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·20. April 2026
Gnabry droht WM-Aus: Was das für Nagelsmann und den DFB bedeutet

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·20. April 2026

Diese Nachricht traf Fußball-Deutschland wie ein Schlag: Am Samstagabend gab der FC Bayern bekannt, dass sich Serge Gnabry einen Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel zugezogen habe und „für längere Zeit“ ausfallen werde.
Diese Diagnose trifft nicht nur den Rekordmeister hart, der im Saisonendspurt um zwei weitere Titel kämpft. Nein, sie beeinflusst auch die Planungen der deutschen Nationalmannschaft massiv.
Wie lange Gnabry tatsächlich fehlen wird, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Die Prognosen reichen von zwei bis hin zu vier Monaten. Am realistischsten erscheint aktuell eine Pause von rund drei Monaten. Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, wäre die am 11. Juni beginnende Weltmeisterschaft für den 30-Jährigen außer Reichweite.
Auch Bayerns Sportvorstand Max Eberl deutete bereits an, wie ernst die Lage ist. „Wenn du 30, 31 bist, dann hast du noch eine WM vor der Brust. Wahrscheinlich, ich weiß nicht, wie lange er noch spielt, aber es könnte die letzte Chance gewesen sein vielleicht. Es tut mir für ihn leid, weil er bei der WM für die deutsche Mannschaft eine sehr gute Rolle gespielt hätte“, erklärte Eberl am Sonntag in einer Medienrunde. Es sind Aussagen im Konjunktiv, aber mit klarer Tendenz.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann bedeutet das: Er muss aller Voraussicht nach ohne einen seiner verlässlichsten Offensivspieler planen! Gnabry spielt eine schlicht herausragende Saison, kommt wettbewerbsübergreifend auf 21 Scorerpunkte (zehn Tore, elf Vorlagen) und ist sowohl im Verein als auch im Nationalteam gesetzt. In den letzten acht Länderspielen stand er stets in der Startelf, steuerte dabei vier Treffer und zwei Assists bei. Seine Gesamt-Bilanz beim DFB liest sich mit 26 Toren und 11 Vorlagen in 59 Einsätzen ohnehin beeindruckend.
Ein solcher Spieler ist kaum zu ersetzen. Zumal Gnabry im aktuellen Kader eine seltene Kombination aus Dynamik, Abschlussstärke und Zug zum Tor vereint. Einen klassischen 1:1-Einsatz gibt es dementsprechend nicht.
Und dennoch: Wenn es eine Position gibt, auf der Deutschland einen Ausfall verhältnismäßig einfach kompensieren kann, dann ist es das offensive Mittelfeld. Die Auswahl an hochkarätigen Alternativen ist groß. In erster Linie ist hier Jamal Musiala zu nennen, der sowohl beim FC Bayern als auch im DFB-Team als naheliegendster Gnabry-Vertreter gilt. Nach einer ganzen Serie an schweren Verletzungen scheint der 23-Jährige gerade rechtzeitig wieder zu seiner Form zu finden. Das belegen nicht zuletzt vier direkte Torbeteiligungen in den vergangenen drei Partien. Hält dieser Aufwärtstrend an – und bleibt er fit – ist er ein klarer Startelfkandidat.

Foto: Getty Images
Im Nagelsmann’schen 4-2-3-1-System könnte Musiala jene zentrale Rolle übernehmen, die Gnabry im jüngsten Testspiel gegen Ghana (2:1) inne hatte. Flankiert würde er von Florian Wirtz auf der linken und Kai Havertz auf der rechten Seite, während Nick Woltemade im Sturmzentrum agiert. Eine solche Aufstellung wäre allerdings so fluide, dass die klassischen Positionen nur auf dem Papier bestünden. Musiala könnte genau so gut auf der rechten Seite spielen und Havertz im Zentrum. Hinzu kommt, dass Woltemade alles andere als ein klassischer Strafraum-Stürmer ist und sich nur allzu gerne tief fallen lässt. Der Newcastle-Angreifer ist – wie schon gegen Ghana gesehen – ein integraler Bestandteil des deutschen Rotationsspiels.
Blickt man nur auf das technische Grundniveau, ist eine solche Formation das Beste, was die DFB-Elf aktuell zu bieten hat. Allerdings besitzt sie einen klaren Nachteil: Es fehlt an Tempo und Tiefgang! Genau hier wird Gnabrys voraussichtliche Abwesenheit besonders spürbar. Denn auch wenn er nicht mehr über den Flügel kommt und athletisch bereits eingebüßt hat, bringt er noch immer Explosivität und vertikale Läufe ins Spiel. Diese Qualitäten wären in einer Wirtz-Musiala-Havertz-Woltemade Konstellation nur bedingt vorhanden.
Deshalb könnten – je nach Ausrichtung des Gegners – auch klassischere Außenspieler in den Fokus rücken. Leroy Sané und Jamie Leweling bieten sich als naheliegende Optionen an, um einerseits die Breite des Spielfeldes zu halten und andererseits die Tiefe zu bedrohen. Karim Adeyemi und Kevin Schade kommen dafür ebenfalls infrage, dürften allerdings maximal als Joker eine Rolle spielen. Im Gegenzug müssten dann entweder Musiala oder Havertz ihren Platz räumen – oder aber Havertz rückt in die Sturmspitze und Woltemade auf die Bank.
Ausreichend personelle Möglichkeiten besitzt Nagelsmann trotz des Gnabry-Ausfalls also weiterhin. Und doch wiegt dessen Verletzung ungemein schwer. Gerade weil sich die Mannschaft zwei Monate vor Turnierbeginn noch immer nicht vollumfänglich gefunden hat, ist der Verlust eines formstarken, verlässlichen Leistungsträgers besonders bitter.
Nicht umsonst ist Gnabry hinter Deniz Undav der zweitproduktivste deutsche Offensivspieler dieser Saison. Gegen den unwahrscheinlichen Fall einer Wunderheilung dürfte Nagelsmann also nichts einzuwenden haben.


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