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·13. September 2026

Haalands Derby-Tor hätte nicht zählen dürfen – und der Verband sagt es selbst

Artikelbild:Haalands Derby-Tor hätte nicht zählen dürfen – und der Verband sagt es selbst

Manchester. Es gibt Derbysiege, die man feiert, und solche, für die sich hinterher jemand entschuldigen muss. Manchester City hat am Sonntag das 199. Manchester-Derby 1:0 an der Old Trafford gewonnen – durch ein Tor von Erling Haaland in der 60. Minute, das der Schiedsrichter zunächst wegen Abseits aberkannte und der Videoassistent dann doch gab. Wenige Stunden später räumte Pro Ref, der englische Schiedsrichterverband, in einer Erklärung eine „Fehleinschätzung“ ein: Der VAR hätte den Schiedsrichter zum Monitor schicken müssen. Das Tor hätte, nach den Regeln, nicht zählen dürfen. City hat trotzdem drei Punkte.

Was passiert ist

Die Szene begann mit einem Ballverlust von Patrick Dorgu, der in Abwesenheit von Luke Shaw erneut links verteidigte. Josko Gvardiols Flanke wurde abgefälscht, Haaland rutschte am zweiten Pfosten in den Ball – sein neuntes Premier-League-Tor gegen United, damit alleiniger Rekordschütze in diesem Duell. Der Linienrichter hob die Fahne: Haaland im Abseits. Der VAR prüfte und stellte fest, dass Dorgu ihn onside gehalten hatte. So weit korrekt.


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Der Fehler lag eine Sekunde davor. Enzo Fernández, im Sommer für 145 Millionen Euro von Chelsea gekommen, stand beim Zuspiel im Abseits und ging zum Ball. Er berührte ihn nicht – der Ball rutschte an ihm vorbei zu Haaland. Aber seine Bewegung wirkte laut Sky sichtbar auf Lisandro Martínez, der ihn, seinen argentinischen Nationalmannschaftskollegen, zu decken versuchte. Genau das ist im Regelwerk beschrieben: Ein Spieler kann im Abseits stehen, ohne den Ball zu spielen – wenn er einen Gegner beim Spielen des Balls behindert, um den Ball kämpft oder eine „offensichtliche Aktion“ macht, die die Möglichkeit des Gegners einschränkt. Der VAR prüfte stattdessen, ob Fernández den Ball berührt hatte. Er hatte nicht. Das Tor zählte.

Die Erklärung – und das Wort, an dem alles hängt

Das Premier League Match Centre veröffentlichte auf X die Begründung: Haaland onside, Fernández habe „den Ball nicht gespielt“. Micah Richards, früherer City-Verteidiger, nannte das bei Sky „Unsinn“ – natürlich versuche Fernández, den Ball zu spielen, jeder Verteidiger wisse, dass jede kleine Bewegung den Unterschied mache. Roy Keane: United werde „für eine gute Abwehrlinie bestraft“. Gary Neville sah es ebenso.

Dann kam Pro Ref. Der Verband – bis zum Sommer PGMOL, geführt vom früheren Referee Howard Webb – veröffentlichte am Abend eine Erklärung, die in ihrer Offenheit ungewöhnlich ist:

„Die Entscheidung auf dem Platz lautete Abseits gegen Erling Haaland – das wurde vom VAR überprüft, und er befand sich in einer Onside-Position. Im selben Angriff wurde festgestellt, dass Enzo Fernández den Ball nicht gespielt hat, was jedes Abseitsvergehen zu einer subjektiven Frage macht. Bei dieser Gelegenheit hat der VAR jedoch die wahrscheinliche Auswirkung seiner Position nicht erkannt und hätte eine Überprüfung am Monitor empfehlen sollen. Mit Manchester United wurde heute Abend Kontakt aufgenommen, um anzuerkennen, was wir als Fehleinschätzung betrachten. Eine Überprüfung des Vorfalls wird stattfinden.“

Das entscheidende Wort ist „subjektiv“. Pro Ref sagt damit zweierlei: Ohne Ballkontakt gibt es keine automatische Abseitsentscheidung, sondern eine Ermessensfrage – und dieses Ermessen hätte am Monitor ausgeübt werden müssen, nicht im Keller. Der VAR hat also nicht die Regel falsch angewendet, sondern den Schritt ausgelassen, der die Regel anwendbar gemacht hätte. Es ist die Art von Erklärung, die niemandem hilft. United bekommt eine Entschuldigung statt eines Punktes. City bekommt einen Sieg mit Fußnote. Und Martínez, der die Szene „Ungerechtigkeit“ nannte, bekommt recht – nachträglich.

Carrick: „Das ist wirklich beunruhigend“

Michael Carrick, Uniteds Trainer, wählte seine Worte nach dem Spiel vorsichtig und deutlich zugleich: „Wenn das jetzt die Auslegung von ’nicht ins Spiel eingreifen‘ ist, ist das wirklich beunruhigend für mich.“ Nach der Pro-Ref-Erklärung ist es nicht die Auslegung. Es ist ein Fehler. Das macht es für United nicht besser, aber es verschiebt die Debatte: Nicht die Regel war das Problem, sondern ihre Anwendung.

Das Spiel, das United hätte gewinnen müssen

Was in der Diskussion um das Tor untergeht: United hatte 37 Minuten lang einen Mann mehr und machte nichts daraus. Phil Foden war in der 23. Minute vom Platz geflogen – nach einer Reaktion auf einen Tritt von Bruno Fernandes. Enzo Maresca, Citys Trainer, akzeptierte den Platzverweis, forderte aber denselben für Fernandes und sagte, der Plan habe sich „komplett geändert“. Er selbst sah Gelb.

United hatte danach Chancen: Marcus Rashford setzte einen Freistoß kurz vor der Pause an den Pfosten, Kobbie Mainoo traf nach dem Wiederanpfiff aus der Distanz ebenfalls den Pfosten. Aber in der ersten Halbzeit gab es einen einzigen Schuss aufs Tor, und Carricks Aufstellung – Matheus Cunha als Mittelstürmer, Benjamin Šeško lange auf der Bank – funktionierte laut Yahoo nicht. Eine Mannschaft, die für Konter gebaut ist, wusste mit zehn Gegnern nichts anzufangen. In der 95. Minute hielt Gianluigi Donnarumma gegen Bryan Mbeumo – seine einzige nennenswerte Parade, und die entscheidende. Haaland nannte ihn hinterher „diesen Wolf im Tor“, der „verrückt, aber auch ein Matchwinner“ sei.

Was bleibt

City hat vier Ligaspiele und vier Siege, das erste Derby seit Pep Guardiolas Abschied und den ersten Auswärtssieg in der Champions League unter Maresca in einer Woche. Es ist ein Start, der Titelambitionen trägt – mit einer Mannschaft, die in Porto eine Halbzeit und in Manchester 70 Minuten lang nicht überzeugte und beide Spiele gewann. Haaland trifft. Donnarumma hält. Der Rest ist noch Baustelle.

United hat ein Derby verloren, das es nach 23 Minuten hätte gewinnen müssen, und eine Entschuldigung bekommen, die es nicht wollte. Dass Pro Ref den Fehler binnen Stunden zugab, ist neu – und ein Fortschritt gegenüber Zeiten, in denen Verbände wochenlang schwiegen. Aber ein Fehler, der zugegeben wird, ist immer noch ein Fehler, der ein Derby entschieden hat. Der Videoassistent hieß Matthew Donohue. Die Überprüfung, die Pro Ref angekündigt hat, wird sich mit ihm beschäftigen. Mit der Tabelle wird sie sich nicht beschäftigen.

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