchten. Aus den Mitgliedsverbänden ist keine offene Kritik zu hören, eine kämpferische Rede wie jene von Lise Klaveness, der Verbandschefin aus Norwegen, vor dem WM-Kongress 2022 in Katar ist nicht zu erwarten. Infantino, dessen Amtszeit noch bis 2027 läuft, hat jüngst sein zehnjähriges Jubiläum als FIFA-Boss gefeiert. Der Kongress wäre der passende Rahmen, um eine erneute Kandidatur anzukündigen. Gegenkandidaten sind derzeit nicht in Sicht. Als erster Verband sprach sich die südamerikanische CONMEBOL bereits für eine weitere Amtszeit des Schweizers bis 2031 aus.









































